ACHTUNG: SATIRE!

Hier veröffentlicht Tim Cajou, Leiter der
Hauptabteilung Sprachregelungen und Sprechverbote
im Bundeskanzleramt,
Kanzlerinnenworte mit Außenwirkung


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Einer meiner engsten Mit- und Zuarbeiter, meine sehr geehrten Wählerinnen und Wähler sowie Nichtwählerinnen und Nichtwähler, hat mich in dankenswerter Weise darauf aufmerksam gemacht, dass der ,,Fuchstreff" insbesondere durch dessen Forum geradezu ein Meilenstein des Meinungsbildungsbürgertums ist. Diese Situation, die mich tief bewegt und hoch beglückt, möchte ich nunmehr dazu nutzen, Ihnen ,,Politik" beziehungsweise das, was sogenannte Insider dafür halten, ein wenig näher zu bringen. Deshalb danke ich Ihnen allen schon an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit, da mein Dank an späterer Stelle nicht mehr in dieser Vielzahl wahrgenommen wird.

Doppelkopfspiel und Politik unterscheiden sich in vielfacher Weise, auch wenn Monsieur Sarkozy und andere dies offenbar noch nicht begriffen haben. So dulde ich keine zweite Alte neben mir. Und wer da glaubt, ich ließe mich durch jede x-beliebige Dulle ausstechen, der hat ganz sicher die Leichen an meinem Wegesrand noch nicht annähernd ermittelt. Selbst als Physikerin habe ich festzustellen, dass ein Leopard 2 zwar durchaus ein Faraday'scher Käfig ist, dies aber keineswegs vorrangig.

Politik setzt Handlungsbereitschaft, Handlungsfähigkeit und Handlungswillen voraus. Umso größer fällt dann meist die Enttäuschung Dritter aus. Doppelkopfspiel hingegen erfordert Denken und Handeln. Dies bleibt im politischen Raum eine Angelegenheit der Einzel-, Groß- und Außenhandelsverbände sowie der Banken. Politik heißt Zuhören und Abwarten, ist also kein Spiel nach Zeit, sondern eher eines auf Zeit.

Unter anderem machen sogenannte Konventionen das Doppelkopfspiel weitgehend über- und durchschaubar. In der Politik hingegen lässt sich Über- und Durchschaubarkeit mit Berechenbarkeit, Austauschbarkeit, baldigem Scheitern gleichsetzen. Welcher Politiker will sowas schon? Deshalb sind für uns Konventionen Zwangsmittel, die der Stärkere gegenüber dem Schwächeren einsetzt und die gegebenenfalls als ,,Verträge" nicht nur griechische Gurgeln erreichen.

Wer in der Politik den Fleischlosen nicht beherrscht, kann sofort einpacken, statt eines Farbsolos lieben und hassen wir die Koalitionsbildung, deren Pisa-Ranking als deutlich schwankend bewertet wird. Bubensoli gehen in Plagiats-Affären unter, während das Damensolo hier in der ,,stillen" Variante üblich ist.

Während es dort Füchse gibt, bereiten hier U-Boote so manches Problem.

Das Schwarzspiel ist somit eines der wenigen verbindenden Elemente, wobei sich die Bewertung des ,,schwarz Seins" wiederum deutlich unterscheidet.
Sie sagen zu den vermeintlich Schwächeren ,,keine 90" oder gar ,,keine 30" - wir nennen unseren Harz IV-Empfängern da schon ein wenig höhere Zahlen.

Dies fürs Erste. Nach der neuen Promotionsordnung ,,meiner" Universität bin ich jetzt auch außerhalb einer Doktorarbeit verpflichtet, fremde Quellen anzuzeigen. Deshalb an dieser Stelle mein Hinweis, dass diese Rede nicht von mir verfasst ist. 


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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, herzlich willkommen in der Redaktion des FUCHSTREFF-Forums.

Ist es richtig, dass Sie sich nach dem Bekanntwerden neuerlicher Probleme persönlich für Opel eingesetzt haben?

Ja, im Prinzip ist das richtig.

Sogar durch den persönlichen Kauf eines Opel-Neufahrzeugs?

Prinzipiell ja.

Wieso nur prinzipiell und nicht wirklich?

Sowohl prinzipiell, als auch wirklich, aber halt nur in politischer Hinsicht.

Und wie unterscheidet sich die von anderer Hinsicht?

Unter anderem durch diejenigen, die hinsehen.

Das verstehe ich nicht.

Politikverständnis ist auch nicht jedem in die Wiege gelegt.

Sie haben sich also einen Opel gekauft?

So grundsätzlich möchte ich diese Frage eigentlich nicht beantworten, zumal ich mit Herrn Steinbrück bis zur nächsten Bundeskanzlerinnenwahl Stillschweigen darüber vereinbart habe.

Aber wenn Sie einen Opel gekauft haben, werden Sie doch wohl auch im Lichte der Öffentlichkeit damit fahren.

Politik und Licht der Öffentlichkeit verhalten sich gerade in solchen Fällen zueinander wie Feuer und Wasser.

Wie wollen Sie denn Ihren Opelkauf entsprechend geheim halten und warum?

Beispielsweise, indem nicht ich den Opel kaufe, sondern der Großvater meines Patenkindes.

Wie alt ist Ihr Patenkind?

13 Jahre.

Und was will Ihr Patenkind dann mit einem Opel?

Um das Patenkind geht es weniger als um dessen Großvater, der ist nämlich schon 86 und herzkrank.

Und warum um den?

Möglicherweise fällt der schon bald als Opel-Käufer aus, dann wäre diese Chance vertan.

Wessen Chance?

Die Chance meines Patenkindes, einen Opel sein Eigentum nennen zu dürfen. Die Chance von dessen Großvater, das entsprechende Geld in der Familie zu halten und damit nicht der Erbschaftssteuer anheimfallen zu lassen. Und meine Chance natürlich. Und die von Opel. Eigentlich also gleich vier Chancen auf einen Schlag.

Worin besteht dabei Ihre Chance?

Zur weithin anerkannten Opel-Retterin zu werden.

Was steuern Sie denn in der Sache tatsächlich bei?

Ich habe dem Großvater meines Patenkindes das Wort ,,Opel“ schriftlich übermitteln lassen - auf dem Briefkopf des Bundeskanzleramtes.

Sie verwenden in dieser Sache also überhaupt kein eigenes Geld?

Das tue ich doch sonst auch nicht, wenn es darum geht, Gutes fürs Volk zu erreichen. Letztlich rettet sich das Volk stets selbst, so wie es sich gegebenenfalls auch stets selbst ins Unglück stürzt.

In welches Unglück?

In den Verlust von Opel beispielsweise.

Und wie soll es diesen Verlust vermeiden helfen?

Indem es mir in dieser Sache folgt.

Und den Namen Opel auf einen Briefkopf des Kanzleramtes setzt?

Meine Güte! Da kommt es doch wohl nicht auf den Briefkopf an!

Sondern?

Auf die Idee - und natürlich auf die entsprechende Zahlungsbereitschaft.

Eines Großvaters?

Aber ich bitte Sie - meinetwegen auch des Vaters oder des Onkels. Da muss man halt ein wenig Phantasie walten lassen, sich die richtigen Vorbilder suchen, mal über den eigenen Schatten springen und nicht immer sagen: Das sollen die anderen für mich regeln.

Und die Ersatzteilversorgung im Falle des doch gänzlichen Verschwindens der Marke Opel von der Bildfläche?

Sehen Sie - es ist gerade die von Ihnen jetzt ins Gespräch gebrachte Schwarzmalerei, die uns Politikern das Geschäft so schwer macht. Sehen Sie die Sache doch mal positiver.

Wie positiver?

Halt Opel-freundlicher.

Wie soll denn meine Freundlichkeit zur Rettung von Opel beitragen?

Freundlichkeit ist in meinen Augen immer und überall ein rettender Beitrag.

Können Sie mir da ein Beispiel nennen?

Meine Freundlichkeit der chinesischen Führung gegenüber - trotz aller unausgesprochen gebliebener Gegensätze unserer Auffassungen - rettet der die gute Laune und mir eine unbehelligte Rückreise nach Berlin.

Und was hat das mit Opel zu tun?

Möglicherweise sind es ja gerade die Chinesen, die nicht nur halb Italien und ein Viertel der USA, sondern auch Opel übernehmen werden. Und dann wäre meine entsprechende Freundlichkeit gleichsam als eine Vorleistung ungeahnten Ausmaßes anzusehen und zu verbreiten.

Haben Sie für andere Unternehmen ähnliche Rettungspläne?

Zumindest derzeit nicht, zumal der finanzielle Spielraum des Großvaters meines Patenkindes erschöpft ist.

Wer könnte da denn einspringen?

Osdkar Lafontaine beispielsweise. Der hat zwei Patenkinder. Wenn der für die nicht langsam mal etwas tut, wählen die möglicherweise bald schon die CDU. Soviel Leid mag ich Herrn Lafontaine nun doch nicht angetan sein lasssen.

Die Leserinnen und Leser des FUCHSTREFF-Forums wünschen Ihnen alles Gute.

Danke, ich mir auch.

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, herzlich willkommen bei der FUCHSTREFF-Redaktion, und das nun schon zum zweiten Male in so kurzer Zeit. Wie spricht man Sie eigentlich vollständig korrekt an?

Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Komma Frau Bundeskanzlerin Dr. rer. nat. Angela Merkel Klammer auf CDU Klammer zu.

Auch noch CDU Klammer zu also?

Weil das relativ lang ist, ist es durchaus in Ordnung, das Klammer auf CDU Klammer zu wegzulassen.

Und was bedeutet das rer. nat. ?

Das heißt rerum naturarum und bezieht sich nicht auf mein natürliches Aussehen, sondern darauf, dass mein Doktortitel naturwissenschaftlicher Art ist - rein physisch betrachtet.

Ach so. Nun gut. Wie Sie wissen, spielen im FUCHSTREFF auch viele Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund mit. Viele von ihnen klagen darüber, sich vom Spieltisch zu einem Sprachtest für Ausländer wegbewegen zu müssen. Muss das sein?

Ich finde ja.

Umso mehr freuen wir uns darüber, dass Sie uns heute in Sachen Einbürgerungsfragen Rede und Antwort stehen.

Wer sagt das?

Das haben wir so mit Herrn Gröhe vereinbart.

Mit Herrn Gröhe? Hat der die Fragen nicht selbst beantworten können?

Leider nein. Wird ihn das jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft kosten?

Was meinen Sie konkret?

Ich meine - der Fragebogen.

Ich denke nicht - und das ist meine feste Überzeugung -, dass Herr Gröhe mit den Fragen Schwierigkeiten hätte.

Und Sie?

Ich? Wo denken Sie hin?

Greifen wir doch nur mal eine Frage heraus: Ist Bundeskanzler in Deutschland a) das höchste Staatsamt, b) das zweithöchste Staatsamt, c) das dritthöchste Staatsamt, e) überhaupt kein Staatsamt?

Das dritthöchste Staatsamt - das sollte man wissen.

Aber wer Sie kennt, ist doch geradezu versucht, auf das höchste Staatsamt zu tippen.

Das ehrt mich. Aber deswegen wäre doch noch niemand durchgefallen.

Nehmen wir eine andere Frage. Wie steigert man ,,deutsch“? a) oberdeutsch - hochdeutsch
b) englisch - französisch c) deutscher - am deutschesten d) deutsch sein lässt sich nicht mehr steigern

Nun, da würde auch ich zwischen a) und d) schwanken - das muss ich zugeben.

Die richtige Antwort wäre allerdings c)

Das kann nicht sein!

Frau Bundeskanzlerin - wir haben die deutschen Sprachregelungen nicht erfunden. Frage drei lautet: Wie beginnt die vierte Strophe der deutschen Nationalhymne? a) Einigkeit und Recht und Freiheit b) Auferstanden aus Ruinen c) Freude schöner Götterfunken d) es gibt nur eine Strophe, nämlich die dritte

Sehen Sie, da muss man halt ein wenig nachdenken oder sich für die nächste Fußball-Europameisterschaft interessieren. Dann ist die Antwort eigentlich klar.

Nämlich?

d) natürlich. Fußballer würden niemals vier Strophen auswendig können.

Kommen wir zur nächsten Frage: Eine verschleierte Frau und ein deutscher Schäferhund laufen Ihnen entgegen - dahinter ein Mann mit einem langen Messer. Wie verhalten Sie sich?
a) Sie fragen den Mann, ob das Messer scharf ist b) Sie reißen der Frau wegen des in Deutschland geltenden Vermummungsverbotes den Schleier herunter c) Sie sehen weg d) Sie verständigen Polizei, Tierschutzverein und Straßenreinigung

Sie haben Recht. Darüber müssen wir noch einmal nachdenken. Wie sollte man so schnell die Nummer der Straßenreinigung herausfinden?

Der Fragebogen wird also überarbeitet?

Ja, zumindest solange, bis Herr Gröhe ihm gewachsen ist. Schließlich braucht eine deutsche Kanzlerin einen deutschen Generalsekretär.

Herr Gröhe ist aber doch der Generalsekretär der CDU und nicht der der Kanzlerin.

Da CDU und Kanzleramt derzeit dasselbe sind, macht das im Augenblick keinen Unterschied.

Die Leserinnen und Leser des FUCHSTREFF-Forums wünschen Ihnen alles Gute.

Auf deutsch?

Ich denke, in ihrer Muttersprache.

Dann danken Sie ihnen bitte auf türkisch in meinem Namen.

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Bildungspolitik, meine sehr verehrten Damen und Herren, hochverehrter Herr Ackermann, geschätzer Herr Bohlen, heißt aus dem Geld der Vergangenheit den Geist der Zukunft zu entwickeln. Da geht es nicht nur um die noch relativ provisorisch anmutenden Trainingstische beim FUCHSTREFF, sondern um sehr viel mehr.

Bildungspolitik muss die Menschen mitnehmen. Und zunächst einmal muss sie die Menschen abholen und zwar dort, wo sie gerade stehen oder liegen. Es gilt, Verzweifelten den Aus-Knopf an ihrem Fernseher zu zeigen, ehe man ihnen erklärt, dass sieben Cent Pfand für eine leere Bierflasche nicht alles sind im Leben.

Menschen nicht überfordern heißt, bis auf den Grund ihres Seins vorzustoßen. Deshalb können wir gar nicht oft genug fragen: ,,Was sagt die Sonderschule dazu?“

Bildungspolitik hat sich an die nachwachsende Generation zu richten, sie in die Lage zu versetzen, nicht bei Bleibendem zu verharren, sondern Neues zu entdecken und den Reichtum dieser Welt zu steigern. Und dabei sollten wir uns an einen Satz aus der Bergpredigt erinnern, der da lautet: ,,Selig sind die, die geistig arm sind“. Geistige Armut ist die Saat, die in den Kindergärten und Schulen, an den Universitäten und Biertischen aufgehen muss wie Hefe. Lassen Sie uns immer daran denken, meine Damen und Herren. Und lassen Sie uns stets danach zu handeln trachten. Dabei schützt Augenmaß vor Arroganz und Harmonie vor Zerfallsprozessen. Zusammenhalt heißt die Gunst der Stunde. Je geringer der Niederschlag von Bildung ist, desto größer ist die Chance, dass sie nicht in die falschen Hände gerät. Die Gunst der Stunde kennt keinen Sekundenzeiger und Herzensbildung keine Kommaregeln. Genießen wir diesen Fortschritt so, als wenn es unser eigener wäre. Dann entgehen wir der Staubildung und können in großer Überzeugung ausrufen: ,,Frau Schavan - Sie haben vollkommen Recht!“

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Verehrte Frau Bundeskanzlerin,
danke, dass Sie die Zeit gesucht und gefunden haben, um uns abermals Einblicke in Ihre aktuelle politische Gedankenwelt zu gewähren.
Wer sagt das?
Das hat so direkt niemand gesagt. Das haben wir einfach mal vorausgesetzt.
Vorausgesetzt? Nun machen Sie sich mal nicht größer, als Sie sind.
Wegen der Voraussetzung?
Sehen Sie - damit haben Sie die politische Ebene faktisch bereits verlassen.
Wieso dies?
Weil Sie einfache Voraussetzungen ja nicht einmal mehr in der Familie antreffen, geschweige denn in der Welt-, Europa- und Deutschlandpolitik.
Was würden wir dort denn stattdessen antreffen?
Das kommt ganz darauf an, welche Wahlversprechungen Ihnen nachhängen.
Wahlversprechungen von wem?
In aller Regel die von Ihnen selbst.
Und zu welchem Ergebnis führen die?
Zunächst zu gar keinem Ergebnis, sondern zu einer Vielzahl von Problemstellungen - vor allem dann, wenn Sie in einer Koalition völlig gegensätzliche Positionen zu demselben Thema antreffen.
Da ist dann wohl die Richtlinienkompetenz gefragt?
Zunächst noch nicht.
Warum nicht?
Weil dort, wo es noch gar keine Linie gibt, auch die Richtlinie unsichtbar bliebe.
Und wie lässt sich zu dieser Linie gelangen?
Durch Gespräche mit dem wechselseitigen Willen zu Einvernehmen - vor allem durch die höhere Einsicht, nicht dauerhaft gegen Gewerkschaftsforderungen, Hartz-vier-Empfänger, geistige Eliten, Lokomotivführer und Piloten, die chinesische und die russische Führung ankämpfen zu können, ohne einen halbwegs frühen eigenen Feierabend zu gefährden.
Und was heißt für Sie halbwegs früh?
So zwischen ein und drei Uhr nachts.
Warum ohnehin erst dann?
Weil sich zuvor Statement an Statement, Sitzung an Sitzung und Meinungsbildung an Meinungsbildung reiht.
In dieser Reihenfolge?

Meist ja.
Und in Ausnahmefällen?
Erfolgt erst die Meinungsbildung, dann die Sitzung und zuletzt das Statement.
Wäre diese Reihenfolge nicht generell vernünftiger?
Vernunft ist gerade im Großraum der Politik ein derart dehnbarer Begriff, dass sich dazu konkrete Aussagen kaum noch machen lassen.
Und welche Aussagen bleiben dann noch übrig?
Konträre Aussagen, mutige Aussagen, profilierende Aussagen, vor allem mehrdeutige Aussagen. Und natürlich irgendwann Aussagen vor irgendeinem der zahllosen Untersuchungsausschüsse.
Was untersuchen die?
Alles, was eine ausreichend starke Opposition fordert, beziehungsweise was eine erfolgreiche Regierung in Erklärungsnöte bringen könnte.
Können Sie uns da ein Beispiel nennen?
Nehmen wir nur einmal das Finanzdilemma der Griechen. Verweigern wir da eine über blumige Worte hinausgehende Unterstützung, wird uns der Verrat europäischer Freunde vorgeworfen. Zahlen wir hingegen, gelten wir als Verschwender von Steuergeldern.
Und was macht man in einem solchen Fall?
Nichts.
Nichts?
Sehen Sie - das Nichts ist eine Art politische Eigendynamik. Ästhetisch verpackt, wirkt es in alle Richtungen wie eine starke Aktion - allerdings mit dem großen Vorteil, dass da niemandem wehgetan wird.
Das wird so einfach hingenommen?
Ja; denn die Untätigen in den gegnerischen Reihen behalten einen niedrigen Adrenalinspiegel, und für die wirklich Aktiven bleibt genügend Freiraum zum Handeln.
Aber ist das Handeln nicht eher Aufgabe der Regierungspolitik?
Wer handelt, gibt das Erreichen politischer Ziele auf - zu Gunsten einiger Privilegierter und zu Lasten von weitaus mehr Menschen als denen, die Sie ohne schmerzhafte Folgen für die eigene Partei der Nichtwählerschaft oder gar der Vorliebe für politische Gegner überlassen können.
Es kommt also auf das Erreichen politischer Ziele überhaupt nicht an?

Wichtig ist vor allem die politische Ziel-Setzung. Die lässt sich über Rednerpulte oder Medienmikrofone verbreiten, überträgt sich auf Zeitungs- und Magazinseiten und findet dann schärfsten Widerspruch bei der politischen Gegnerschaft. Und wenn Sie ganz großes Glück haben, wird sie vom Alltagsgeschehen derart überrollt, dass niemand mehr auf die Idee kommt, das Erreichen des Zieles bei Ihnen anzumahnen.
Ist denn solche Art von Politik nicht vollkommen wirkungslos?
Oh nein! Das nennen wir den politischen Placebo-Effekt.
Placebo-Effekt?
Es kommt einzig und allein darauf an, dass die Wählerschaft den Eindruck gewinnt, es täte sich das Richtige, ohne dass das Falsche die Oberhand gewinnt. Wer seine Hände hübsch gefaltet hält und korrekt ausrichtet, dessen Oberhand bleibt stets deutlich sichtbar.
Aber das qualifiziert Regierende doch in keiner Weise gegenüber der Opposition!
Es kommt weniger auf eine Qualifikation an, als auf Beliebtheit. Mit Qualifikation gewinnt man keine Wahl - alle meine bisherigen Vizekanzler haben dies erfahren müssen.
Herr Rösler?
Zunächst Herr Müntefering. Der hat sich sogar in den eigenen Reihen mit seiner Qualifikation nichts als Ärger eingehandelt. Dann Herr Steinmeier, Herr Westerwelle, Herr Rösler - eine Art Schicksalsgemeinschaft.
Sie sitzen also fest im Sattel?
Nein - ich bevorzuge das Dressurreiten ohne Sattel.
Und wer ist in Ihrem Kabinett das Pferd?
Das kommt ganz darauf an, was gerade ansteht.
Ansteht?
Anstand mit Abstand - das ist mein erfolgreicher Führungsstil.
Das verstehe ich jetzt nicht so recht.
Sehen Sie: Wer verstanden werden möchte, läuft große Gefahr, tatsächlich verstanden zu werden. An einen solchen Super-GAU mag ich gar nicht erst denken.
Sie möchten also lieber unverstanden bleiben?
Ganz richtig. Verständnis ist mir weitaus wichtiger als Verstehen.
Ich verstehe.
Dann sollten Sie das für sich behalten.
Warum?
Wenn aus Geheimnissen Offenbarungen geworden sind, bleibt auch die Beliebtheit in aller Regel auf der Strecke.
Frau Bundeskanzlerin, haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Wir wünschen Ihnen das Beste.
Danke - ich mir auch.

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Hocherfreut, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, haben wir Sie zum dritten Male binnen weniger Tage beim FUCHSTREFF zu Gast. Wenn auch das Thema topaktuell ist - haben Sie bei uns Ihre neue publizistische Heimat gefunden?

So drastisch möchte ich es nicht ausdrücken. Aber die Springer-Presse verwechselt in meinen Augen mehr und mehr kritischen Journalismus mit britischem. Auf den einen Buchstaben kommt es mir schon sehr an.

Britisches liegt Ihnen also nicht gar so sehr?

Wenn ich sehe, wie sich mein Kollege Cameron gerade in Libyen einzuschleimen versucht, wird mir ganz anders.

Sie werden sich also dort nicht in Lebensgefahr bringen?

Mein Mitarbeiterstab kennt die Flugzeiten von Tripolis nach Berlin und spart in meinem hiesigen Terminkalender ab und zu Nahost-Lücken aus.

Deutschland wird dem libyschen Volk dann also vom hiesigen Boden aus helfen?

Das kommt ganz darauf an, wo sich Herr Ackermann gerade aufhält.

Libyen ist nicht der einzige Staat, der nach einer neuen, starken Führung lechzt.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich eher in Saudi Arabien als in Syrien Regierungsverantwortung übernehmen.

Aber Sie wissen doch, wie begrenzt gerade auch dort die Betätigungsfelder für Frauen sind.

Immerhin regiere ich seit fast schon Jahrzehnten hier in Deutschland gegen das Frauenbild der Katholischen Kirche an -sowas stählt.

Spielen Sie darauf an, dass im römisch-katholischen Weinberg die Lese durch Frauen erfolgt, die Trecker aber ausschließlich von Männern gefahren werden?

Jedenfalls wird die Lese ausfallen, wenn der heilige Vater vor dem Deutschen Bundestag spricht und einer meiner Mitarbeiter dessen gesamte Rede mit Hilfe des Worterkennungsprogramms seines Leopard 2 auswertet.

Sehen Sie da Probleme auf sich zukommen?

Aber nein! Auch das Frauenbild eines Lothar Matthäus ist für mich kein Problem - eher schon eines für seine derzeitige Umgebung im finstersten Bulgarien.

Sollten Sie hier keine Wählergunst-Mehrheit mehr finden, können Sie sich einen Einsatz an anderer Stelle also durchaus vorstellen?

Denken Sie doch nur mal an Bernhard Vogel. Der hätte sich doch gar nicht träumen lassen, erst in Rheinland-Pfalz von seinen eigenen Leuten gemeuchelt zu werden, um später unser glanzvolles Thüringen zu regieren. Da bin ich gedanklich weiter.

Sie wissen aber schon, dass sich nicht jeder Auslandseinsatz von Deutschen als Exportschlager bezeichnen lässt?

Natürlich besteht durchaus die Gefahr, als Führungspersönlichkeit von Deutschland aus über Wales nach Aserbeidschan abgeschoben zu werden, selbst wenn Sie als Terrier gelten.

Herr Putin sucht wohl gerade nicht nach einer starken Frau?

So wie ich es einschätze, reicht ihm Frau Schröder-Köpf vollauf.

Zunächst aber werden Sie alle Kraft darauf verwenden, dem Wohle des deutschen Volkes zu dienen?

Dem Wohl und dem Wehe.

Frau Bundeskanzlerin, ein ansehnlicher Teil der Leserinnen und Leser des Fuchstreff-Forums wünscht Ihnen dabei gutes Gelingen.

Und der unansehnliche Teil?

Der wartet wahrscheinlich auf unser erstes Interview mit Herrn Steinbrück. Vermissen Sie den im Bundeskabinett?

Wer dort mit Herrn Westerwelle und Herrn Rösler zusammensitzt, vermisst nicht nur Herrn Steinbrück. 

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - nicht nur generell, sondern insbesondere in folgender Hinsicht. Ich halte die entsprechende Entwicklung jedoch für falsch.
Es geht um die Laufzeitverlängerung. Nicht bei Kernkraftwerken - da ist die mich ansonsten eher peripher interessierende Volksmeinung zur politischen Existenzbörse geworden. Und auch nicht bei klassischen Wahlen mit sich anschließenden Legislaturperioden - da treten Bundesverfassungsgericht und Grundgesetz als penetrante Bremser auf. Nein - es ist die Laufzeitverlängerung bei der Wortwahl, die sich allenthalben breit macht und nervt, weil sie nicht nur zusätzliche Zeit des Redens oder Schreibens, sondern auch zusätzliche Zeit des Zuhörens oder Lesens kostet.
Scheiße heißt heute suboptimiertes Endprodukt, Maitresse nunmehr wissenschaftliche Mitarbeiterin, Staatsschulden jetzt vorab investiertes Perspektivvermögen, Depp mittlerweile Bundeswirtschaftsminister, Kleingeist längst Oppositionsführer, Himmelfahrtskommando inzwischen minimalinvasiver Verhandlungsauftrag, Einigungsstelle schon seit längerem Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern.
Abgesehen davon, dass der vermeintliche Wohlklang entsprechender Wendungen mehr und mehr vom Kern der Dinge ablenkt und insofern ein höchst politisches Verhalten darstellt, werden an dieser Stelle Terminpläne durcheinandergewirbelt, Anschlusszüge oder -flüge unerreichbar und ohnehin schon zerrüttete Privatleben in noch stärkerem Maße einer Versuchung nach der anderen ausgesetzt. Die Zahl der vergütungspflichtigen Sitzungsstunden steigt immer weiter an, und nur Hinterbänkler profitieren von verlängerten Ruhepausen mit entsprechendem Erholungswert.
So kann und sollte es nicht bleiben. Ich möchte einmal mehr mit gutem Beispiel vorangehen.
Deshalb sage ich nicht mehr Alternativlos, sondern wieder Niete - nicht mehr Entfernungspauschale, sondern wieder Abfindung - nicht mehr Anlass zu erneuter Detailberatung, sondern wieder Basta - nicht mehr Ausfluss verantwortlich eingesetzter Richtlinienkompetenz der Kanzlerin, sondern wieder Machtwort - nicht mehr politische Heimat für zukunftweisende Entscheidungen mit menschlichem Antlitz nach abendländischer Tradition, sondern wieder CDU.
Auch Sie alle können ganz erheblich zu großflächigem Zeitgewinn beitragen, indem Sie künftig zu den politischen Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland einfach nur ,,ja!" sagen. Solches Verhalten hat nicht nur Zeit sparende Wirkung, sondern trägt auch zu einer Druckwelle der Aufmunterung und Rückenstärkung bei. Umso lieber bin ich dann wieder Bundeskanzlerin von uns allen.


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Solidarität, hochverehrter Herr Exbundespräsident Köhler, verehrte Frau Professor Schwan, ist kein Kind des Sozialismus, wie uns unter anderem der geflüchtete SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine hat glauben machen wollen. Solidarität ist vielmehr etwas zutiefst Demokratisches, das man eher bei einer Union christlicher Prägung suchen sollte und mitunter auch finden mag. Solidarität fängt bei jedem einzelnen von uns an und lässt uns weit über den Rahmen der Bundespolitik hinaus blicken, wo das Wort der Kanzlerin nicht Widerspruch und Ablehnung, sondern Beifall und Zustimmung verdient. Und sie reicht bis ans Ende einer Politikerlaufbahn, wenn sich alle darin einig sind: ,,Die muss weg!“ ,,Oder: Der muss weg!“ Eigentlich reicht sie sogar noch darüber hinaus, weil diejenige oder derjenige, die weg müssen, zumindest finanziell nicht im Regen stehen gelassen werden.

Solidarität ist, wenn Bahnen unpünktlich kommen, weil aus guten Gründen dort gestreikt wird. Und nicht, weil der Fahrplan auch ohne Streik nur auf dem Papier steht. Solidarität ist, wenn Parlamentsmitglieder ihrem fischpolitischen Sprecher auch in jenen Situationen inhaltlich folgen, in denen eine Antwort auf die Frage: ,,Fisch oder Fleisch?“ noch gar keine Kanzlermehrheit gefunden hat.

Solidarität kann heißen, meine sehr verehrten Damen und Herren, gemeinsam zu bestellen, aber auch, einzeln zu bezahlen. Laut Beifall zu klatschen, auch wenn man das Gesagte gar nicht hat verstehen können. Raucher zwar vor die Kneipentür in die Kälte zu schicken, ihnen aber ein paar wärmende Worte hinterherzurufen. Nicht vor jeder Bezinpreis- und Mehrwertsteuer-Erhöhung Jammergeheul anzustimmen, sondern auf das Gemüt Regierender Rücksicht zu nehmen.

Wie ruft man nach dem Staat? ,,Hallo - ich will was!“ ist da ganz gewiss der falsche Ansatz. Es gilt vielmehr, beim Ruf nach dem Staat nicht den Ruf des Staates selbst zu beschädigen. Das ist unsere Aufgabe und zugleich eine Herausforderung, der wir uns in großer Offenheit, aber auch in großer Geschlossenheit zu stellen haben werden. Es ist ein Ruf, der immer zunächst an uns selbst gerichtet ist. Deshalb gehören Rufen und Hören als Grundformen der Solidarität in jeder Demokratie untrennbar zusammen. Und nur Taube oder Stumme bedürfen einer Art Korrektur dieser doppelten Anforderung an uns alle. Taubstumme sind ein Sonderfall, um den sich eigenständig und mit voller Rückendeckung eine zuständige Landes- oder Bundesbehörde zu kümmern hat.

In voller Solidarität mit Ihrem Schlafbedürfnis setze ich diesen meinen Ausführungen jetzt ein Ende - aber nicht ohne Ihnen zuzurufen: ,,Verpassen Sie bitte den Anfang nicht!“

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Mit Glaubwürdigkeit, meine Damen und Herren, verehrter Herr Altbundeskanzler Helmut Kohl, liebe Lippenstift-Generation des 21. Jahrhunderts, habe ich während meiner gesamten politischen Laufbahn stets auf Sichtweite gelebt. Wir Politikerinnen und Politiker sind darauf in besonderer Weise angewiesen, ohne dabei unsere Identität aufs Spiel setzen zu dürfen. Gerade bei der Suche nach Erklärungen dafür, warum Dinge nicht so sind, wie sie hätten sein sollen, reicht es nicht, das Volk mit Reden zu überfordern, die jeder verstehen kann. Es ist das Geheimnis des Besonderen, des vor Wortgewandtheit und Kompetenz Strotzenden, mit dem man Menschen gewinnen kann, die den Glauben an sich selbst und andere längst verloren haben.
Glaubwürdig kann schon nicht sein, wer mit einem Biernamen eine Weinregion regiert. Oder wer Dinge in seinen Bart murmelt, die die Frischluft der Gedanken behindern. Wo Klarheit ein Nichts bezeugt, kann nur Nebel geheimnisvolle Wirkungen erzielen. Politik ist wie ein Kleid, das Menschen ihre Nacktheit nimmt. Und auch hier gilt: Quergestreiftes macht dick. Deshalb reden wir lieber in Längsrichtung und gehen die Probleme von oben nach unten an. So lassen sie sich wahrnehmen, ohne aufzutragen. Und es ist allemale besser, eine Lösung nur zu erahnen, als sie von vornherein auszuschließen. Denn Zwillingsschwester der Glaubwürdigkeit ist die Hoffnung. Sie hoffen darauf, dass Politiker Lösungen finden. Und Politiker hoffen darauf, dass den Bürgern die Bereitschaft der Politiker zur Suche genügt. Sie alle sind herzlich dazu eingeladen, mitzusuchen. Und wenn Sie das für Politik halten, was Sie gefunden haben: Machen Sie doch einfach mit!

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, danke für Ihr Vertrauen.

Vertrauen in was?

Vertrauen in unsere Ideen für Ihr Wahlkampfmotto

Das kenne ich doch noch gar nicht.

Nur praktisch noch nicht, theoretisch aber schon lange.

Wieso?

Weil es geradezu auf der Hand liegt?

Auf wessen Hand?

Auf der Hand aller, die positiv denken - und nur die kommen ja als CDU-Wählerschaft in Betracht.

Und wie soll dieses Motto heißen.

Schlicht und ergreifend: ,,CDUKUNFT: Unser aller Zukunft.“

Und was bedeutet das?

Das bedeutet alles, wofür die CDU steht.

Und wofür steht die CDU?

Sehr gut, dass Sie die Beantwortung dieser Frage Profis wie uns überlassen wollen. Politiker stehen nämlich stets in der Gefahr, da alles zu vergeigen, noch ehe das Volk überhaupt begriffen hat, worum es geht.

Und worum geht es?

Es geht vor allem darum, den Wählerinnen und Wählern klar zu machen, dass die CDU für alle Inhalte steht, die dem Volk wichtig sind.

Und das geht so einfach?

Ja, aber nur dann, wenn bestimmte Grundregeln beachtet werden.

Die da wären?

Keine Festlegungen, die sich nicht einhalten lassen. Denken Sie nur an Ihren Amtsvorgänger mit dessen versprochener Arbeitslosenhalbierung. Wenn so etwas scheitert, ist man erheblich angeschlagen und muss sich in Ausflüchte, also in die Defensive, begeben. Das tut der Sache nicht gut und schon gar nicht der Person.

Welcher Sache?

Zum Beispiel dem Wahlerfolg.

Ich finde, und dies ist meine feste Überzeugung: Ein Wahlerfolg tut immer gut.

Da haben Sie natürlich prinzipiell Recht. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Denken Sie doch nur an Frau Ypsilanti. Die wäre heute noch angesehen, wenn sie die Wahl nicht gewonnen hätte.

Aber die hat doch gar keine Wahl gewonnen.

Deshalb sprechen wir auch von ,,hätte“ und nicht von ,,hat“.

Das leuchtet mir ein, ihr Slogan hingegen eher nicht.

Sehen Sie: CDUKUNFT - das ist nicht einfach Zukunft, also immer mehr Perspektivlosigkeit bei immer weniger Geld, sondern mehr Lebensqualität für uns alle - vom Greis bis zum Baby, vom Bettler bis zum Millionär.

Die Entwicklung verläuft aber weitaus eher vom Baby zum Greis und vom Millionär zum Bettler.

Das muss dann ganz klar als Verschulden der anderen Parteien verkauft werden. Als Verschulden der SPD zum Beispiel. Oder als Verschulden der Linken. Oder als Verschulden der Nichtwählerschaft. Oder als Verschulden der Katholischen Kirche. Oder als Verschulden der Verschuldeten.

Aber die Leute wissen, doch, dass das so gar nicht ist.

Mal ganz unter uns: Wenn Politik Wissenssache wäre und nicht Glaubenssache - wer ginge dann noch zur Wahl? Niemand. Sehen Sie - und genau deshalb dürfen Sie die Themenvorgabe in Glaubensfragen niemals aus der Hand geben. Sie müssen überzeugt und beharrlich für das eintreten, das Wählerinnen und Wähler gemeinhin als politische Inhalte bezeichnen. Wir nennen das ,,ungefühlte Leere“.

Ungefühlte Leere?

Nehmen wir einmal den Hohlkopf. Dass der hohl ist, mag man schon lange vermuten. Sicherheit lässt sich aber erst gewinnen, wenn man in der Lage ist, hineinzusehen. Und nur das müssen Politiker verhindern, dafür allerdings mit aller Macht.

Sie meinen, man sollte einfach die eigenen Schwächen verbergen?

Nehmen wir doch nur einmal die Titanic. Das Orchester hat gespielt bis ganz zum Schluss. Das war eine Inszenierung - sowas kriegt doch heute kaum noch einer hin. Und wenn es jemand hinkriegt, dann muss es die CDU sein

So tief sind wir schon gesunken?

Natürlich nichts gegen Sie, Frau Bundeskanzlerin. Aber wenn die einzige Alternative zu Ihnen Gabriel heißen sollte - wie tief sind wir dann in Wahrheit schon gesunken? Wobei Sie für mich natürlich alles Andere als ein Eisberg sind.

Und was hat das mit - wie heißt das noch mal - CDUKUNFT zu tun?

CDUKUNFT heißt: Sicherheit statt nervtötende Freiheitsrechte politisch Andersenkender. Nur staatlich geprüfte Spionageprogramme auf dem Rechner. Kein Steuerschlupfloch für den Nachbarn. CDUKUNFT heißt: Alles im Griff!

In wessen Griff?

Im Griff des Staates und damit halt in unser aller Griff - zumindest im Griff derer, denen das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung aktueller Prägung noch immer über die Lippen kommt.

Sind wir nicht gerade in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Zukunfts-Slogan gescheitert?

Das ist wohl wahr, hat aber an einem groben handwerklichen Fehler der entsprechenden Werbeagentur gelegen.

Inwiefern?

Die hat Ihnen mit ,,C wie Zukunft" eingeredet, Sie könnten der wahlberechtigten Bevölkerung ein C für ein Z verkaufen. Sowas geht natürlich gar nicht! Ein X für ein U, oder allenfalls ein X für ein CDU - damit ist trotz Pisa-Rückstands die Grenze aber fast schon überschritten.

Schreiben Sie eigentlich auch Wahlkampfreden?

Ja, derzeit aber lediglich für die syrische Regierung. Allerdings - wenn man das ein wenig nachbearbeitet . . .

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In einer Gesellschaft zu leben, verehrte Damen und Herren mit einer gewissen Spieltradition, 

die alles daran setzt, aus ihrer jetzigen Situation möglichst bald in eine bessere aufzusteigen, weckt Ansprüche, die über kurz oder lang bei Politikerinnen und Politikern eintreffen, ohne dass sie dabei auf Anhieb mit deren Eigenansprüchen zu vereinbaren wären. Insofern gilt das Vertrauen in diese von mir nach bestem Wissen und zumindest ähnlich geartetem Können geführte Bundesregierung als ALTERNATIVLOS.

Dass Zeitgenossinnen und Zeitgenossen Zeit bislang noch nicht haben genießen können, hindert sie bekanntermaßen nicht daran, sich so bezeichnen zu lassen. Insofern rangieren Namensrechte vor Wahrheitsgehalten.

Das ALTERNATIVLOS gibt es also weder bei Lotto, noch in irgendeiner hiesigen Lotterie, sondern nur hier bei uns. Der Nachweis von Meinungsbildung ist für den Anspruch darauf nicht erforderlich, auch völlig Ungebildeten ist die Teilhabe daran jederzeit möglich. Wer es in die eigene Lebensplanung und Lebensgestaltung einbezieht, hat darüber hinaus den Vorteil, Los und Schicksal nicht detailreich unterscheiden zu müssen.

Es ist ebenfalls umrandet, unterscheidet sich jedoch von üblichen Todesanzeigen durch weiße Schrift auf schwarzem Grund. Dass die Weißheit dabei mitunter verblasst, schränkt die Gültigkeit nicht ein. Es empfiehlt sich aber, auf das Verfallsdatum zu achten, das in aller Regel, wie politisch üblich, in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Wahltermin steht.

Wer es Ihnen als SINNLOS anbietet, hat die Enge politischer Zwänge bereits durchbrochen und empfiehlt sich Ihnen als Wegbereiter einer baldigen Zukunft, deren Endlichkeit sich zunächst mit gutem Gewissen verdrängen lässt.

Achten Sie beim Zugreifen abseits von Intercity-Zügen der Wilhelm-Konrad-Röntgen-Serie stets auf dieses christlich-demokratische Original und meiden Sie die Annäherung an rote, grüne oder blaugelbe FARBLOSE.

Es ist ein KOSTENLOS, allerdings halten sich dessen Kosten für Sie in engen Grenzen. Nach der Stimmabgabe ist ein Erheben derselben zumindest in meine Richtung eher fehl am Platze, und wer sägt schon gern an Ästen, auf denen ich zumindest nicht allein sitze?

Von einem WAHLLOS zu sprechen, gleitet ein wenig an der Wirklichkeit vorbei. ALTERNATIVLOSE machen eine zusätzliche Wahl allein schon deshalb entbehrlich, weil sie in Aufmachung, Gehaltfülle und Wirkung jeweils völlig gleich sind.

Als PROBLEMLOS entpuppt es sich allenfalls für diejenigen, die die Wartebänke in den Agenturen für Arbeit nur vom Hörensagen kennen und auf Bewerbungs- oder andere Losverfahren nicht zurückgreifen wollen. Aber wer von Ihnen befindet sich schon in einer solchen Sondersituation?

Für ein wenig Zögerliche wären VORBEHALTLOSE eine möglicherweise einträgliche Wegbegleitung, allerdings eher in allgemein menschlicher als in politischer Hinsicht.

GEDANKENLOSE regen oft zu spontaner Abwehrhaltung an und erweisen sich überdies vielfach als Nieten, HIRNLOSE hingegen lassen sich zwar vergleichsweise leicht auseinandernehmen, sind Gewinnstreben aber kaum je förderlich.

REGUNGSLOSE sind während der Sitzungsperioden des Deutschen Bundestages verstreut auf Hinterbänken des Plenarsaals anzutreffen, für MUTLOSE gibt es in der Cafeteria eine abgetrennte Ecke mit außer Betrieb genommener Startrampe.
Das Bundesministerium für Finanzen und dessen nachgeordnete Behörden sind darauf geeicht, TRAUMLOSE in BESITZLOSE zu verwandeln und PHANTASIELOSE als solche zu entlarven. BEDENKENLOSE werden mit Hilfe der Steuerfahndung vor allem auf dem Rückweg aus Liechtenstein häufiger zu HALTLOSEN, und PLANLOSE haben wohl verständlicherweise nach Überwindung des Ostkommunismus in Deutschland keine Chance mehr.

Ein FREILOS als GRUNDLOS anzusehen, zeugt von Politikferne, da parlamentarische Ausrichtung eher durch HEMMUNGSLOSE gekennzeichnet bleibt.

Sie sehen – die politische Lotterieverwaltung kennt keine Schamgrenzen, und selbst die von ihr ausgelösten Schmerzen resultieren anders als beim Doppelkopfspiel weder aus einer Hochzeit, noch aus Gewinnsucht im Alleingang. Daher sollten Sie auch nach der Umrüstung der meisten ICE das Zugreifen den Zugreifen vorziehen.

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Schöne Frauen machen Männer dümmer
Amsterdam (dpa) - Schöne Frauen machen Männer dümmer - zumindest zeitweise. Das jedenfalls glauben Wissenschaftler der Radboud Universität in der niederländischen Stadt Nijmegen.
Sie beobachteten die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Studenten kurz nachdem diese mit besonders attraktiven Kommilitoninnen zusammengebracht wurden. Fazit: Ein Mann kann während und kurz nach der Begegnung mit einer schönen Frau nicht mehr klar denken. Für Frauen galt das umgekehrt jedoch nicht. Das könne möglicherweise erklären, wieso Männer in höheren Bildungseinrichtungen oft schlechtere Ergebnisse erzielten als Frauen, sagte der Sozialpsychologe Johan Karremans. Er leitete die am Freitag in Auszügen veröffentlichte Studie mit 50 männlichen und 60 weiblichen Studenten. Sie mussten miteinander plaudern und anschließend Prüfungsaufgaben lösen.
Die männlichen Testpersonen seien insbesondere bei Begegnungen mit jenen Frauen, die allgemein als attraktiv empfunden wurden, ,,stark damit beschäftigt gewesen, Eindruck zu schinden". Das habe vermutlich ihre geistige Leistungsfähigkeit erheblich in Anspruch genommen. Die am Test beteiligten Frauen hingegen seien durch Begegnungen mit «schicken» Männern in ihrem Denkvermögen nicht beeinträchtigt worden, wie Karremans in der Universitätszeitung «Vox» darlegte.

Diese Situation muss für jede Bundeskanzlerin, die nicht allein ihrer Schönheit wegen Erfolg haben will, ein Alarmsignal sein. Deshalb habe ich mich persönlich an die betreffende Universität gewandt, um sowohl aus augenblicklicher Verunsicherung in vollständige Gewissheiten übergeführt zu werden, als auch den an der Studie Beteiligten möglicherweise den Arbeitsplatz zwecks Anschlussstudien zu sichern. Denn wahrscheinlich stellen sich nunmehr nicht nur Annette Schavan und mir etliche Zusatzfragen: Gilt die ermittelte Symptomatik für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen? Wirkt sie sich auch auf das Einparkverhalten aus? Endet sie an der Bettkante oder erst mit dem Schließen des Sargdeckels? Unternimmt die pharmazeutische Industrie Anstrengungen, um in dieser Hinsicht Abhilfe zu schaffen, oder ist auch gegen diese Wurzel männnlicher Dummheit kein Kraut gewachsen?
Haben englische Könige Gattinnen köpfen lassen, um der Schmach zu entkommen? Oder wird ihr entsprechendes Verhalten eher als Zeichen von Intelligenz gewertet? Ist damit zu rechnen, dass die Weltgesundheitsorganisation diese Beeinträchtigung schon bald als meldepflichtige Epidemie einstuft? Erhöht ein solches Erscheinungsbild den amtlich zu bescheinigenden Behinderungsgrad? Berechtigt es zu vorzeitigem Rentenbezug? Bleiben Spitzenpolitiker davon verschont, oder muss Herr Müntefering nunmehr aus allen Ämtern gejagt werden? Darf Frau Wagenknecht noch an Talksendungen unter Beteiligung von Männern teilnehmen?
Ist ein Männerschutzgesetz zu erwarten? Lässt sich Frauen Schönheit verbieten? Sind schöne Frauen heutzutage überhaupt noch zeitgemäß? Unterliegt die Wirkung der Sehkraft, oder rettet auch Blindheit nicht vor der entsprechenden Gefahr? Ist strikte Geschlechtertrennung ein sicherer Ausweg? Ziehen zumindest die Universitäten aus dieser Studie die Konsequenz, hübsche Prüferinnen nur noch Kandidatinnen zuzumuten und überdies darauf zu achten, dass ein Student und eine hübsche Studentin nie mehr gemeinsam Klausuren oder anderen Prüfungen unterworfen werden?
Muss gar zur universitären Problembewältigung für hübsche Studentinnen ein gesonderter numerus clausus eingeführt werden? Wirken sich mögliche Mehrkosten auf die Steuerpolitik aus, oder bleiben zumindest die Mehrwertsteuersätze von solchen Gefahren ausgenommen? Gibt es eine gemeinsame Reaktion der Europäischen Union, oder scheitert diese einmal mehr an den Interessenunterschieden einzelner Länder? Weitere Fragen werden folgen.

Möglicherweise wird es noch geraume Zeit dauern, bis alle nun eintreffenden Fragenkataloge wissenschaftlich abgearbeitet worden sind. Bis dahin wäre der Ausruf: ,,Männer halt!" aus Frauenmund wohl als psychische Gewaltanwendung zu werten. Ich hoffe sehr darauf, dass zumindest Sabine Leutheusser-S. und das Strafgesetzbuch darauf bereits vorbereitet sind.

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Gerade in der heutigen Zeit werde ich immer wieder gefragt, meine Damen und Herren, Herr Altbundeskanzler Kohl, Herr Gysi, warum gerade Politikerinnen und Politiker so wenig Wert auf ein stattliches Erinnerungsvermögen legen. Die Erklärung hierfür scheint mir einfach und einleuchtend zu sein, liegt sie doch in unser aller Eigeninteresse, Denk- und Handlungsweisen der Sozialdemokratie nicht vollständig Macht über uns gewinnen zu lassen. In diesem Punkt ist mir nicht einmal Herr Steinbrück eine Hilfe gewesen, da auch er nicht von der mir völlig falsch anmutenden Überzeugung abzubringen ist, bei der Veranlagung zur Vermögenssteuer dürfe es für keine Art von Vermögen irgendeine Ausnahme - ja nicht einmal einen Freibetrag - geben.

Dass eine Steigerung des Erinnerungsvermögens in Verbindung mit rechtsstaatlichen Hilfsmaßnahmen zu einer deutlichen Vermehrung von Steuer- und Abgabenlasten führt, haben wir gerade in jüngster Zeit für manche von uns sehr schmerzhaft erfahren müssen. Und es kann doch nicht ernsthaft als Fortschritt angesehen werden, wenn Orientierungslosigkeit durch Leiden abgelöst wird. Dies gilt, Herr Zumwinkel ist mein Zeuge, ja durchaus nicht nur für die Politik, sondern praktisch für uns alle. Und gerade darum ist es notwendig, dass dieser unser Staat diese unsere Bürger nicht aus den Augen von Fürsorglichkeit und Entscheidungshilfen verliert, wo auch immer sie sich aufhalten mögen.

In einer Welt, in der vergeben und vergessen zu den urchristlichen Tugenden gehören, haben wir uns immer wieder die Frage zu stellen: Wie finden wir für unser Vergessen Vergebung?

Lassen Sie uns uns diesem Problem gemeinsam stellen. Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren, nicht zerreiben, nicht klein reden. Wo uns die Erinnerung fehlt, da fehlt uns vielfach auch eine Hürde vor dem Aufbrechen zu neuen Ufern. Und gerade diese neuen Ufer sind es doch zumeist, die den Fortschritt ausmachen. Diesem Fortschritt sollten wir uns stellen - mit aller Kraft und in aller Herrlichkeit. 

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Wie mich soeben das Bundesamt für Datenmüll hat wissen lassen, hat sich der Krankenstand des öffentlichen Dienstes vornehmlich in den Bereichen Sachbearbeitung / Gefahrenabwehr / Bescheidwesen / Gebührenbescheidwesen nahezu flächendeckend so drastisch erhöht, dass Gegenmaßnahmen im Sinne des Arbeitsschutzes sowie des arbeitsmedizinischen Fortschritts als unabdingbar anzusehen sind. Dieses Ansehen soll nunmehr in bewährte Hände gelegt werden. Dabei ist unter anderem die Frage zu klären, ob das Bemühen um eine abschließende Bescheidung von Bürgeranträgen und Bürgerbegehren binnen Dreijahresfrist ab erstem Zwischenbescheids- beziehungsweise Eingangsbestätigungsdatum möglicherweise eine Überforderungssituation darstellt, auf die mit der Verordnung von Dämpfungsmaßnahmen reagiert werden müsste.
Wie sie wissen werden, hat die nicht zuletzt vom Bundesverfassungsgericht in ständiger Rechtsprechung erhobene Transparenz-Forderung zur durchgängigen Dokumentation aller Arbeitsschritte geführt. Insoweit lassen sich verordnete Verfahrensweisen so umfassend nachvollziehen, dass zumindest für den Fall einer eventuell verfahrenen Ordnungsweise schnelle Abhilfe erwartet werden kann.
Arbeitsschritttempo - das Wort beinhaltet ja bereits das Wort Schritttempo, sodass es eigentlich keine stressbedingten Ausfälle von Mitarbeitern geben dürfte. Möglicherweise lassen sich dennoch Vorschläge zur Verordnung neuer Tempolimits erarbeiten, die unseren Arbietsmedizinern unter anderem eine verminderte Verschreibungshäufigkeit bei Valium und ähnlichen Stressreduktionssubstanzen ermöglicht.
Arbeitsverhaltensstörungen sind Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Unfallforschung und Unfallstatistik nach nicht zwangsläufig durch die betreffenden MitarbeiterInnen selbst verursacht, sondern resultieren unter anderem aus der Geräuschbildung von Arbeitsmitteln, klopfzeichenresistenten Türen und mit amtlicher Sachlichkeit nicht kompatiblen Telefonsignalen. Kompensationsklimatische Aktenlagen sowie die Überwindung eines Höhenunterschieds von mehr als 170 Zentimetern gelten gleichfalls als verdächtig.
Der langjährig geäußerte Verdacht, die chemische Zusammensetzung verwendeter Eingangsstempelfarbe sei als Haupt-Ursache von ausfallbedingtem Fehlverhalten beziehungsweise fehlendem Verhalten anzusehen, muss hingegen mittlerweile als weitgehend widerlegt gelten.
Als Bundeskanzlerin, aber natürlich auch als selbst öffentlich Bedienstete, bitte ich dringend um Vorschläge, wie sich die genannte Problematik möglichst noch vor dem Ende der aktuellen Legislaturperiode beherrschen lässt, auf dass nach einem eventuellen Regierungswechsel nicht auch diese Symptomatik in Einklang mit dem Vorwurf falscher Sicherungsmaßnahmen in Sachen Energieversorgung gerät.

Nachfolgend nun die aktuelle Arbeitsschrittliste einschließlich des behördlichen Normalzeitrasters am Beispiel einer niederbergischen Kreisstadt:

ORGANISATIONSGRAD Kreisstadt Mettmann (40466 Einwohner)
1 = Leerer Schreibtisch vor Eingang neuer Anträge
2 = Antrag eingegangen bei noch nicht ermittelter Zuständigkeit
3 = Eingangsstempel aus Schreibtischschublade entnommen (1 Minute)
4 = Stempelkissen aus Schreibtischschublade entnommen (1 Minute)
5 = Eingangsstempel auf Antrag aufgebracht (1 Minute)
6.= Eingangsstempel in Schreibtischschublade zurückgelegt (1 Minute)
7 = Stempelkissen in Schreibtischschublade zurückgelegt (2 Minuten)
8 = Antrag nach Feststellung eigener Nichtzuständigkeit zurück an die Poststelle (6 Minuten)
9 = eigene Zuständigkeit für den Antrag als unvermeidlich festgestellt (4 Minuten)
10 = Leeren Aktendeckel aus Formularschrank entnommen (3 Minuten)
11 = Für Antrag nach Feststellung eigener Zuständigkeit nächstes freies Aktenzeichen in Datei gesucht (3 Minuten)
12 = nächstes freies Aktenzeichen in Datei ermittelt (1 Minute)
13 = Akte angelegt und mit zugehörigem Aktenzeichen versehen (5 Minuten)
14 = Locher aus Schreibtischschublade hervorgeholt (1 Minute)
15 = Antrag gelocht: Doppler-Effekt = 2 Löcher gleichzeitig (1 Minute)
16 = Akte um Antrag ergänzt (2 Minuten)
17 = Akte für eine Eingangsbestätigung vorgesehen (1 Minute)
18 = Eingangsbestätigungsformular im Archivsystem gesucht (3 Minuten)
19 = Eingangsbestätigungsformular im Archivsystem individuell ergänzt (6 Minuten)
20 = Eingangsbestätigungsformular mit Ergänzungen ausgedruckt (1 Minute)
21 = Briefumschlag für Versand des Eingangsbestätigungsformulars dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
22 = Briefumschlag für Eingangsbestätigung beschriftet (2 Minuten)
23 = Eingangsbestätigungsformular in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
24 = Briefumschlag mit Eingangsbestätigungsformular ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
25 = Zweitdruck der Eingangsbestätigung ausgedruckt (2 Minuten)
26 = Ausgangsstempel aus Schreibtischschublade entnommen (einschließlich OG 4 = 2 Minuten)
27 = Ausgangsstempel auf Zweitdruck der Eingangsbestätigung aufgebracht (1 Minute)
28.= Akte um Zweitdruck der Eingangsbestätigung ergänzt (2 Minuten)
29 = Akte nach Aussenden der Eingangsbestätigung vorläufig abgelegt (1 Minute)
30 = Ausgangsstempel mit Stempelkissen in Schreibtischschublade abgelegt (2 Minuten)
31 = Akte ohne Vermerk einer besonderen Dringlichkeit archiviert (4 Minuten)
32 = Stempel: ,,DRINGEND“ aus der Schreibtischschublade hervorgeholt (1 Minute)
33 = Akte mit dem Vermerk ,,DRINGEND“ versehen (einschließlich OG4 und OG7 = 3 Minuten)
34 = Stempel ,,DRINGEND“ in Schreibtischschublade zurückgelegt (einschließlich OG7 = 2 Minuten)
35 = Akte zwecks Bearbeitung im aktuellen Halbjahr archiviert (4 Minuten)
36 = Akte ohne Vermerk einer besonderen Dringlichkeit archiviert (4 Minuten)
37 = Wegen Arbeitsüberlastung, Urlaubs, Krankheit oder anderweitigen Hinderungsgründen Zwischenbescheid-Formular im Archivsystem gesucht (4 Minuten)
38 = Zwischenbescheid um individuelle Angaben im Archivsystem ergänzt (6 Minuten)
39 = Ergänzten Zwischenbescheid aus dem Archivsystem ausgedruckt (1 Minute)
40 = Briefumschlag für Versand des Zwischenbescheides dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
41 = Briefumschlag für Zwischenbescheid beschriftet (5 Minuten)
42 = Zwischenbescheid in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
43 = Briefumschlag mit Zwischenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
44 = Zweitdruck des Zwischenbescheides ausgedruckt (1 Minute)
45.= Zweitdruck des Zwischenbescheides mit Ausgangsstempel versehen (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
46 = Zweitdruck des Zwischenbescheides der Akte hinzugefügt (2 Minuten)
47 = Akte mit Zweitdruck des Zwischenbescheids für das folgende Halbjahr archiviert (4 Minuten)
48 = Akte zwecks Lektüre dem Archiv entnommen (4 Minuten)
49 = Akte flüchtig gelesen (20 Minuten)
50 = Zwischenbescheid für Mitteilung nunmehr erfolgender Bearbeitung an den Antragsteller im Archivsystem gesucht (4 Minuten)
51 = Zwischenbescheid um individuelle Angaben im Archivsystem ergänzt (10 Minuten)
52 = Ergänzten Zwischenbescheid aus dem Archivsystem ausgedruckt (1 Minute)
53 = Briefumschlag für Versand des neuen Zwischenbescheides dem Formularschrank entnommen (4 Minuten)
54 = Briefumschlag für neuen Zwischenbescheid beschriftet (3 Minuten)
55 = Neuen Zwischenbescheid in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
56 = Briefumschlag mit neuem Zwischenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
57 = Zweitdruck des neuen Zwischenbescheids ausgedruckt. (1 Minute)
58 = Akte zwecks Ergänzung um den Zweitdruck des neuen Zwischenbescheids aus dem Archiv geholt (4 Minuten)
59. Akte um Zweitdruck des neuen Zwischenbescheids ergänzt einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
60 = Um Zweitdruck des Zwischenbescheids ergänzte Akte erneut archiviert (4 Minuten)
61 = Mehrseitigen Zusatzfragebogen zwecks Erhalt weiterer Daten der Antragsteller mit Fristsetzung im Formular-Archiv gesucht (3 Minuten)
62 = Mehrseitigen Zusatzfragebogen im Formular-Archiv individuell ergänzt (15 Minuten)
63 = Ergänzten Zusatzfragebogen aus dem Formular-Archiv ausgedruckt (1 Minute)
64 = Briefumschlag für Versand des Zusatzfragebogens dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
65 = Briefumschlag für Zusatzfragebogen beschriftet (4 Minuten)
66 = Zusatzfragebogen in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
67 = Briefumschlag mit Zusatzfragebogen ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
68 = Zweitdruck des Zusatzfragebogens ausgedruckt (1 Minute)
69. = Akte zwecks Ergänzung um den Zweitdruck des Zusatzfragebogens aus dem Archiv geholt (4 Minuten)
70 = Akte um Zweitdruck des Zusatzfragebogens ergänzt einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
71 = Um Zweitdruck des Zusatzfragebogens ergänzte Akte erneut archiviert.(4 Minuten)
72 = Akte für die Suche nach generellen Ablehnungsgründen aus dem Archiv geholt und bereitgelegt (5 Minuten)
73 = Ablehnungsgründe in Ablehnungsgründe-Datei gesucht (10 Minuten)
74 = Ablehnungsbescheid-Formular mit Rechtsmittelbelehrung in Formular-Datei gesucht (3 Minuten)
75 = Ablehnungsbescheid-Formular mit Rechtsmittelbelehrung um individuell zutreffende Ablehnungsgründe ergänzt (15 Minuten)
76 = Ergänztes Ablehnungsbescheid-Formular mit Rechtsmittelbelehrung ausgedruckt (1 Minute)
77 = Briefumschlag für Versand des Ablehnungs-Bescheids mit Rechtsmittelbelehrung dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
78 = Briefumschlag für Ablehnungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung beschriftet (3 Minuten)
79 = Ablehnungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
80 = Briefumschlag mit Ablehnungsbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
81 = Zweitdruck des Ablehnungsbescheids ausgedruckt (1 Minute)
82 = Akte um Zweitdruck des Ablehnungsbescheids ergänzt (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
83 = Um Zweitdruck des Ablehnungsbescheids ergänzte Akte erneut archiviert.(4 Minuten)
84 = Akte für Kostenbescheid aus dem Archiv geholt und bereitgelegt (5 Minuten)
85 = Kostenbescheid im Formulararchiv gesucht (3 Minuten)
86 = Kostenbescheid-Formular ergänzt (8 Minuten)
87 = Kostenbescheid mit Ergänzungen ausgedruckt (1 Minute)
88 = Briefumschlag für Versand des Kostenbescheids dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
89 = Briefumschlag für Kostenbescheid beschriftet (4 Minuten)
90 = Kostenbescheid in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
91 = Briefumschlag mit Kostenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
92 = Zweitdruck des Kostenbescheids ausgedruckt (1 Minute)
93 = Zweitdruck des Kostenbescheids der Akte beigefügt (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
94 = Mit Zweitdruck des Kostenbescheides versehene Akte erneut archiviert (4 Minuten)
95 = Drittdruck des Kostenbescheids ausgedruckt (1 Minute)
96 = Hausbriefumschlag an Kasse der Formularbox entnommen (3 Minuten)
97 = Hausbriefumschlag an Kasse beschriftet (3 Minuten)
98 = Drittdruck des Kostenbescheids in Hausbriefumschlag an Kasse eingelegt (1 Minute)
99 = Hausbriefumschlag mit inliegendem Kostenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
100 = Einspruch gegen Ablehnungsbescheid zur Kenntnis genommen (1 Minute)
101 = Akte zwecks Feststellung der Einspruchsfrist aus dem Archiv geholt.(4 Minuten)
102 = Feststellung von Gültigkeit beziehungsweise Überschreitung der Einspruchsfrist (4 Minuten)
103 = Eingangsstempel auf Einspruch aufgebracht (einschließlich OG 3 bis OG 7 = 6 Minuten)
104 = Eingangsbestätigungs-Formular für den Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid in der Formular-Datei gesucht (3 Minuten)
105 = Eingangsbestätigungsformular um individuelle Angaben ergänzt. (3 Minuten)
106. Ergänztes Eingangsbestätigungsformular ausgedruckt (1 Minute)
107 = Briefumschlag für Versand der Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch dem Formularschrank entnommen (4 Minuten)
108 = Briefumschlag für Eingangsbestätigung bei rechtzeitigem bzw. verspätetem Einspruch beschriftet (4 Minuten)
109 = Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
110 = Briefumschlag mit Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
111 = Zweitdruck des Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch ausgedruckt (1 Minute)
112 = Zweitdruck der Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch der Akte beigefügt (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
113 = Um den Zweitdruck der Eingangsbestätigung für den rechtzeitigen bzw. verspäteten Einspruch ergänzte Akte wieder archiviert (4 Minuten)
114 = Akte dem Archiv zwecks Bearbeitung des Einspruchs dem Archiv entnommen (4 Minuten)
115 = Einspruchszurückweisungsgründe in der Einspruchszurückweisungsgründe-Datei gesucht (5 Minuten)
116. Einspruchzurückweisungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung im Formular-Archiv gesucht (3 Minuten)
117. Einspruchzurückweisungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung im Formular-Archiv individuell ergänzt (12 Minuten)
118. Einspruchzurückweisungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung ausgedruckt (1 Minute)
119 = Briefumschlag für Versand des Einspruchzurückweisungsbescheids mit Rechtsmittelbelehrung dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
120 = Briefumschlag für Einspruchzurückweisungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung beschriftet (4 Minuten)
121 = Einspruchzurückweisungsbescheid mit Rechtsmittelbelehrung in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
122 = Briefumschlag mit Einspruchzurückweisungsbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
123 = Zweitdruck des Einspruchzurückweisungsbescheids ausgedruckt (1 Minute)
124 = Akte zum Einlegen des Zweitdrucks des Einspruchszurückweisungsbescheids aus dem Archiv geholt (4 Minuten)
125 = Akte um Zweitdruck des Einspruchzurückweisungsbescheids ergänzt (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
126 = Um Zweitdruck des Einspruchzurückweisungsbescheids ergänzte Akte erneut archiviert.(4 Minuten)
127 = Akte zwecks Ergänzung um Kostenbescheid für Zurückweisungsbescheid dem Archiv entnommen (4 Minuten) 400
128 = Kostenbescheid für die Zurückweisung des Einspruchs in der Formular-Datei gesucht (3 Minuten)
129 = Kostenbescheid für die Zurückweisung des Einspruchs in der Formular-Datei individuell ergänzt (6 Minuten)
130 = Ergänzten Kostenbescheid für die Zurückweisung des Einspruchs ausgedruckt (1 Minute)
131 = Briefumschlag für Versand des zusätzlichen Kostenbescheids dem Formularschrank entnommen (3 Minuten)
132 = Briefumschlag für zusätzlichen Kostenbescheid beschriftet (4 Minuten)
133 = Zusätzlichen Kostenbescheid in beschrifteten Briefumschlag eingelegt (1 Minute)
134 = Briefumschlag mit zusätzlichem Kostenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
135 = Zweitdruck des zusätzlichen Kostenbescheids ausgedruckt (1 Minute)
136 = Zweitdruck des zusätzlichen Kostenbescheids der Akte beigefügt (einschließlich OG4, OG 7, OG26 und OG 30 = 5 Minuten)
137 = Akte nach Ergänzung um Zweitdruck des Kostenbescheids zum Zurückweisungsbescheid erneut archiviert (4 Minuten)
138 = Drittdruck des zusätzlichen Kostenbescheids ausgedruckt (1 Minute)
139 = Hausbriefumschlag für zusätzlichen Kostenbescheid an Kasse der Formularbox entnommen (3 Minuten)
140 = Hausbriefumschlag für zusätzlichen Kostenbescheid an Kasse beschriftet (3 Minuten)
141 = Drittdruck des zusätzlichen Kostenbescheids in Hausbriefumschlag an Kasse eingelegt (1 Minute)
142 = Hausbriefumschlag mit inliegendem Kostenbescheid ins Postausgangsfach eingelegt (1 Minute)
143 = Akte im Archiv gesucht, aber nicht gefunden (2 Stunden, 20 Minuten)
144 = Verlust beziehungsweise Verlegung der Akte an den Dienstvorgesetzten gemeldet (1 Minute)
145 = Ersatzaktendeckel dem Formularschrank entnommen und beschriftet (7 Minuten)
146 = Verlustanzeige-Formular in Formular-Datei gesucht (1 Minute)
147 = Verlustanzeige-Formular um individuelle Daten ergänzt (22 Minuten)
148 = Zwischenbescheid für den Antragsteller wegen Verlust beziehungsweise Verlegung des Vorgangs versandt (9 Minuten)
149 = Zweitdruck des Verlustanzeige-Formulars ausgedruckt (1 Minute)
150 = Neue Akte um Zweitdruck der Verlustanzeige ergänzt (2 Minuten)
151 = Um Zweitdruck der Verlustanzeige ergänzte neue Akte archiviert (4 Minuten)
152.= Akte im Zuge der Mitteilung des Verwaltungsgerichts, dass der Antragsteller Klage eingereicht hat, aus dem Archiv entnommen (4 Minuten)
153 = Akte kommentarlos für die eigene Rechtsabteilung bereitgelegt (1 Minute)
154 = Stempel ,,KEINE ERINNERUNG AN DEN VORGANG“ der Schreibtischschublade entnommen (1 Minute)
154 = Akte mit Stempel ,,KEINE ERINNERUNG AN DEN VORGANG“ versehen (1 Minute)
155 = Akte mit Stempel ,,KEINE ERINNERUNG AN DEN VORGANG“ zur Weiterbearbeitung an die eigene Rechtsabteilung weitergeleitet (1 Minute)

Gesamtbearbeitungszeit: > 10 Stunden
Tarifliche Wochenarbeitszeit: 40 Stunden
Tatsächliche Wochenarbeitszeit: 26 Stunden
Kapazität pro Sachbearbeiter: 2,6 Vorgänge pro Woche
Durchschnittlicher Gesamtbetrag der Kostenbescheide: pro Vorgang: 100 Euro
Erfolgsquote nach gerichtlicher Überprüfung: 75 Prozent
Personalkosten: pro Woche: 800 Euro
Realeinnahme bei 75 Prozent Erfolgsquote: pro Woche 195 Euro
Personalkosten-Unterdeckung pro Sachbearbeiter: 605 Euro
Anzahl der Sachbearbeiter für diese Vorgangs-Art: 45
Unterdeckung für diese Vorgangsart pro Jahr: 1415700 Euro
Unterdeckung pro Einwohner und Jahr: 34,99 Euro
Zulässiger Unterdeckungsbetrag laut Kostendämpfungsgesetz: 35,00 Euro
Spielraum für Kostenerhöhungen: 0,01 Euro

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin - wie immer eilt Ihnen unser herzlicher Dank dafür voraus, dass Sie sich wieder einmal Zeit für die Leserschaft des Fuchstreff genommen haben.
Nur keine Eile - immer langsam!
Wie wir haben lesen können, liegt Ihnen derzeit der öffentliche Dienst besonders am Herzen. Hat dies einen besonderen Grund?
Weit vor der FDP hat die CDU festgestellt, dass die Zahl der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und deren Angehöriger um ein Vielfaches größer ist als die Zahl der Mitarbeiter des Hotelgewerbes und deren Angehöriger. Daraus haben wir unsere Schlüsse gezogen.
Hat dies auch Auswirkungen auf den Mehrwertsteuersatz?
Nein - und auch dies ist ein Gutes daran.
Woran?
Dass der öffentliche Dienst völlig mehrwertsteuerfrei bleibt.
Weil er zu keinem Mehrwert beiträgt?
Die Erklärung hierfür erhalten Sie im Bundesfinanzministerium, sobald die öffentlich Bediensteten dort mit Griechenland, Irland, Portugal, Italien, Bremen, dem Saarland und Berlin fertig sind.
Mit Berlin auch?
Hinter den Schulden der Berliner können sich die Griechen doch fast schon verstecken.
Auch wir hier haben hohe Schulden?
Nicht wir hier, sondern die dort. Ich selbst lebe bereits von Geburt an völlig unverschuldet und habe mir diesen Status noch gestern vom heiligen Vater persönlich bestätigen lassen.
Wie haben Sie den heiligen Vater gefunden?
Er hat eher mich gefunden?
Und wie war er so als Gesprächspartner?
Ein sehr guter Zuhörer.
Halten Sie seinen Besuch für erfolgreich?
Nun - eine Frau fürs Leben hat er auch hier nicht gefunden. Aber auch Erfolg ist ja wohl relativ.
Sie halten nicht viel von Männern ohne Frau im Hintergrund?
Dazu habe ich eine private Meinung, aber keine öffentliche. Wie Sie wohl wissen, bin ich Pastorentochter und zwar völlig legal.
Die Frauenlosigkeit des Papstes ist aber doch nun sagen wir einmal eher berufsbedingt.
Für berufsbedingte Handicaps ist bei uns die Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund zuständig.
Zölibatäres Leben wäre also eher nichts für Sie?
Diese Frage könnte Ihnen eher mein Mann beantworten.
Der hat dazu eine dezedierte Meinung?
Zumindest kann der als Wissenschaftler meine Meinung dezediert wiedergeben.
Die Behandlung von deutschem Vermögen in der Schweiz scheint da weniger dezediert bei der Bevölkerung angekommen zu sein.
Wir haben nicht warten mögen, bis Herr Liechtensteinbrück das Reiten gelernt hat, um nach einem von der SPD erhofften Regierungswechsel eine Kavallerie anführen zu können.
Aber jetzt blockiert ja wohl der Bundesrat den entsprechenden Vertragsschluss.
Das glaube ich nicht. Herrn Wowereit beispielsweise dürfte es nicht völlig egal sein, ob aus der Schweiz Geld in seine Armenkasse fließt oder nicht.
Das betrifft also auch den Länderfinanzausgleich.
Schon zwischen der Schweiz und Deutschland ist das ja so eine Art Länderfinanzausgleich.
Und wozu dienen die restlichen Milliarden?
Die fließen in die Bildung - genauer gesagt in die Bildung von Rücklagen.
Sollte man nicht eher Menschen bilden als Rücklagen?
Menschen bilden eine Bedarfsgemeinschaft, Rücklagen bilden die Reserve für noch schlechtere Zeiten, Politiker bilden einen Deutschen Bundestag, Unternehmen bilden aus - mit unserer Bildungspolitik befindem wir uns folglich auf hohem Niveau. Und dass sich Hotelier so ähnlich liest wie Juwelier, aber anders ausgesprochen wird, bringen wir Herrn Westerwelle schon noch bei.
Frau Bundeskanzlerin, wir wünschen Ihnen ein erholsames Wochenende.
Danke für Ihre Wünsche - allerdings werde ich im Hotel übernachten müssen, und dort ist natürlich bekannt, dass ich nicht der FDP angehöre.

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Der künstliche Horizont, meine sitzenden, stehenden oder auch liegenden Zuhörerinnen und Zuhörer, ist nicht nur in der Luftfahrt ein überaus nützliches Mittel, um den Mangel eigener Erkentnis- und Orientierungsfähigkeit zumindest zeitweise wirksam zu ersetzen und dennoch mit verfügbarem Personal und Material sicher zu landen.

Die Übertragung nicht sichtbarer, jedoch messbarer Realitäten auf die Bildschirme vornehmlich im Cockpit misst dem Kapitän somit Fähigkeiten zu, die er eigentlich momentan gar nicht hat. Damit brauchen sich Turbulenzen nicht auch noch emotional in den Passagierraum zu übertragen, und das allgemeine Wohlbefinden wird unterstützt. Dass hier die Sicherheit eigentlich nur technischer und nicht menschlicher Prägung ist, wird keineswegs als Mangel darstellbar, wissen wir doch alle um unsere menschlichen Unzulänglichkeiten, die uns tagtäglich begegnen,
wenn nicht gar aufregen, während das Verglühen von Astronauten auf dem Weg nach oben doch schon geraume Zeit her ist.

Der künstliche Horizont ist im engeren Sinne ein ständig verfügbares Ergebnis ebenso fachkundiger wie geschickter Programmierung und somit gleichsam durch das Nutzen politischer Verfahrensweisen entstanden. Wahrnehmung wird dabei auf Wesentliches verringert und bedarf keiner eigenmächtigen Handlungen anderer, da richtig erkanntes Verhalten gleich mitgeliefert und gleichzeitig verwirklicht wird. Menschliches Denken in all seiner Fehleranfälligkeit wird bereits in der Checkliste eliminiert und damit als Sicherheitsrisiko ausgeschlossen. Insofern sind Flugzeug- und Fraktionsführung einander deutlicher angenähert, als man ohne Kenntnis der Sachzusammenhänge vermuten mag.

Wer hier Natürlichkeit statt Künstlichkeit fordert, dem sei gesagt, dass es eher in der Natur der Sache liegt, Kunst dort anwenden zu sollen, wo Normen unerlässlich sind und Gemeinwohl vor individueller Entfaltung rangieren muss, wobei der Rangiermeister geradezu zwangsläufig auch als Weichensteller zu fungieren hat. Bezogen auf den künstlichen Horizont bedeutet dies, dass die Wegweisung strikt mit entsprechend vorgehaltenen Verhaltenskorridoren und Landepositionen verknüpft ist und überdies nicht auf Einzelfälle bezogen bleiben kann, sondern gesamtheitlich zu koordinieren und zu platzieren hat.

Es geht keinesfalls um Horizont-Erweiterung, sondern eher um effektive Horizont-Eingrenzung, verbunden mit der Gewissheit, dass Vorerfasstes und Vorgedachtes dem Regiment des Irrtums fast so gründlich entzogen sind wie dem des Widerspruchs. Vor allem entfällt dabei die Gefahr des Widerspruchs an sich und somit ein Haupthindernis politischer Aktivitäten überhaupt.

Dass ich schon von meinem beruflichen Werdegang her den Gesetzen der Physik mehr vertraue als dem Gesetzesgewürge beispielsweise des Bundesverfassungsgerichts, wird niemanden wundern, der meine Arbeit und mich kennt. Richtersprüche mögen in gewissem Umfang grundgesetzliche Bedeutung haben, grundsätzliche hingegen haben sie eher nicht, zumindest
nicht für mich und meinesgleichen. Allerdings gestehe ich gerne ein, dass menschliche Züge umso eher wahrgenommen werden, als die Züge der Deutschen Bahn AG wieder einmal Verspätung haben. Damit bleibt das Flugzeug unser bevorzugtes Fortbewegungsmittel, und das Wort ,,Flugangst“ lässt sich schon mit dem Hinweis beiseiteschieben, dass es sich in Wahrheit um Absturz-Angst handelt, die Politikern absolut fremd zu bleiben hat.

Politikern mit erhöhtem Schlafbedarf mag die natürliche Horizontale wichtiger sein als die künstlich reglementierte - mir hingegen kommt es in dieser Hinsicht eher auf vertikale Qualitäten an, für die jedwede Horizonte im Rahmen meiner Vorgaben möglichst weit gefasst bleiben dürfen. Alles, was den Horizont anderer übersteigt, ist solange politisch problemlos, wie es sich künstlich in sicheren Bahnen lenken lässt. Dies zu tun, ist meine vordringlichste Aufgabe, der ich mich zumindest bis zur nächsten Bundestagswahl gern und nachdrücklich stellen werde.

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Verehrte Nochnichtwählerinnen und Nochnichtwähler, Herr Jauch, Herr Pilawa, Herr Kerner, Herr Gottschalk, Frau Will, Frau Illner oder besser zuerst die Frauen und dann die Männer,

Politikerinnen und Politiker sind nicht für sich allein da, sondern für Sie alle - auch für diejenigen unter Ihnen, die uns zum Teufel wünschen oder sogar längst bei diesem wähnen. Dies noch stärker zu verdeutlichen, ist eine Chance, die vor allem die Medien bieten. Die Bild-Zeitung beispielsweise mit kleinen Sätzen in großer Auflage. Oder das ZDF - zumindest seit dem Ende von Rudis Tagesshow. Dieses erfordert von uns vor allem eines - das richtige Sendungsbewusstsein.

So sollten wir uns in Kindersendungen nicht selbst ins Wort fallen - das mag diese Klientel überhaupt nicht. Bei politischen Talksendungen hingegen verhilft uns diese Übung zu dem wichtigen Erfolg, unverstanden zu bleiben und uns somit unsere Sympathiewerte zu erhalten, sofern nicht gerade Frau Wagenknecht ergreifende Worte hat sagen dürfen.

Im Gegenzug - möglichst sogar auf demselben Gleis - können wir uns in den Werbepausen beliebt machen, indem wir mitraten und gewonnene Gelder für Zwecke zur Verfügung stellen, die aufgrund unseres staatlichen Engagementsverzichts leer ausgehen, obwohl sie, wenngleich nicht eigentlich wichtig, so doch sehr publikumswirksam sind. Besser Guttäter sein als nur Täter oder gar Unterlasser, besser lächeln als achselzucken, besser danebenliegen als andere drauf kommen lassen. Das ist die Devise für erfolgreiche Selbstdarstellung.

Kein noch so unerklärliches Anwachsen des eigenen Kontostandes kann mehr Schaden anrichten als ein Blusenknopf, der ungeöffnet geblieben ist. Gerade Männer nämlich achten weniger auf Äußerlichkeiten als darauf, was sich dahinter verbirgt. Und so lässt sich durch richtiges Aussehen das wichtige Ansehen in der Bevölkerung eher steigern als durch Gesichtscremes oder gar Argumente.

Dabei sollten wir falschem Schein begegnen. Ich meine jetzt nicht zuvorderst den 500-Euro-Schein, der mitunter in Rezensionsexemplaren von Geschäftsberichten des einen oder anderen Lobbyisten zu finden ist, sondern falsche Annahme anderer Art. So ist die CDU-Politik, die ich vertrete, nahezu unveränderlich, Hosenanzüge hingegen habe ich viele. Unser Publikum ist meist gegenteiliger Ansicht. Dieser Schein trügt also.

Das richtige Format ist wichtig. So kann mitunter Cup D wirkungsvoller sein als der UEFA-Cup, weniger hingegen bei Fußballübertragungen. Nicht so zu wirken, wie es gewollt und gemusst sein sollte, kann zur Existenzfrage führen, und nicht immer ist es da dann mit einer ausbleibenden Antwort getan.

Politiker ohne Sendungsbewusstsein stottern an der falschen Stelle, schicken Kavallerien in die Schweiz oder legen sich auf Schienen ohne Zugverkehr. Oder lassen sich tot in der Hotelbadewanne nieder. Oder heiraten ohne die Bunte und ohne Frau im Spiegel. Oder küssen Konfirmandinnen vor laufenden Kameras. Oder besuchen nachprüfbar ihre unehelichen Kinder nicht oft genug. Dagegen ist eine irrtümliche Millionenüberweisung an die Lemann Bank Killefitz.

Zwischen der Pflege der todkranken Frau und der Wiedereinnahme von Viagra dürfen nur dann weniger als hundert Tage liegen, wenn das Fernsehen davon keinen Wind bekommt oder auch die Fernsehmacher Viagra nehmen. Wer die ehemalige DDR nicht als totalen Unrechtsstaat empfindet, sollte diese Auffassung lieber bei einem Formel 1-Rennen als bei der Ehrung eines pensionierten Nazirichters äußern. Da schützt dann auch kein Professorentitel vor der Untersuchung auf Rinderseuche oder Vogelgrippe.

Besser im Dschungelcamp Würmer schlucken als zu spät Kinderpornografie vom heimischen Computer entfernen. Da hilft dann auch nicht der Eintrag: Irrtümlich geöffnet - zurück an den Absender. Früher hieß ein wichtiger Aufdruck: Geschenksendung, keine Handelsware.
Heute heißt er: Lieber geschenkt als gehandelt. Betrachten Sie bitte mein Reden als Liebesbeweis, mein Schweigen als Schonung der Unterschicht und mein Handeln als Geschenk. Dann sende ich Ihnen auch bewusst kein Parteiprogramm.

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Qualitätsmanagement, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Saaldienerinnen und Saaldiener, unvergessene Cateringpartner und Mitglieder des örtlichen Reinigungspersonals, ist im Hause des Deutschen Reichstages beziehungsweise auch Bundestages nachvollziehbar kein internes Thema, sondern allenfalls dem ,,made in germany“ geschuldet – allerdings nicht von uns, sondern eigentlich ausschließlich von denen.

Qualitätsmanagement verstärkt die Abhängigkeit der Kleinen von den Großen und ist allein schon deshalb politisch nicht notwendig, weil wir Politiker weitaus einfachere, mit weniger Eigenarbeit verbundene Methoden anwenden, um dieselben Ziele zu erreichen.

Qualität hat man, oder man hat sie nicht. Das sieht man an uns. Da genügen ein Wahlsieg oder ein Schuldanerkenntnis, um für entsprechende Klarheit zu sorgen. Wer Qualität hat, braucht sie nicht zu managen, sondern muss sie allenfalls vermarkten. Und wer keine Qualität hat, wird höchstens zu Billigpreisen auf dem Weltmarkt der Politik kleinere Anteile erhaschen können. Dafür ein Management zu beschäftigen, wäre viel zu teuer.

Auch beide Einzelteile dieses zusammengesetzten Hauptwortes sind, wie Sie sicher längst erfasst haben, keine Ansätze zu politischem Handeln. Wir haben es eher mit Quantität als mit Qualität zu tun, und das gilt ganz sicher nicht nur für unser aller Diäten, Redebeiträge, Wahlkreisbesuche und zu beantwortenden Wähler-Anfragen. Wir brauchen eine gewisse Quantität an Steuereinnahmen und fragen dabei nicht, von welchem Swingerclubbesitzer diese haben aufgebracht werden müssen. Und wir brauchen eine fast noch wichtigere Quantität an Wählerstimmen, um für Deutschland auch weiterhin da sein zu können, wo wir wahrgenommen werden und etwas für uns erreichen.

Umgekehrt gibt es für uns mit dem Blick auf das Berufsbeamtentum kein Qualitätsproblem, sondern ein Quantitätsproblem. Es gibt zuviele Menschen, die uns mit ihrer Arbeitsweise boykottieren und anschließend mit ihrer Wählerstimme aus den Ämtern jagen können. Auch dies ist leider ein Erbe Konrad Adenauers.

Das Wort ,,Management“ gehört, wie unser aller Herr Bundesaußenminister richtigerweise eingewendet hat, zumindest nicht ursprünglich der deutschen Sprache an. Qualität hingegen ist nicht wirklich englisch, zumal wir alle wissen, dass die Engländer so etwas nicht mal mehr bei ihren Flugzeugtriebwerken schaffen, von ihren Autos gar nicht erst zu reden. Das kann keinesfalls daran liegen, dass die Engländer nahezu alles und jedes einer Entscheidung durch die Queen überantworten müssen; denn hier mit mir in einer vergleichbaren Situation bricht ja auch nicht gleich der Schlendrian oder gar Schludrian über der halben Wirtschaft aus. Und selbst eine Geiz-ist-geil-Mentalität hat uns nachweislich noch nicht vollends in den Abgrund gerissen.

Fußballvereine mögen Manager beschäftigen, die beim Sparsamkeitstraining ständig fehlen und deshalb meist Schuldenberge in Millionenhöhe produzieren. Sie sind für uns zu vernachlässigende Größen, weil sich für uns unterhalb der Milliarden-Marke das Denken ja gar nicht lohnt.

Banken und Aktiengesellschaften haben Vorstände, die Rückstände beklagen und dies den Umständen zuschreiben. Mitunter bin ich deshalb geneigt zu fragen, warum diese Vorstände Nadelstreifenanzüge tragen und keine Umstandsmode.

Wir beschäftigen Generalsekretäre, die, wie die Wortbedeutung bereits nachweist, Sekretäre des jeweiligen Generals zu sein haben, auch wenn sie Andrea Nahles heißen und neben dem Anrecht auf Mutterschutz über eine eigene Meinung verfügen sollten.

Sogar in der Lebensmittelwirtschaft wird aus gutem Grund weniger über Qualität als über Mindesthaltbarkeitsdaten nachgedacht, während die Politik sich nicht einmal um Letzteres sorgen muss. Dies ist unsere große Chance, unser Wirken keinerlei Grenzziehungen unterwerfen zu müssen, sobald uns das Mandat sicher ist. Was für eine Parallele zwischen uns Parlamentariern und unseren Soldaten in Afghanistan!

Lassen Sie uns unser Mengenbewusstsein nicht vernebeln, stets aufs Ganze blicken und unseren Teil davon abbekommen. Dann schmerzt es auch nicht so sehr, von diesem Rednerpult aus angegriffen zu werden, weil wir letztlich alle wissen: Nach dem Scheitern der Mengenlehre wird auch dem Qualitäts-Management ein Sieg über uns nicht gelingen.

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Grundsätze, meine Damen und Herren, sind gerade für Politiker unverzichtbar, führen sie doch weit über deren Selbsteinschätzungen hinaus. Wichtig dabei ist allerdings zunächst einmal, dass man sie selbst vollständig beherzigt und überdies vollständig darlegt. So ist der Grundsatz: ,,Die Rente ist sicher nicht alles im Leben“ durch Norbert Blüm stets nur verkürzt wiedergegeben worden. Dies hat dazu geführt, dass ihm auch eine nur verkürzte Wahrnehmung des Sachverhalts hat unterstellt werden können und müssen. Somit kann ich nur jedermann - gerade Politikern - dringend raten, sich eher unverblümt auszudrücken.
Der wichtigste Grundsatz für Politiker heißt: ,,Ich bin besser als alle anderen“. Natürlich fordert er zur Beweispflicht heraus, aber die Art der Beweisführung bleibt jedem selbst überlassen. Ob dabei eher die Ellbogen oder eher der Verstand eingesetzt werden, ist unter anderem typabhängig. Und nicht immer werden anfallende Leichen am Straßenrand so rechtzeitig beiseite geschafft, dass das Gesamtbild der wahlberechtigten Bevölkerung nicht getrübt beziehungsweise geschärft wird.
Wo sich der Ruf eines dem eigenen politischen Fortkommen im Wege stehenden Parteifreundes nicht rechtzeitig schädigen lässt, bewährt sich der Grundsatz: ,,Die Mörder sind mitten unter uns - sehet zu, dass ihr nicht zu den Opfern zählet!“
Grundsätzlich sollte man gegen eigene Grundsätze nicht verstoßen. Doch da ist die Zahl der Ausnahmen weit umfangreicher als die Regel selbst. Zudem lassen sich persönlich unpassende Grundsätze schlichtweg vermeiden. Wer Aufrichtigkeit nicht zum eigenen Grundsatz erklärt, mag der Unaufrichtigkeit geziehen werden, darf sich aber all dessen unverdrossen auch weiterhin als allumfassend grundsatztreu darstellen.
Eine falsche Erläuterung des Wortes ,,Grundsatz“ hat dazu geführt, von Politikern zu verlangen, dass jedem ihrer Sätze ein Grund zu entnehmen sein müsse. Diese Annahme wird nicht einmal einer sprachwissenschaftlichen Betrachtungsweise gerecht, geschweige denn einer politischen.
Was Politiker von sich geben wollen oder eher von sich geben müssen, ist ebenso vielschichtig wie das Weltgeschehen - meist zum Sterben zuviel und zum Leben zuwenig. An dieser Stelle erinnere ich mich stets an meinen mir liebsten Grundsatz: ,,Danke deiner Wählerschaft, solange sie für solchen Dank noch empfänglich ist.“ Aus grundsätzlichen Erwägungen kann ich dem nichts mehr hinzufügen.

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Nicht nur als erste Lady im Kanzleramt, sondern auch als ausgewiesene Physikerin und eingewiesene Anhängerin der Theorien von Konrad Adenauer und Albert Einstein bin ich mit dem Begriff der Relativität vertraut - er ist mir geradezu bereits in die Kinderschuhe gesteckt worden.

Auch Wahlsiege sind relativ, meine Damen und Herren. Dieses wissen wir nicht erst seit einer ominösen Landtagswahl in Hessen. Ist Wahlsiegerin, wer ein Ergebnis von vor fünf Jahren, auf das sie selbst gar keinen Einfluss gehabt hat, erheblich verbessert hat? Oder ist nicht eher Wahlsieger derjenige, der trotz im Vergleich zu vor fünf Jahren hoher Stimmenverluste letztlich doch noch etliche Stimmen mehr erhalten hat als die eingangs erwähnte Dame ausländisch anmutenden oder zumindest weit hinten im Alphabet angesiedelten Namens?

Ist Finanzminister eher derjenige, der nach gesetzlich geregelten Grundsätzen Menschen Geld aus der Tasche ziehen lässt und sich dabei immer wieder meiner Rückendeckung zu vergewissern trachtet? Oder nicht eher derjenige, der von Bayern aus dafür sorgt, dass der Laden läuft beziehungsweise der Gang der Dinge zumindest nicht aufgehalten wird?

1000 Euro sind für einen Hartz IV-Empfänger relativ viel Geld. Für eine Bundeskanzlerin eher relativ wenig. Ein Mittelloser würde dafür relativ oft einen Mord begehen, ein Finanzminister würde relativ eher darüber lächeln. Und da halte ich natürlich eher zum Finanzminister; denn Lächeln ist in meinen Augen allemal besser als Morden. Zumal selbst bei einem Rentner als Opfer die Entlastung des Sozialstaats relativ wenig ins Gewicht fiele im Vergleich zum Verlust eines Wählers.

Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung, dass niemand absolut sicher sein kann, allein mit relativ vielen Worten die Zustimmung der Bevölkerung zu erreichen. Aber auch relativ wenige Worte wären da keine Erfolgsgarantie. ,,Was geht mich mein Geschwätz von vorgestern an?“ Mit dieser Frage hat Konrad Adenauer einst eigene Denkfortschritte erklärt. Und er hat dabei, wie ich finde, den Nagel relativ gut auf den Kopf getroffen. Im Gegensatz zu Konrad Adenauer hat die heutige Politikergeneration allerdings das relativ große Problem, sich an ihr Geschwätz von vorgestern überhaupt nicht mehr erinnern zu können. Und auch deshalb, meine Damen und Herren, haben Sie es heutzutage relativ schwer mit uns. Dass Sie sich diesem Schicksal ergeben, dafür gebührt Ihnen mein herzlichster Dank.

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Es sind nicht die Weicheier und Zweifler, die unseren Staat und damit auch uns selber nach vorne bringen, meine Damen und Herren, Herr Mehdorn, Herr Hansen, Herr Schell, sondern die Verantwortungsträger im engen Verbund mit einer tragfähigen Statik und einer auf die Situation jedes einzelnen von uns abgestimmten Dynamik. Umso wichtiger ist es - und das ist nicht nur meine feste, sondern auch meine ständige Überzeugung, mit der ich zutiefst einhergehe - um so wichtiger ist es, diese Verantwortungsträger weder einrosten zu lassen, noch anderweitig zu beschädigen. Denn ihre Zahl ist nicht beliebig erweiterbar, und ihre Tragkraft hat enge Grenzen, auf denen wir uns nicht ausruhen sollten.

Über Jahrzehnte hinweg hat sich bewährt, dass solche Verantwortungsträger bei uns ausschließlich aus dem Inland gekommen sind. Leider ist dieses Prinzip mit einer EU-weiten Sichtweise und der Globalisierung insgesamt nicht mehr vereinbar. Deshalb haben wir den Einzug ausländischer Verantwortungsträger selbst dann zulassen müssen, wenn diese unseren Normen nicht entsprechen. Man kann halt nicht mit anständigen Mitteln Exportweltmeister werden und bleiben, meine Damen und Herren, ohne sich mit unanständigen Mitteln auch auf Heimatmärkten auseinandersetzen zu müssen. Zum Glück erweisen sich heimische Wirtschaft und heimische Politik in diesem Bereich als lernfähig, willensstark und handlungsbereit. Zu diesem klaren Kurs gibt es - das sage ich mit allem Nachdruck, zu dem ich fähig bin - keine Erfolg versprechende Alternative.

Erfolg schweißt zusammen, Misserfolg reißt auseinander - dies sollten wir nie vergessen und in all unsere Betrachtungen mit einbeziehen. Erfolg kostet nicht nur Nerven, sondern auch Geld und Arbeitsplätze. Löhne oder Dividende? - das ist auf einen knappen Nenner gebracht die entscheidende Frage.
Maschinen kennen keinen Urlaub im Ausland. Das, was sie zu unser aller Wohlstand beitragen, bleibt also im Lande, erhöht die Konsumfreude, hilft überfüllte Läden ebenso vermeiden wie Geiz-ist-geil-Gefühle, steigert unsere Moral bis hin zu ihrer Verdoppelung.

Sehr viel kritischer muss - so habe ich gefunden und meine es noch immer - eine andere Auflage der EU-Kommission angesehen werden, nämlich die gleichberechtigte Zulassung von Verantwortungsträgern und Verantwortungsträgerinnen. Dies stellt uns alle vor völlig neue Herausforderungen. Denn hier lässt sich nicht einfach durch das Wahlvolk ein Weg ins Kanzlerinnenamt bahnen, hier ist präzise und nachhaltig für weibliche Innovationskraft und Selbstdarstellungskosmetik zu sorgen. In den Labors unserer mittelständischen Wirtschaft wird die Umwandlung von Verantwortungsträgern in Verantwortungsträgerinnen nicht nur mit hormonellen Mitteln erforscht - selbstverständlich bei voller Berücksichtigung unserer genetischen Ethik, also völlig ohne embryonale Stammzellen.

Vielgeschlechtliche Verantwortungsträgerschaft ist fast überall wenn schon nicht gefragt, so doch sehr vonnöten. Damit hat die deutsche Wirtschaft die große Chance, nach dem Transrapid einen weiteren Welterfolg aus dem Boden zu stampfen. Und wenn es uns dann gelingt, auch hier direkte Kontakte zum Schienenweg der Verantwortung mit physikalischen Mitteln zu unterbinden, werden wir gleichfalls auf den Wolken des Fortschritts schweben können.

Solchen Pioniergeist, meine Damen und Herren, verehrte Kleinaktionäre, wünsche ich uns allen.

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Das Gesundheitswesen, meine gesunden oder kranken, in jedem Falle aber sehr verehrten Damen und Herren, ist für viele eine Art gute Fee, die durch die Lande streicht und Wohltaten verübt. Dieses schiefe Bild, das aus den Köpfen der Nichtpolitikerschaft kaum mehr wegzudenken zu sein scheint, muss uns Redeprofis und Regierungspflichtigen eine ständige Herausforderung sein. In aller Offenheit, aber auch in aller Betroffenheit, zu der ich durch mein hiesiges Amt, aber auch persönlich fähig bin, sage ich Ihnen allen: Grimms Märchen sind einfach in die Jahre gekommen! Jetzt müssen wir das Umdenken lernen! So wie Eisberge auf hoher See umschifft werden, sollten wir Problemstellungen solcher Art umdenken, auf dass sie uns nicht mit sich in die Tiefe reißen, sondern abseits der notwendigen Schlingerbewegung Kurs halten lassen.

Probleme umdenken bedeutet unter anderem, sie auf ihre gerade noch für wahr haltbare Bedeutung herunterzufahren. So habe ich mir von mich manchmal umgebenden Fachleuten zumindest für mich plausibel erläutern lassen, beim Arsen beispielsweise sei nicht der Preis das Problem, sondern die Rezeptpflicht. Für alles und jedes beziehungsweise gegen alles und jedes sollen wir ein Rezept haben – wer kann das denn überhaupt noch leisten? Das Bundeskanzleramt jedenfalls mit Sicherheit nicht!

Erst seit Einführung des entsprechenden Computer-Standards nimmt in unserer Ärzteschaft die Zahl derer ab, die wegen Rezeptblockfingergicht unserem Gesundheitswesen vorzeitig eine erkaltete Schulter zeigen müssen. Nicht nur die Immobilienkrise hat dazu geführt, dass es unter den Hausärzten immer mehr Einhausärzte und immer weniger Mehrhausärzte gibt. Diese Situation mag den Neidfaktor in unserer Gesellschaft verringert haben, für das Leistungsstreben hingegen, das die freie Wirtschaft bekanntermaßen von der Politik unterscheidet, ist sie hingegen nahezu tödlich.

Das Gesundheitswesen wird von gleich zwei Seiten bedroht. Von denen die zahlen, ohne zu denken. Und von denen, die denken, ohne zu zahlen. Und am Ende steht vermutlich nicht der nahe Tod, der sich relativ kostenniedrig bewerkstelligen ließe, sondern immenser Pflegebedarf, der nicht nur fremde Geldbeutel in Unordnung bringt.

Am Anfang meiner segensreichen Kanzlerschaft habe ich von meinem Vorgänger, dessen Name nur deshalb noch bekannt ist, weil er zu den in Deutschland am weitesten verbreiteten gehört, unter anderem diese leidvolle Zuzahlungs-Debatte übernommen. Mit dessen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt habe ich zwar kaum mehr gemein als Figur und Haaransatz, doch vor allem in einem gebe ich ihr vollkommen Recht: Unserem Gesundheitswesen und vor allem auch unseren Krankenkassen ginge es bedeutend besser, wenn letztere nicht dauernd und ständig etwas zuzahlen müssten.

Gesundheit, verehrte Pflichtzuhörerschar, ist nicht nur bedeutend angenehmer als Krankheit, sondern auch bedeutend preiswerter. Dies gilt für uns alle. Und darum ist Gesundung bei mir Chefinnensache. Wo der Hals zu voll genommen wird, da sind diabetis mellitus in den Sprechzimmern und Negativzuwachs bei der Sozialversicherung nicht weit. Bei ständig gewendeten Hälsen kommt noch die Gefahr von Zerrungen bis hin zum Genickbruch hinzu. Nicht zuletzt deshalb sollten Politikerinnen und Politiker strikt geradeausschauen und nicht von dem Grundsatz abweichen, jeder möge das Leben leben, das er sich leisten kann.

Gegen eine Zwei-Kassen-Medizin, verehrter Kollege Lauterbach, habe ich nichts einzuwenden, sofern sich beide Kassen als Sparkassen entpuppen und nicht als Ableger der Hypo Real Estate. Einmal ist dann die Linke mit dem Bezahlen dran, das andere Mal die Rechte – wie hier im Kanzleramt. Fairer kann Gesundheitspolitik doch gar nicht sein!

Natürlich ist es eine weise Entscheidung meiner Vorvorgängerschaft gewesen, Abgeordnetendiäten unbar zu zahlen, auf dass sich niemand daran verhebe und der Allgemeinbevölkerung damit jegliche Chance auf einen zeitnahen Termin bei einem Orthopäden nehme. Und natürlich ist es nicht nur wirtschaftlich angenehmer, sondern auch gesünder, dass Bundestagswahlkämpfe meist nur alle vier Jahre stattfinden und somit genügend Zeit zur Kontaktpflege im In- und Ausland lassen.

Das Wohlergehen der Allgemeinbevölkerung sollte uns allen hier stets ein besonderes Anliegen sein. Nicht zuletzt deshalb frage ich mich nahezu bei Tag und Nacht, wie es ihr wohl ergehen mag. Folgen Sie meinem Beispiel! Machen auch Sie sich Ihre Gedanken! Bündeln Sie sie dann gemeinsam mit Ihrer Fraktionsführung und äußern Sie sie dann so, dass Journalisten sie nicht missverstehen können! Und wenn Sie dann so ein merkwürdiges Geräusch hinterm Vorhang hören - machen Sie sich sofort Klar: Das kann das Gesundheitswesen nicht sein, da daran alles Merkwürdige völlig geräuschlos ist. 

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Die Eingliederung Griechenlands in die Bundesrepublik Deutschland als weiteres Bundesland ist, meine verehrten Zu- und Weghörerinnen und -hörer, eine mit der einstigen deutschen Wiedervereinigung annähernd vergleichbar schwierige Aufgabe, die wir unter dem Argwohn wie unter dem Beifall unserer EU-Partner sowie mit Unterstützung durch viele Könner und noch weitaus mehr Wohlwollende zum Wohle des Euro und zur Stabilität des Herzens im Körper Europa stemmen werden.
Ich verstehe ihre momentane Sprachlosigkeit durchaus, kann Ihnen jedoch auch bereits jetzt versichern, dass Griechenland 21 besser verwirklicht werden wird als Stuttgart 21.
Wir haben bereits damit begonnen, die derzeit rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter griechischer Finanzämter durch das hiesige Bundesamt für Finanzen nachschulen zu lassen. Im noch nicht lange ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück haben wir überdies einen Projektleiter im Superministerrang verpglichten können, der sich somit nach anderweitigen Verpflichtungen zumindest in dieser und der nächsten Legislaturperiode nicht wird umsehen müssen beziehungsweise können. Diese Situation verschafft auch der derzeitigen Bundesregierung Existenzsicherheit, kennen wir einander doch längst weitaus besser als die Griechen ihre eigene Verwandtschaft.
Was die Positionierung der Bundesbehörden betrifft, haben wir aus dem Bonn-Berlin-Erfahrungen gelernt und werden ähnliche Fehler nicht wiederholen. Meine Medienpräsenz und die aktuellen Kommunikationskanäle werden unsere altgriechisch-neudeutschen Freunde räumliche Ferne nicht beklagen lassen, zumal der Wechsel von derzeitiger Nichtexistenz zu künftiger Existenz in der Ferne für sie ja auch bereits einen gewissen Fortschritt bedeutet.
Auch ich weiß selbstverständlich, dass viele unter uns es lieber gesehen hätten, Deutschland würde sich um Spanien und Portugal vergrößern. Allerdings hat es gegolten, auch unseren französischen Herzensfreunden ein verstärktes Achsen-Gewicht im Europa der Zukunft zu gönnen und überdies sowohl an die erfolgte Festschreibung der polnischen Westgrenze zu erinnern wie an die selbstgewählte Insellage der Briten nach Waterloo.
Bedenken gegen die Einführung von Griechisch als weitere Amtssprache möchte ich gleich zerstreuen helfen. Wer von uns weiß schon, dass auch Dänisch und Sorbisch in Deutschland Amtssprachen sind? Sehen sie: Spätestens dann, wenn es um Jobs, Kredite oder Harz 4 geht, wird völlig freiwillig umfassend deutsch gesprochen, und der damit verbundene Widerwille stellt eine zu vernachlässigende Größe dar.
Die Vielzahl griechischer Hoteliers hat uns mit dem Blick auf den Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent bei Übernachtungen kurzfristig nachdenklich gemacht, während der Wegfall von Flaschenpfand für griechischen Wein ja bereits längst von der EU verordnete Gegenwart darstellt.
Der Einsatz griechischer Beamter außerhalb deren Stammregion mag mitunter das Verständigungs-Tempo weiter drosseln, doch sollte uns nicht bange davor sein, der entsprechenden Leichtigkeit des Seins die entsprechende Schwere bürokratischer Verantwortung hinzuzugesellen.
Neben dem Griechen an der Ecke und dem Griechen in der letzten Reihe wird es künftig den hiesigen wie den dortigen Deutschgriechen geben. Herbert Grönemeyer hat mehr Schiffsverkehr gewollt - jetzt soll er auch dafür sorgen, dass wir alle damit klarkommen. Andererseits wird es auch nach der Verflechtung Italiens mit der Schweiz genügend Straßen und Schienenwege geben, um das neue Süddeutschland nicht völlig der Tourismuswirtschaft überlassen zu müssen.
Unseren türkischen Freunden sei angesichts von deren Verdiensten um den Auf- und Ausbau Deutschlands angeraten, ihre Leistungsfähigkeit in Deutschland künftig noch heimatnäher unter Beweis zu stellen. Nicht nur der bauliche Zustand der Akropolis mag da als Aufruf zum Handeln gelten.

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Einerseits, meine hochverehrten Damen und Herren sowie auch die anderen, lässt der Herr Bundespräsident, seine Weihnachtsansprache betreffend, stets noch etwas für die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin übrig. Andererseits ist es nicht gut, Ansprachen in eigener Sache zu halten. Deshalb schneide ich hier ein Thema an, das eigentlich keine Sau interessiert und gerade auch Herrn Gabriel, von dem wir alle wissen, dass sein Studium nicht von seinen Eltern finanziert worden ist, nicht interessieren dürfte.
Die Öffentlichkeit ist dazu da, dass etwas an sie gelangt - weshalb sollten sich gerade Politiker, die auf die Öffentlichkeit auch weiterhin angewiesen sind, vor diesem Umstand fürchten beziehungsweise drücken? Wir hier wissen doch alle, dass Legislaturperioden irgendwann enden und der Bundespräsident sogar nur einmal wiedergewählt werden darf, weshalb ihm außergewöhnlich hohe Vergünstigungen sicher sind - unter anderem die ungeschmälerte Fortzahlung seiner Dienstbezüge über seine Amtszeit hinaus bis zu seinem hoffentlich natürlichen Tod. So gesehen ist das Schweigen der Herren Scheel und Köhler zumindest mir sehr angenehm.
Bis zum Einfall der Bankenkrise hat niemand von uns gewusst, was Zinssätze bedeuten beziehungsweise bewirken. Diese durch die frühe Geburt bedingte generelle Unschuld ist selbstverständlich auch Herrn Wulff zuzubilligen. Der hat als prominenter Katholik anders als andere rechtzeitig dafür Sorge getragen, dass sich seine sexuellen Bedürfnisse auch weiterhin innerfamiliär regeln lassen. Zudem hat er seine Altfamilie nicht im Dixie-Klo hausen lassen mögen, sondern angemessen untergebracht wissen wollen, ohne dass entsprechende Altlasten den Etat der neuen Familie allzu sehr nach unten drücken. Solch weitsichtiges Versorgerdenken halte ich für in keiner Weise kritikwürdig, zumal Herr Wulff nicht auf die Versorgung eines Gazprom-Deutschland-Repräsdentanten zurückzugreifen vermag. Dass er sich massiv gegen eine Erweiterung des pornographischen Programms des katholischen Weltbild-Verlages um Pädophilie gestemmt und mit entsprechender Überzeugungsarbeit letztlich das gesamte Kardinals-Kollegium auf seine Seite gezogen hat, ist doch wohl aller Ehren wert.
Bücher sind dazu da, politische Leistungen der Nachwelt anzudienen oder zu erhalten. Das Buch ,,Zug um Zug" im Namen der Herren Schmidt und Steinbrück habe auch ich gelesen und das auf dem Cover falsch stehende Schachbrett keineswegs überbewertet. Herr Wulff hat sich in der Zeit seiner Ministerpräsidentschaft gleichfalls für wichtig genug erachtet, den Buchmarkt zu bereichern. Wenn dann der Absatz schleppender verläuft als der von VW, können Werbemaßnahmen die Situation möglicherweise positiv beeinflussen. Dass Herr Wulff sich nie zu Spaßreisen des vom Land Niedersachsen im geschützten Minderheitenbesitz befindlichen VW-Konzerns hat hinreißen lassen, sei hier wirklich nur am Rande erwähnt, zumal Herr Wulff Herrm Hartz geradezu zwangsläufig gekannt hat.
Dass Herr Maschmeyer an diesem Buch so großen Gefallen gefunden hat und dann dessen Verbreitung mit aus der eigenen Tasche bezahlten Anzeigen unterstützt hat, lässt sich doch wohl nicht allen Ernstes dem Buch oder gar Herrn Wulff anlasten. Das wäre ja gerade so, als ob man der Deutschen Bundesbank vorwerfen würde, dass sie den Namen ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin während dessen Lesungs-Tourneen nicht aus den Briefköpfen verbannt hat.
Lassen wir die Kirche im Dorf, die Zinsen im Keller, die Zahl der Arbeitsplätze steigen und die Bildung ein Niveau erreichen, das eine Ansprache wie diese überflüssig macht. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedvolles, gutnachbarschaftliches, von einem starken Euro gehaltenes 2012. Mein Mann schließt sich diesen meinen Wünschen vollumfänglich an. 

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Sehr verehrte Frau Dr. Merkel - haben Sie vielen Dank dafür, dass Sie dem Fuchstreff-Forum abermals als Gesprächspartnerin zur Verfügung stehen.
Ach wissen Sie - Doktor klingt gerade im Zuge gewisser politischer Rückkehr-Diskussionen noch immer so anrüchig, dass ich das nicht so gerne höre. Sagen Sie doch einfach Frau Bundeskanzlerin.
Gern, Frau Bundeskanzlerin. Jamaika ist in Saarbrücken für gescheitert erklärt worden. Was bedeutet das für Sie?
Die Bedeutung des Saarlands wird eigentlich nicht nur innerhalb dieses Bundeslandes ständig überschätzt. Das ist so ähnlich wie mit dem Kropf - wer braucht den schon?
Das heißt, Sie würden das Saarland notfalls aufgeben wollen?
Wenn dieser Mann mit ohnehin französisch klingendem Namen dort die nächste Wahl gewinnen sollte, wäre das Saarland in den für meinen Kollegen Sarkozy verfügbaren Strukturen sicherlich besser aufgehoben als bei uns in Deutschland.
Sehen Sie im Falle einer großen Koalition dort denn nicht Auswirkungen auf die derzeitige Zusammensetzung der Bundesregierung?
Was die Verlässlichkeit von Sozialdemokraten im Vergleich mit der der FDP betrifft, habe ich lange Zeit mit meiner Auffassung hinterm Berg halten müssen. Jetzt fällt dieser Berg in sich zusammen.
Also über kurz oder lang Große Koalition und Kabinettsumbildung? Eher über kurz, aber was heißt Kabinettsumbildung? Wenn Herr Rösler zur CDU übertritt und Frau Schnarrenberger zur SPD, könnten wir doch fast in alter Besetzung weitermachen. Oder glauben Sie im Ernst, dass Herr Westerwelle oder Herr Niebel von irgendwem vermisst würden?
Der Zerfallsprozess der FDP bereitet Ihnen also wenig Sorgen?
Sehen Sie, nach dem geltenden deutschen Vereinsrecht ist eine Organisation aufzulösen, sobald sie weniger als drei Mitglieder hat. Wer will schon voraussagen, dass der freie Fall der FDP zwingend vorher endet?
Und Sie glauben nicht, dass die SPD lieber eine Regierung außerhalb einer Großen Koalition unter eigener Führung bilden möchte?
Da geht es nicht um möchte, sondern um kann.
Sie meinen, die SPD kann nicht?
Sehen Sie sich die sogenannten SPD-Kanzlerkandidaten doch einfach mal näher an.
Da wäre zum Beispiel Herr Steinbrück.
Der ist doch nun wirklich nur rein zufällig in der SPD. Abseits von übertriebenem Traditionsdenken lässt sich mit dem fast schon CDU-Politik in Reinkultur betreiben.
Und Herr Steinmeier?
Aus ehrenwerten Gründen kann der eine von der SPD-Basis geforderten Politik, die an die Nieren geht, doch gar nicht wollen.
Und Herr Gabriel?
Der hat doch schon in Niedersachsen als Erzengel total versagt und als Lehrer noch weniger geleistet als seinerzeit Herr Eichel.
Und Frau Nahles?
Die ist der beste Beweis dafür, dass die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche als politisches Qualifikationsmerkmal nicht ausreicht - ähnlich wie Frau Wulff.
Wie kommen Sie jetzt gerade auf Bettina Wulff?
Sehen Sie, wenn ich beabsichtige, ein Tatoo mit Designerkleidung zu verdecken, dann laufe ich doch nicht Gefahr, ein entsprechendes Geschenk zum ungünstigsten Zeitpunkt zurückgeben oder gar nachfinanzieren zu müssen. Deshalb trage ich beispielsweise, wie Sie längst festgestellt haben mögen, keine Designerkleidung.
Ist das nicht eher eine Frage der Figur?
Welcher Figur?
Na jenseits von Kleidergröße 36 kommt Designerkleidung doch selten vorteilhaft herüber, und Sie könnte ich mir darin wirklich nicht so recht vorstellen.
Sehen Sie, dass ich Dinge getan habe, die die Vorstellungskraft anderer überstiegen haben, ist doch gleichsam zu meinem Markenzeichen geworden.
Und Sie sind sich darin nach wie vor sicher, dass unter Ihrer Führung die aktuellen Probleme am besten lösbar sind?
Wirksames politisches Handeln stärkt unsere Widerstandskraft und lässt uns mit leuchtenden Augen ins Dunkel blicken.
Wie meinen Sie das?
Warum muss eins und zwei immer drei sein - nicht nur hier, sondern überall auf der Welt? Auf dem Kahlen Asten ebenso wie auf der Zugspitze oder auf dem Kreidefelsen von Rügen? Bei minus achtzehn Grad in der Tiefkühltruhe ebenso wie bei plus dreißig Grad im Schatten? Wo bleiben da die regionalen Besonderheiten, die so liebenswerten Unterschiede, die Regeln freien Wettbewerbs? Wir sollten uns besser darüber freuen, dass wir erwartungsfroh Unterschiede achten dürfen. Bei uns gibt es Essen dreimal täglich, anderswo dreimal monatlich. So lässt sich bei uns der Segen guter Politik erklären und die Opferbereitschaft weltweit steigern.
Welcher Segen und welche Opferbereitschaft?
Darüber reden wir gern nächstes Mal. Jetzt erwartet Herr Sarkozy von mir eine Antwort auf seine Frage, ob wir bei der Transaktionssteuer mitmachen oder nicht.
Und wie wird Ihre Antwort lauten?
Sie wissen, dass bei Ihnen im Fuchstreff Cliff die Karten mischt. Würden Sie ausgerechnet ihn im Spiel verprellen wollen?
Was hat das mit der Transaktionssteuer zu tun?
Unser Kartenmischer heißt Jofef Ackermann, und solange das so ist, gebe ich eine solche Frage an ihn weiter. Zudem glaube ich, seine Antwort bereits zu kennen.
Wird Herr Wulff die Vielzahl der Anfeindungen, denen er derzeit ausgesetzt ist, im Amt des Bundespräsidenten überstehen.
Das glaube ich schon, zumal diese Anfeindungen nicht von mir stammen.
Frau Bundeskanzlerin, Danke!
Das sagten Sie eingangs bereis, und auch das unterscheidet uns offensichtlich.
Sie sind also auf Dank gar nicht aus?
Dank in der Öffentlichkeit ist nicht gar soviel wie Wiederwahl.
Sie wünschen eine öffentliche Wahl?
Mit einer geheimen bin ich durchaus zufrieden. Dies sollten auch die Leserinnen und Leser des Fuchstreff mit in die Wahlkabine nehmen.

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Immer wieder, meine aus sachgerechter Ferne stets überaus auf eine eigentlich viel zu geringe Anzahl geschätzten Damen und Herren, werde ich nach den 20 goldenen Regeln der Politik gefragt. Ehe mir die ausbleibende Antwort als nicht angebrachtes Zögern ausgelegt und von irgendwelchen Kontraparteien falsch beantwortet wird, möchte ich deshalb das Wagnis eingehen, Ihnen etwas zu erklären zu versuchen, das ich noch weniger beherrsche als die Flegelhaftigkeit meines britischen Amtskollegen Cameron. Insoweit bitte ich Sie vorab vorsichtig um Nachsicht.

1. Sage nie, du seist die beste personelle Alternative zur Besetzung eines Amtes. Wer auch nur den Anschein erweckt, so zu denken, ist praktisch schon außen vor. Weitaus besser ist es, bei einer Entscheider-Mehrheit den Eindruck zu erwecken, in einer solchen Angelegenheit sowohl nicht am besten als auch zu bescheiden zu sein. Dann wirst du zumindest von denen gewählt, die in eigener Sache das offene Visier noch scheuen und dabei fälschlicherweise denken, sie könnten einen vermeintlich Schwächeren zunächst unterstützen und dann zu gegebener Zeit möglichst unerkannt lynchen.

2. Wenn du heiraten willst oder musst, erledige solches stets still. Andernfalls musst du sicherheitshalber jede Menge Leute einladen, die du zwar zum Kotzen findest, aber irgendwann einmal doch noch brauchen könntest. Solche potenziellen Zukunftspartnerschaften sind in aller Regel derart vielzählig, dass eine Einladung zur Hochzeit in puncto Bewirtungskosten entweder zum eigenen finanziellen Ruin führt oder zur erzwungenen Inanspruchnahme von Sponsoren. Unter zugegebenermaßen ungünstigen Umständen fragt sich sonst nämlich der ein oder andere lauthals, ob du dir ein Bundespräsidentenfest aus eigener Tasche neben einem 500000-Euro-Haus nicht leisten kannst oder nicht leisten willst und deshalb den Steuerzahler indirekt schröpfst, weil du Sponsoren als Finanziers nutzt, die dann das Ihrige von der Steuer absetzen.

3. Achte auf Herzdamen und nimm sie möglichst frühzeitig aus dem Spiel. Gerade Männer, bei denen nicht nur politische, sondern geradezu jedwede Potenz allenfalls noch Stoff für Memoiren ist, sind geneigt, solche Damen für gewinnbringend zu halten, selbst wenn sie aufgrund ihrer noch weitaus höheren Lebenserwartung die Witwenrentenkassen zu leeren drohen.

4. Politik ist - wie z. B. Doppelkopf, Skat und Bridge - kein Glücksspiel im eigentlichen Sinne, sondern basiert auf logischem Denken in der Auswertung
- bereits vorhandener Informationen im Spiel (Ansagen, bisheriger Spielverlauf, Markierungen usw.) und
- spielübergreifenden Wahrscheinlichkeiten/Erfahrungswerten und
- darauf abstellender Spielweise.
Wer regelmäßig die höheren Wahrscheinlichkeiten für sich zu nutzen weiß, wird erfolgreicher sein, als derjenige, der nach dem Würfel-, Glücks- oder Zufallsprinzip vorgeht!

Politik ist eigentlich kein Partnerspiel. Gerade mit genügend eigenen Stärken sollte man das Wischi-Waschi in Koalitionen nach Möglichkeit vermeiden. Zur Partnerfindung gibt es i.d.R. mehr und bessere Möglichkeiten als gleich die „Alte" umzulegen. Sog. Signalkarten, aber auch An- und Absagen, der Abwurf von überkommenen Traditionen oder das Schmieren Dritter sind meist besser als frühzeitig die "Alte" zu verheizen.

5. Versuche alles, sofort deine Asse zu spielen
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Bist oder kommst du früh ans Aufspiel, ist es (fast immer) selbstverständlich, daß du als erster deine Asse spielst, weil die 2. Asse kaum noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ist von anderen Trumpf aufgespielt, versuche alles, um den sofort im Keim zu ersticken. Nachdenken und Zögern lässt deine Unsicherheit vermuten. Es ist besser, sicher das Falsche zu tun als unsicher das Richtige. Versuche ausserdem, auch deinen Partner aus dem Spiel zu halten, damit der ebenfalls kein As gegen dich ausspielen kann.

6. Partnerabstich ist immer sch...
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Steche (fast) nie das As des Partners. Er kostet fast immer den gemeinsamen und damit vor allem deinen Sieg. Er ist eine Stichvernichtung: Statt Möglichkeiten zu behalten, dem Gegner später Stiche wegnehmen zu können, hat man selbst die Chance, den Partner zu schmieren, vertan. Darüber hinaus wird er auf lange Sicht nicht mehr mit dir zusammenspielen.

7a. Finde deinen Partner: Ansagen - nur Mut - aber alles zu seiner Zeit!
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Beim Doppelkopf gewinnt die stärkere Partei durch deutliches Spiel, die schwächere Partei gewinnt im Versteckspiel. In der Politik ist es genau umgekehrt. Ansagen sind kein starkes Mittel, Wählerstimmen dauerhaft zu gewinnen. So lässt sich eine Halbierung von Arbeitslosenzahlen zwar versprechen, aber nicht halten. Beim Doppelkopf brauchst du nicht alleine 120 Augen machen zu können, um etwas anzusagen. In der Politik hingegen weißt du kaum je, wieviele Zähler zum Sieg nötig sind. Auch wenn du meinst, mit einer normalen Partnerergänzung wird es in der Mehrzahl der Fälle schon reichen, sage nichts an! Tue das allenfalls zum letztmöglichen Zeitpunkt vor deiner drohenden Abwahl, wenn dir alle möglichen Informationen vorliegen. Beachte: Vorzeitige Ansagen haben eine Botschaft! Spätestens dann, wenn schon alle Karten auf dem Tisch liegen, solltest du allerdings aufhören, ihre Existenz zu leugnen.

7b. Zeige dich möglichst unklar: Absagen - mit Umsicht und Vorsicht
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Ansagen sind nicht einmal dann vernünftig, wenn sie in über 50% der Fälle eingehalten werden können und den Spielausgang positiv beeinflussenn. Entsprechende Erfolge werden dir selbst von Partnern geneidet, selbst auf wenigen Misserfolgen hingegen wirst du zu Tode geritten. Anders sieht es nur aus, wenn man durch eine Absage entscheidende Spielvorteile durch Partnerfindung erzielen kann. Gerade dann, wenn dein Blatt nicht gut ist, solltest du Stärke vortäuschen. Geht die Sache dann schief, versuchst du zunächst, die Schuld daran den Gegnern anzulasten. Andernfalls müssen halt deine Partner dazu herhalten, entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Nur sehr selten haben beide Partner gleichzeitig gute Karten. Und gerade dann kommt es darauf an, deine als die besseren ins Spiel zu bringen.

7c. Für Fortgeschrittene: Konventionen - Berliner System (BS)
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Erfahrene Politiker haben eine Reihe sog. Konventionen entwickelt. Als Anfänger muss man das nicht unbedingt beherrschen, man sollte aber wissen, dass sich andere darüber ganz legitim finden und austauschen können.

7d. Beschreibe nie dein Blatt
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Die starke Partei gewinnt durch Verschleierung und Stillschweigen, die schwächere durch Forderung nach Klarheit und Informationsaustausch. Ein Spiel wird umso planbarer, je mehr sich dabei die eigene Stärke und die völlige Ahnungslosigkeit der Gegner nutzen lassen. Wenn auch dein Partner nichts mitbekommen hat, hat er halt Pech gehabt.

7e. Spiele Trumpf nur aus Stärke.
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"Opposition spielt Trumpf, Regierung Fehl" ist ein längst überholter Merksatz. Er stammt wohl noch aus Zeiten, in denen Politik in der Kneipe entschieden und ohne Richtlinienkompetenz gespielt worden ist. Man spielt Trumpf nur aus der Stärke heraus, andernfalls bleibt man stumm sitzen und wartet auf die Fehler anderer.

8. Keine Alte an Position 2.
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Auch wenn man, besonders mit eigenen Assen und besonders wenn Trumpf liegt, natürlich unbedingt ans Ausspiel kommen will. Die ,,Alte“ ist politisch so wichtig, dass man ihr stets den Vortritt lassen sollte. Selbst bei einem eventuellen Absturz sollte sie die Erste sein und niemanden mitreißen können.

9. Versuche, deinen Geger zu treffen / wegzuschieben
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Durch Schmieren von Meinungsträgern oder das Ausspiel eines eigenen Asses überspielst du deinen Partner an Position 2 und triffst deine Gegner dahinter direkt.

10. Nutze die Stärke - spiele Trumpf-Wippe
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Oftmals wird in einem Spiel von den stärkeren Partnern - und idealerweise mit den Gegnern zwischen sich - Trumpf hin und zurück gespielt. Das Spiel wippt also hin und her. Damit wird beispielsweise der stärkste aller möglichen Spielpläne verwirklicht: Erst dem Gegner die Trümpfe klauen, ihm also ein Stechen unmöglich machen, und dann seine Fehlasse zum Schwarzsieg aufspielen. Zum Schluss ist dann die geschasste SPD-Gereralsekretärin das Tüpfelchen zum i.

11. Der starke Partner bestimmt das Spiel, der schwache entlastet.
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Der Schwächere hat den Starken zu entlasten, indem er seine eigentlich besseren Argumente dafür opfert, das Streben des Partners nach Geschlossenheit noch wirksamer werden zu lassen, oder indem er anstelle des Partners zusticht und so dem Starken ermöglicht, sich da herauszuhalten.

12. Keine Trumpfvolle vorsetzen
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Der Starke darf dem Schwächeren nicht vorzeitig den Glauben rauben, selbst noch etwas ausrichten zu können. Zumal dann nicht, wenn die Gegner hinten sitzen und sich ohnehin schon ins Fäustchen lachen.

13. Kein faules Fehl vorsetzen
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Der Schwächere darf den Starken nicht vergewaltigen, indem er ihm Fehl vorspielt, um ihn schlecht aussehen zu lassen. Denn die Gegner können sich dann aussuchen, ob sie an eurem Niedergang mitwirken oder euch das Desaster allein überlassen wollen.

14. Spiele nie so, dass dein Partner hinten sitzen kann
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Der Partner könnte versucht sein, den Spielverlauf abzuwarten und dann aus der Kenntnis der Gesamtsituation für sich Vorteile zu suchen, die du im Gegensatz zu denen der Gegner nicht durch massive Diffamierung aus der Welt bekommst, ohne die Partnerschaft selbst zu schädigen.

15. Stich keine Standkarte vom Partner, wenn du abwerfen kannst !
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Eine Standkarte ist in ihrer jeweiligen Farbe die höchste der noch nicht ausgespielten Karten. Solche Standkarten des Partners sollte man nicht abstechen! Fast immer ist ein Abwurf eigener Bürden an dieser Stelle besser.

16. Schütze eure Stechfarbe - Brauntöne vermeiden
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Spiele die Stechfarbe deines Partners nach. Es sei denn, du riskierst eine Falle, wenn er braun gespielt hat und die Empörung bei der Wählerschaft schon hochgekocht ist. Spiele nie eine schon mal gelaufene Fehlfarbe (am schlimmsten ist dabei noch ein zweiter Herzlauf), wenn du selbst eine andere Fehlfarbe stechen kannst. Du machst dir diese Stärke/Stechmöglichkeit selbst kaputt, wenn die Gegner deine Stechfarbe in Rundfunk, Fernsehen und Presse diffamiert haben und dann mitstechen können. Mit Herz, zumindest im zweiten Lauf, wird am meisten kaputt gemacht. "Wer auf Herznachspiel setzt, weiß nichts und kann nichts“.

17. Dulle an letzter Position stets zum Vollmachen nutzen
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Die Basta-Dulle fällt dir ohnehin nicht allzu oft zu. Wer sie ohne Aussicht auf längerfristigen Erfolg auf den Tisch knallt, lässt sie wirkungslos verpuffen und sich selbst als zahnlos erscheinen. Deshalb sollte sie nur ausspielen, wer damit die Debatte für sich entscheiden kann.

18. Mit Messer und Gabel essen, nicht reinfallen.
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Fingerfood ist kein angemessenes Beiwerk zu guten politischen Gesprächen. Und bei Hummer und Austern weiß man nie, ob sie sich mit deinem handwerklichen Geschick begnügen oder Herausforderungen darstellen, denen du ebenfalls nicht wirklich gewachsen bist.

19. Spiele Politik stets so, als ob sie aus der Mitte käme
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Ziel ist es, sowohl linke, als auch rechte Positionen bei deren Suche nach einer Mehrheit im Glauben zu lassen, deine Partnerschaft erreichen zu können. Dann bleibst du zumindest abseits der Kameras und Mikrofone im Gespräch.

20. Mitzählen
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Wenn nach einer gelungenen Diffamierungskampagne die Anzahl der Bewerber noch immer höher ist als die der zu besetzenden Ämter, versuche rasches Nachsetzen, da sich andernfalls dein Problem durch zwischenzeitlich nachgewachsene Köpfe verschärft.

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Die Frage, ob wir genügend Deutsche sind oder besser mehr wären oder gar besser weniger, beschäftigt mich derzeit nun wahrlich nicht, meine Wählerinnen und Wähler, Nichtwählerinnen und Nichtwähler, Anderswählerinnen und Anderswähler. Nicht einmal die griechische Regierung befasst sich mit einer solchen nationalen Fragestellung. Und sie tut recht daran, sich augenblicklich um weit Wichtigeres zu kümmern.
Die mich tatsächlich massiv beschäftigende Frage lautet: ,,Gibt es genügend Deutsche im Sinne des Grundgesetzes - oder gibt es sie nicht mehr oder noch nicht oder nie wieder?" Vor allem die Verstorbenen unter uns werden sich noch gut daran erinnern, dass es eine Hallstein-Doktrin gegeben hat, die der Anerkennung eines anderen politischen Gebildes eine durch uns erklärte Gegnerschaft hat folgen lassen. Und dass das Grundgesetz dazu ausersehen gewesen ist, für unser aller Zusammenleben einen stabilen Grund zu setzen, zu legen, zu stellen, was auch immer. Dass ausgerechnet das Bundesverfassungsgericht zu einer Art Leib- und Magengericht oppositioneller Gruppierungen, auf Bahngleisen herumlungernder vermeintlicher Atomkraftgegner und selbsternannter Gute-Nacht-Sager verkommen würde, haben die Väter des Grundgesetzes nicht vorab zu verhindern vermocht, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, Mütter des Grundgesetzes abzuwehren.

Die Liebe zur Bundeskanzlerin und zum Bundespräsidenten hingegen ist zwar im Grundgesetz nicht schriftsprachlich verankert, wohl aber zwischen allen Zeilen seines Gemeinsinns fest verhaftet. Und auch die Rangfolge solch wichtiger Zuwendung aller Deutschen ist kein Textdiktat, sondern eher ein völlig natürliches Ergebnis und Erlebnis. In umgekehrter Richtung kann ich die Wohltat einer solchen Zuwendung nur immer wieder als aufbauenden Regierungsauftrag interpretieren. Noch angenehmer wäre es halt, wenn noch mehr Menschen solche mir grundgesetzlich garantierte Liebe als selbstverständlich und vorteilhaft - für wen auch immer - betrachten würden. Ich biete Ihnen allen tagtäglich die Chance zu einer solchen auch volkswirtschaftlich bedeutsamen Großtat und bitte Sie von Herzen: Nutzen Sie sie!

Auch ein Staatskörper benötigt Organe, die insofern Verfassungsorgane genannt werden. Wenn sich ein solches Organ dann einmalig oder dauerhaft in schlechter Verfassung befinden sollte, ist es die geradezu natürliche Aufgabe anderer Organe, dessen Schwächen und Fehlfunktionen auszugleichen, um eine Radikal-Operation oder gar den Totalzusammenbruch vermeiden zu helfen. Unser Körper bietet dafür gute Beispiele. Der Verstand übernimmt die Funktion des Herzens oder der Blinddarm die des Kleinhirns oder der After die des Erinnerungsvermögens - und zwar im Sinne und zum Nutzen des Gesamtgebildes. Da hat dann das Zusammenspiel radikaler Kräfte keinen Halt mehr, und der Stoffwechsel nimmt seinen Lauf.

Meine Mitstreiter auf internationalen Parketten, Laminaten und Eisflächen fragen mich leider immer häufiger, ob Deutschland es für richtig hält, sich seine Probleme selber herbeizuwulffen.
Sowas lenkt nicht nur von der wichtigen Griechenland-Dauerschelte massiv ab, sondern ist langfristig auch in der Lage, unser Ansehen in der Welt agenturübergreifend hinunterraten zu lassen. Ich kann es fast nicht mehr mit ansehen, wie ganze Juristenschwärme von Pommesbude zu Pommesbude hasten, um dem Bundespräsidenten für von ihm verspeiste oder zumindest einbestellte Berliner Currywürste nachträglich Quittungen für gezahlte oder von Dritten verauslagte Beträge zu verschaffen. Ich frage mich: Was soll das? Solche Quittungen lassen sich eh nicht von der Steuer absetzen und schon gar nicht nachträglich. Und spätestens nach drei Jahren werden wir im Rahmen der Großbetriebsprüfungen der Finanzbehörden ohnehin wissen, ob Geldwäscher, Filmproduzenten, Veranstalter oder andere da Würste in ihrer Steuererklärung falsch verbraten haben oder nicht.

Immerhin hat es ja auch Jahrzehnte gedauert, bis gezahlte Schmiergelder nicht mehr als absetzbare Betriebsausgaben anerkannt worden sind. Und nur rein vorsorglich möchte ich feststellen, dass weder Ministerpräsidenten, noch Bundespräsidenten je Einfluss auf die Festsetzung von Steuern für den Import exotischer Gewürze haben nehmen können. Überdies steht eine Änderung der Besteuerung von Curry zumindest während meiner Amtszeit nicht einmal zur Debatte.

In diesem Zusammenhang ist für mich nur eine Frage wirklich von Bedeutung: Wer kann bezeugen, dass das Tatoo der amtierenden Vorsitzenden des Müttergenesungswerkes nicht von Dritten, sondern von ihr selbst bezahlt worden und dann ordnungsgemäß versteuert worden ist? Entsprechende sachdienliche Angaben nehmen neben dem Axel-Springer-Verlag und dem Vorsitzenden der Bundespressekonferenz auch alle deutschen Botschaften im Ausland gern entgegen. 

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, herzlich willkommen im Administratoren-Zentrum des Fuchstreff. Wir freuen uns sehr, dass Sie erneut der Leserschaft unseres Forums zu Antworten zur Verfügung stehen. Wie finden Sie unser Ambiente?

Ich bin vor allem davon beeindruckt, dass Sie Ihre Plattform mit allem Drum und Dran so kostengünstig und so personell gestrafft funktionsfähig, ja höchst anziehend in Szene zu setzen vermögen. Damit bekämen wir im Kanzleramt nicht einmal die Verwaltung der Portokasse II hin.

Wozu brauchen Sie zwei Portokassen?

Ich selbst brauche nicht einmal eine. Wenn ich richtig informiert bin, haben wir das Portokassensystem von der Mannschaft meines Amtsvorgängers übernommen. In der einen Kasse werden Euro verwaltet, in der anderen Rubel.

Bundespräsident Christian Wulff soll sich nunmehr für Telefonate mit fremden Handies rechtfertigen. Ist dies auch in Ihrem Sinne?

Dafür muss er sich meiner Ansicht nach überhaupt nicht rechtfertigen. Angesichts der internationalen Geheimdiensttätigkeiten kann, wer ein eigenes Handy benutzt, seine Gesprächsinhalte gleich an die nächste Litfasssäule kleben lassen. Solches würde mir mancher Gesprächspartner sehr übel nehmen.

An wen denken Sie da insbesondere?

Helmut Schmidt ist da nur eines von vielen Beispielen.

Mit dem telefonieren Sie?

Aber natürlich. Er ist Welt-Ökonom und hat sich selbst als den wichtigsten deutschen Staatsführer seit Bismarck bezeichnet. Da kann er sich nach seinem eigenen Selbstverständnis doch nicht aufs Zupaffen seines persönlichen und öffentlichen Umfelds beschränken.

Und Sie lassen sich von ihm beraten?

Der Mann gehört der falschen Partei an, aber das macht ihn doch noch längst nicht charakterlos.

Aber er spielt doch mit Herrn Steinbrück Schach und nicht mit Ihnen.

Mit Herrn Steinbrück spielt er Schach.

Und mit Ihnen?

Mir hat er beispielsweise umfassend erklärt, wie Leute aus der eigenen Partei an den Stühlen ihrer Führung sägen.

Und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Das werde ich ganz sicher auch hier nicht ausbreiten. Achten Sie doch einfach mal darauf, wessen Arbeits- oder Redeplatz plötzlich ein anderer ist.

Der Oberbürgermeister von Duisburg wechselt gerade seinen Arbeitsplatz.

Sehen Sie: Spätestens dann, wenn es Tote gegeben hat, sind personelle Konsequenzen unerlässlich. Auch der Kommandeut der Gorch Fock hat seinen Arbeitsplatz gewechselt. Das heißt doch nicht, dass es ihm jetzt schlechter gehen muss als zuvor.

Aber die Duisburger CDU lässt Herrn Sauerland doch total im Regen stehen.

Das kann ich so nicht unterschreiben. Dass der Mann mit dem Vornamen überhaupt in diese Position gelangt ist, halte ich noch heute für rätselhaft. Eine Adolf-Debatte brauchen wir nun wirklich auf keiner politischen Ebene.

Die Krankenkassen scheinen derzeit im Geld zu schwimmen, wollen ihren Versicherten aber keine Prämien zahlen - finden Sie das richtig.

Immerhin bestünde die Gefahr, dass das Wort ,Versicherungsprämie’ eine falsche Zielrichtung erhält.

Wie meinen Sie das?

Schon meine ehemalige Kabinettskollegin Ulla Schmidt ist die ewigen Zuzahlungsdebatten leid gewesen und hat immer betont: Es ginge unseren Krankenkassen noch weitaus besser, wenn sie nicht dauernd etwas zuzahlen müssten.

Was halten Sie vom Axel-Springer-Verlag?

Eine ehrliche Meinung wird Ihnen da kein deutscher Politiker sagen, der nicht gleich baden gehen will.

Aber Sie?

Ich habe seit dem Tod von Uwe Barschel keine Badewanne mehr von innen gesehen.

Sie bevorzugen also eher die kalte Dusche?

Ganz recht - der Warmduscher sitzt ja, wie Sie wissen, im Schöneberger Rathaus.

Und der andere im Auswärtigen Amt.

Jetzt, wo Sie es sagen . . .

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen Ihnen alles erdenklich Gute.

Danke - ich mir auch.

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Spätestens im Anschluss an die erste Ölkrise - zu einem Zeitpunkt also, da ich meiner Erinnerung nach gerade mal geboren war, wäre es an der Zeit gewesen, Erdoel als auslaufende Energiequelle zu betrachten und das Auslaufen nicht im Hinblick auf unsere Weltmeere und Kleingewässer nahezu regungslos hinzunehmen, sondern als lebenszeitliche Hauptaufgabe zu erfassen und auch in Bezug auf die Entwicklung von nicht Brennbarem guten Anschluss an die Abkehr von den Hexenprozessen des Mittelalters zu halten. Alles gen Himmel Strinkende verdient unseren Restwiderstand. Wir hätten nicht nur rechtzeitig die Kirche im Dorf lassen sollen, sondern auch das Oel in der Erde. Als ich Umweltministerin dieses Landes geworden bin, war eine Trendwende zwar noch möglich, aber ebenso wenig gewünscht wie heute.

Leider sind wir somit noch immer eine Mineralölgesellschaft, die sich anderen Energiequellen geradezu energisch widersetzt, um die Windmacht nicht gern viel Wind macht, der Kernkraft den Kern ihrer Kraft zu nehmen versucht und bisweilen den Sonnenschein völlig unproduktiv genießt, ohne dabei von Solarworld zu träumen, nur weil Lukas Podolski nicht oft genung ins gegnerische Tor trifft.

Wer gut schmiert, der nicht friert - dies ist eine alte, aber leider noch immer nicht überholte Weisheit zwischen Deutschland und Liechtenstein und manchen anderen völlig zu Unrecht als Oasen bezeichneten Erdflecken. Wer hingegen Wärme nicht zu verbreiten vermag, dem nutzt auch nur wenig, dass er aus der Kälte kommt. Nicht zuletzt deshalb ist Regierungspolitik ganz wesentlich eine Erwärmungsleistung, die Herzen und Hirnen gleichermaßen entgegenkommt.

Sie ist in aller Regel völlig frei von Haupt- und Nebenwirkungen, entspricht dem Schutz der Ozonschichten allein schon deshalb, weil sie über uns einen von Umständen völlig unabhängigen Himmel der Zufriedenheit zu wölben vermag und uns alle ansprechen soll - nicht nur von hinten durch die Brust. Mit Halbwertzeiten, die Zwischen- oder gar Endlager überflüssig machen. Mit vorgewachsten Prinzipien für alle nachwachsenden Generationen. Völlig dioxin- und bleifrei. Wer da die Zins- und Zinseszinspflicht ins Gespräch zu bringen trachtet, hat die Zeichen der Zeit noch immer nicht verstanden. Die Tage sind gezählt, jetzt gilt es, die Nächte zu buchstabieren.

A steht für Anfangen und Aufhören, B für Beginnen und Beenden, und so weiter und so Ford, Opel, Audi, VW, notfalls auch Fiat. Nachdem uns der jüngste Formel-1-Weltmeister augenfällig bewiesen hat, was mit den Energiereserve des roten Bullen zu schaffen ist, müssen wir jetzt endlich dem schwarzen Bären freien Lauf lassen, um ihm den Ruf zu nehmen, ein Problembär zu sein.

In zehn Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen ist das eine, in 365 Tagen vom Exportweltmeister zum Exportvizeweltmeister ist das andere. Wir haben Pisa wahrgenommen und wissen jetzt, dass die ganze Welt voller schiefer Türme ist - nicht nur in der Schul- oder Bildungspolitik. Wer neue Schulen bildet, hat damit noch keine Schulbildung bewiesen, und, wer gerade richtet, noch lange nichts geradegerichtet. Der Wortreichtum der Deutschen verhindert Altersarmut nur indirekt, und Politik als die Kunst des Möglichen wird leider noch allzu oft als völlig unmöglich empfunden.

Energiepolitik hat sich daher in besonderer Weise der Aufgabe zu stellen, Energien zu verwenden, statt sie zu verschwenden. Geld arbeitet, Menschen sitzen zu Hause herum, Beamte sind mit einem Amt versehen, aber nur selten auch den zugehörigen Würden nahe. Diese Situation fordert uns geradewegs dazu heraus, uns einzubringen und beim Ausbringen auf weitgehende Güllefreiheit zu achten. Gleichzeitig Gedanken zu überbringen und darin Erwartungen unterzubringen, um Menschen davon abzubringen, sich oder andere umzubringen, ist eine Leistung, die nicht hoch genug wertgeschätzt werden kann. Und da ich Ihnen in diesem Zusammenhang Gutachterkosten ersparen möchte, nehme ich, Ihr Einverständnis voraussetzend oder ersetzend, auch in diesem Falle die Wertschätzung selber vor.

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Wer, verehrte Damen und Herren,

kennt nicht den schönen Liedtext: ,,Die Gedanken sind frei“? Allerdings wissen die wenigsten, dass es aus dem Gefängnis heraus getextet und gesungen worden ist. Diese weit verbreitete Wissenslücke mag daran liegen, dass heute in den Gefängnissen nicht mehr so oft gesungen wird wie früher - zumindest nicht selbst, sondern allenfalls in Radio oder Fernsehen oder anderen Medien akustischer Verbreitung.

Dabei ist der Chor der Gefangenen eigentlich nicht dem griechischen Volk in seiner selbst verschuldeten Unfreiheit vorbehalten, auf die jetzt unter anderem im Bereich des öffentlichen Dienstes eine umfassende Freisetzung folgen soll. Im Zuge umfassender Neubau- und Renovierungs-Tätigkeit sollte er auch deutschen Justizvollzugsanstalten zu vermehrtem Wohlklang verhelfen, zumal die Anzahl der Todeszellen hierzulande nach wie vor der Illegalität vorbehalten bleibt.

Gerade Politiker finden den Aufenthalt in Haftanstalten abseits von reiner Besuchstätigkeit nicht sonderlich prickelnd, kommen dabei aber wegen ihrer allgemeinen Versorgungslage kaum je auf andere Gedanken, sofern sie nicht wie derzeit unser Bundespräsident rund die Hälfte ihrer Jahresbezüge für Anwaltshonorare aufbringen müssen.

Die Relativität von Freiheit wird uns eher bewusst, wenn wir uns im Deutschen Bundestag nach dem Absingen der dritten Strophe des Deutschlandliedes daranmachen, uns wechselseitig das Wort entweder im Munde herumzudrehen oder abzuschneiden. Die so entstehenden Abschnitte deutscher Parlamentspolitik haben schon so manchen Protokollführer nahezu um den Verstand gebracht, ehe der gerade noch rechtzeitig bemerkt hat, dass sich ja nicht der eigene, sondern manch fremder Verstand an der Garderobe hat abgeben lassen.

Unfreiheit gerade in räumlicher Hinsicht übt auf persönliche Radien einen meist sehr unangenehmen Einfluss aus. Insofern kann ich auch gut verstehen, dass mein italienischer Ex-Mitregent Silvio Berlusconi nach der völlig freiwilligen Abgabe seines hohen Staatsamtes alles in seiner Macht und der Macht seiner Medien Stehende daran gesetzt hat, eine solche Situation zumindest für sich persönlich zu vermeiden. Die Freiheitswahl Jürgen Möllemanns hingegen halte ich für ganz im Gegensatz zu den von seinem Schwager erfundenen Chips für den Einkaufswagen keine sonderlich pfiffige Idee.

Zwar kann ich im Ernstfall nicht auf irgendwelche Medienmacht zurückgreifen, fühle mich darin aber meinem Kollegen Nicolas Sarkozy in besonderer Weise über die ohnehin weitreichende deutsch-französische Freundschaft hinaus verbunden und drücke ihm alle Daumen, dass er die Hollandisierung unseres doch eigentlich recht selbstbewussten Nachbarstaates vermeiden helfen kann. Insofern nehme ich mir die Freiheit, über sein Auftreten als Doppelkopf-Partner geflissentlich hinwegzusehen.

Sehr angenehm finde ich, dass das eingangs erwähnte Lied nicht nur eine Schlagzeile zugetextet bekommen hat. „Es bleibet dabei“ - dies ist für Regierende wie mich ein Zuspruch, dem ich mich immer wieder gern stelle. Und daran soll sich auch nichts ändern.

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Dear Mister Hefner,
before You are surprised to get a letter from the cancellor of the Federal Republic of Germany, I'll at once explain You my problem:
We have a Mister Wulff, who has - not total free willing - decided to pull down his job. With this decision he wants to safe, that his trouble with the Staatsanwaltschaft of Hannover leaves far away from the impression of our state in itself and in the whole world.
Normally he would get nearly 200000 Euro per year not only for his beeing in the job, but even for the leaving it. But in the special situation even I would lose the respect of all germans, if I would declare, that this ,,Ehrensold" could further be payed for him.
He must wait nearly eight years on his lifelong money as former Ministerpräsident of Niedersachsen. Till this time he has to pay for his little house and for some advocats and for some friends to hold their mouth and for his double family.
Therefor I must try to help him to overbridge this difficult situation. But it gives an outway: He has a very pretty wife, that is not only the president of our mother health work, but could even interest many men. She has par example a very nice tatoo. Its position may be a little bit too high for Your opinion. Otherwise is it possible, that it is not the only one. (Our secret service is not good enough to have found it out till now.)
I think, that the readers of Your Playboy would be very interested to get safety in this relation. Your interest in this project would You cost only 1.6 Million Euro. With this money You could loose out an explosion of Playboy selling and help to put the Federal Republic of Germany back into a safe mobil water.
I would be happy of Your agreement and wait on Your answer.
Your
Angela Merkel 


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Die Behauptung, meine sehr verehrten Damen und Herren, am Karnevalssonntag hätten die Gauckler die Macht übernommen und mich geradezu mitgerissen, ist, wie so vieles in der Politik, einfach lachhaft.

Meine Nähe zum künftigen Bundespräsidenten habe ich schon im vergangenen Jahrtausend überall dort betont, wo es allein auf nette Worte angekommen ist. Jetzt war halt die nächste Stufe der Rakete zu zünden, ohne dass meine Zündschnur zu lang gewesen wäre. Und auch mein heutiges Wert-Wissen in Sachen Joachim Gauck hat sich gegenüber meiner damaligen Wert-Schätzung kaum steigern lassen.

Die Behauptung ausgerechnet von Frau Nahles, sie könne gut mit zwei Protestanten aus dem Osten an der Spitze unseres Staates leben, weil gelebter Protestantismus allemal besser sei als toter Katholizismus, muss ich nicht nur mit Rücksicht auf den Konfessionsstand meiner Partei mit erheblicher Entschiedenheit zurückweisen. Luther hat in Bezug auf das Maul des Volkes von schauen gesprochen - nicht von hauen. Und der Heilige Vater hat dem auch anlässlich seines jüngsten Besuches in der Luther-Hochburg Erfurt nicht entschieden widersprochen. Also habe auch ich geschaut, statt meine Dominanzkeule an weniger wichtiger Stelle zu verschleißen. Und auch die Katholiken in der CDU sind mir einmal mehr brav gefolgt.

Dabei fallen mir zudem zwei aus den USA überlieferte Weisheiten ein: Wenn du dich einer Bewegung nicht zu widersetzen vermagst, setze dich an ihre Spitze. Und einen Gegner, den du nicht besiegen kanst, solltest du kraftvoll umarmen. Meine Arme der Versöhnung und Konsensfähigkeit sind nicht durch Kindererziehungszeiten geschwächt und haben mir deshalb vollumfänglich zur Verfügung gestanden.

Wenn selbst Herr Rösler auf Klientelpolitik zu verzichten trachtet, kann ich doch nicht lange töpfern oder herumhubern, sondern muss meine Partei für den linken liberalen Konservativismus offen halten. Ich gebe zu, dass die Mitteilung der Staatsanwaltschaft, der Name Göring gelte für sie gerade in Deutschland nicht als Vorteilsname, mir eine gewisse strafrechtliche Erleichterung verschafft hat. Andererseits sollte man das derzeitige Totalversagen von Männern in der Frage politischer Macht nicht auch noch personell plakatieren.

Das erste Zwei-Generationen-Paar im Schloss Bellevue - baldige Heirat ist nicht ausgeschlossen - repräsentiert den staatlichen Auftrag, nicht nur für eine Generation da zu sein. Überdies trägt es der Alterspyramide in unserer Gesellschaft Rechnung und lässt die ,Rente mit 67' nicht als letztes Wort in dieser Sachfrage erscheinen.

Weiterhin hat mich mein Cheftexter zu Recht darauf hingewiesen, dass unser Abkürzungsverzeichnis künftig im Zusammenhang mit dem Bundespresseamt (BPA) eine Verwechslungsgefahr weniger aufweise, sobald aus dem Bundespräsidialamt (BuPräsA) die Neue Gauck-Behörde (NGB) geworden sei, die sich zudem gut zwischen BGB und StGB einzuordnen vermöge.

Sind wir Politikerinnen und Politiker nicht irgendwie allesamt Gaukler, wenn es darum geht, die Lebenswirklichkeit wahrzunehmen, zu beschreiben und zu begleiten? Und wenn sich darin das christliche C zusätzlich unterbringen lässt, mag die Schreibweise zwar veraltet wirken, die Denkrichtung hingegen bleibt mir sehr angenehm.

Auch Ihnen allen wünsche ich diesen Zugang zu schlafwandlerischer Kontinuität. Bleibt mir zudem zu wünschen, dass Herr Gauck zumindest binnen der nächsten drei Jahre nicht den Wulff macht und auch sich gesundheitlich in einer Verfassung zeigt, die weder dem Grundgesetz widerspricht, noch dem Bestreben von Bahnen und Airlines folgt, Bundesversammlungen in ihren Regelplanungen zu berücksichtigen.

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Eigentlich, meine sehr verehrten Damen und Herren, wollte ich heute Morgen das meinem Patenkind schon für gestern versprochene Frühstück nachholen, da hat mir mein Cheftexter ein Besprechungs-Exemplar des rein zufällig gerade erschienenen Büchleins von Joachim Gauck mit dem Titel: ,,Freiheit Ein Plädoyer“ vorgelegt. Aufgrund des neuen Arbeitsplatzes des Verfassers habe ich mich veranlasst gesehen, alles stehen und liegen zu lassen, Monsieur Sarkozy auf morgen zu vertrösten und die Leitung der Kabinettsrunde meinem loyalen Vizekanzler Philipp Rösler zu übertragen, um die Freiheit zu finden, eine möglichst berechtigte Kritik zu verfassen und den Lektürevorsprung meines Patenkindes möglichst rasch aufzuholen.

Schon von außen ist - leider in Grün - aufgedruckt, es sei umweltverträglich. Zumindest ist es leicht, handlich und mit gerade einmal 62 locker bedruckten Seiten eher ein Gedankenblitz als ein politisches Handbuch. Den typischen Predigtstil kenne ich von meinem Vater her.

Meine Erwartung, Herr Gauck plädiere für die weitere Freiheit von Herrn Wulff, hat sich nicht bestätigt, obwohl ich gut verstanden hätte, dass jemand nicht gern zugeben mag, dass sein Amtsvorgänger inhaftiert worden ist.

Meinem Patenkind kommen in dem Büchlein zuwenig Indianer vor, diesem Urteil des derzeit schier unersättlichen Karl-May-Fans mag ich mich nun doch nicht gern anschließen, zumal mir die Anschluss-Suche - die FDP hat es mir just wieder vor Augen geführt - ohnehin nicht liegt.

Ganz vorn setzt der Auto Freiheit gegen Besitzstandswahrung und meint damit hoffentlich nicht den Ehrensold für einen Ex-Bundespräsidenten. Warum er Heine mit dem Satz zitiert, der Deutsche liebe die Freiheit wie seine Großmutter, erschließt sich mir nicht auf Anhieb. Immerhin steht da nicht ,,Stiefmutter“ - das tröstet mich sehr.

Herr Gauck schildert sodann, dass er aus der ehemaligen DDR stammt - für mich kein Wissenszuwachs. Hingegen hätte ich das von ihm eingebrachte Wort ,,Insasse“ als Abgrenzung zum ,,Bürger“ beinahe als auf Herrn Wulff bezogen ausgelegt. Dass auch Herr Gauck, wie ich jüngst an dieser Stelle, ,,Die Gedanken sind frei“ zitiert, werte ich gern als freundliche Anerkennung meines Regierungsauftrages.

Dann reißt mich, immerhin schon auf Seite 23, das in deutlich dickerer Schrift niedergelegte Wort ,,Verantwortung“ aus vorgefühlten Sympathierwerten. Doch schon bald beruhigt mich Joachim Gaucks Einwand, Macht habe durchaus nicht immer einen schlechten Beigeschmack, doch wieder sehr.

Es gehe um die Bereitschaft, Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung und Mitgestaltung - bravo! Von der Bereitschaft, die Kanzlerin in deren Gestaltungsmöglichkeiten nach Kräften zu unterstützen, wird wahrscheinlich erst in einer Neuauflage textlich die Rede sein. Da Herr Gauck das Buch natürlich schon vor den Ereignissen dieses Wochenendes verfasst hat, ist dieser Nachholbedarf leicht entschuldbar. Aber nein - da kommt ja der von mir erwartete Satz: ,,Mit einem Mal bin ich mir selbst nicht mehr der Wichtigste, sondern will alles tun für den geliebten Menschen, für diese Frau“. Bald werde ich wissen, ob er damit nicht nur mich gemeint hat, sondern auch danach handelt.

,,Wir sind geboren zur Lebensform der Bezogenheit“ - diesen Einwand hätte der Autor meines Erachtens ruhig weglassen können. Natürlich habe ich nichts dagegen, dass er als Bundespräsident während seines Dienstes und hernach sein Geld, seine Sekretärin, sein Büro und seinen Dienstwagen bekommt.

,,In Bezogenheit zu stehen, sagt allerdings noch gar nichts darüber aus, ob unser privates oder politisches Handeln einer guten oder bösen Sache dient“ - na, an diesem Satz werden die Gabriels dieser Welt hoffentlich kraftvoll zu schlucken haben.

Oh - Toleranz will er auch. Nun gut, diesen Wunsch will ich mal zumindest kurzfristig tolerieren.

,,Wir haben genug Beispiele, dass wir nicht jenen fürchten müssen, der in sich ruht“ - aha, Helmut Kohl hat er nicht gekannt . . .

,,Entscheidend ist die Teilhabe an der Macht oder die Unterwerfung unter die Macht, die uns zu Bürgern oder Nichtbürgern macht“ - dem ist nichts hinzuzufügen. Ich werde Herrn Gauck genügend Gelegenheit geben, als Bundespräsident aus dem Bodensatz bürgerlichen Handelns in mir positiv erscheinender Weise aufzusteigen.

Noch nicht bestätigt ist, dass jeweils fünf Euro vom Buchpreis direkt an die Bettina-Wulff-Stiftung für mitdiffamierte Angehörige von Politikern gehe. Allerdings lässt die Tatsache, dass das Buch auch in allen Filialen der Drogeriemarktkette Rossmann erhältlich sein soll, auf entsprechenden Wahrheitsgehalt schließen. 

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In unserem Bewusstsein und Werteverständnis, meine sehr verehrten Damen und Herren, nimmt der Seltenheitswert eine besondere Stellung ein. Dabei denke ich nicht zuvorderst an die Einschätzung einiger Harz IV-Empfänger, nur selten etwas wert zu sein, sondern an eine deutlich größere gesellschaftliche Entwicklung.

Von vielen unter uns, so auch von mir selbst, wird gute Politik als Seltenheitswert wahrgenommen. Dafür gibt es natürlich Ursachen. So ist Konrad Adenauer der erste und auch letzte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewesen - Moment: dieser Satz geht noch weiter! -, der mit absoluter Mehrheit hat regieren und die Grundsteine unseres von vielen heute noch spürbaren Wohlstands hat legen können. Koalitionen, und mögen sie noch so groß sein, haben da nur wenig Chancen, weil häufig genug gegenläufige Ansichten zu Kompromissen herabgebürstet werden müssen und dabei zwei Halbwahrheiten nicht zwingend auf eine Ganzwahrheit hinauslaufen.

Deshalb wird gute Politik heutzutage wesentlich vom Bundesverfassungsgericht mitdiktiert, bei dem leider festgestellt werden muss, dass die Verfassung, über die es wacht, weitaus besser ist als die, in der es sich selbst befindet. Manchmal wäre eine Politik auf kurzen Entscheidungswegen wichtig. Die wird unter anderem dadurch verhindert, dass eine eigentlich falsche Zusammensetzung des Deutschen Bundestages aufgrund von Überhangmandaten erst Jahre später festgestellt wird und nicht durch ein einfaches ,Basta’ des Regierungschefs von falschem Seltenheitswert befreit werden kann.

Die Väter von unser aller Grundgesetz sind davon ausgegangen, dass eine Bundesversammlung alle fünf Jahre tagt und dabei insgesamt zehnjährige Amtszeiten von Bundespräsidenten herausspringen. Auch das entsprechende Finanzierungs-Prinzip - zehn Jahre amtieren, lebenslang kassieren - ist auf eine Erwartung abgestellt worden, die es heutzutage wohl nicht mehr gibt. Walter Scheel hat immerhin den Gelben Wagen noch fünf Jahre lang vor dem Bundespräsidialamt geparkt, und Horst Köhler ist erst nach seiner Wiederwahl vorzeitig weggehottet. Christian Wulff hingegen erhebt nunmehr gewissermaßen abseits der Rennbahn Anspruch auf den Preis des Zweijährigen. Wenn wir da keine Bremse finden, wird uns die Reaktion der Öffentlichkeit schon bald an den Hitchcock-Film ,Die Vögel“ erinnern.

Mancher vermeintliche Seltenheitswert ist an den Börsen dieser Welt zum Massenproblem geworden, und auch das nervende Gerede vom Seltenheitswert angemessener Bezahlung weiter Teile der Arbeitnehmerschaft wird immer öfter hörbar. Darauf sollte sich unser Wertebewusstsein möglichst rasch einstellen, das heißt meiner Sichtweise anpassen.

Ich stelle nicht selten fest, dass mir die Herzen der Menschen zufliegen, während Siegmar Gabriel zeitgleich mehr und mehr die Gestalt einer Vogelscheuche annimmt. An letzterer Entwicklung hat, das möchte ich seit dem Jauch-Abend des 12. Februar 2012 ausdrücklich betonen, Frau Nahles keinerlei Mitschuld. Ich habe nie verstanden, warum mein einst geschätzter Kabinettskollege Franz Müntefering sie seinerzeit so bekämpft hat, bis ich auf verletzte männliche Eitelkeit gestoßen bin, die alles Andere als einen Seltenheitswert besitzt: Herr Müntefering ist offensichtlich mit einem Heiratsantrag gescheitert, hat sich dann anderweitig orientieren müssen und Liebe in Hass umschlagen lassen. Immerhin hat dabei eine Erkenntnis ihren Seltenheitswert verloren: Wer einer Frau das Wasser nicht reichen kann, dem nutzt auch kein Wasserhövel.

Manch ein Seltenheitswert ist nur peinlich - der jüngste dresscode-Verstoß von Hillary Clinton beispielsweise. Da bin ich zugegebenermaßen weitaus besser dran, weil bei ähnlichen Anlässen ich selbst der dresscode bin.

Lassen Sie uns gemeinsam intensiv am dresscode des Generationen übergreifenden Fortschritts arbeiten, um der Bundesanstalt für Arbeit nicht auch noch dieses Defizit übertragen zu müssen. Und wenn Sie dann zu dem Schluss kommen sollten, dass diese Bundeskanzlerin Seltenheitswert hat, dann will ich dem gern zustimmen.

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Die freie Marktwirtschaft, meine sehr verehrten Damen und Herren, hat den Wettbewerb mit der Planwirtschaft überall dort gewonnen, wo es diesen Wettbewerb gegeben hat. Lediglich in einigen Ländern außerhalb der Europäischen Union ist die Planwirtschaft noch von Staats wegen anzutreffen - zum Schaden der Menschen dort, wie ich ausdrücklich betonen möchte.
Aber auch die Marktwirtschaft selbst steht im Zeichen des Wettbewerbs. Angebot und Nachfrage führen gemeinsam zur Preisbildung. Wenn wir mal von den Mineralöl-Konzernen absehen, von den Banken, den Ratingagenturen, den Gebührenordnungen der öffentlichen Hand, dem Steuer- und Abgabensystem, der Energiewirtschaft und der Abfallwirtschaft, so ist die Marktwirtschaft bei uns eigentlich ungefährdet. Sie gilt sogar in unseren Freudenhäusern, aber das wird Sie alle weniger interessieren.

Gekauft wird, was besser ist oder billiger oder leichter erhältlich oder länger haltbar oder müheloser zu bedienen. Anderes, Ähnliches wird zum Ladenhüter. Qualitätsbewusstsein von Anbietern ist da ebenso wichtig wie Servicestärke und praktische Ideen. Wer da nicht mithalten kann, wird allenfalls noch mit Niedrigpreisen erfolgreich sein können.

Wenn ich Bäckermeister bin und täglich 1000 Brötchen zu 30 Cent pro Stück mit 20 Cent Gewinn verkaufe, könnte ich mir überlegen, ob ich nicht besser 10000 Brötchen zu je 20 Cent mit 10 Cent Gewinn verkaufe, weil dann nicht nur 200 Euro bei mir hängenbleiben, sondern 1000 Euro. Verkaufe ich hingegen die 1000 Brötchen mit nur zehn Cent Gewinn, so hätte ich für 10000 Brötchen zwar deutlich mehr Arbeit, aber keinerlei Gegenleistung.

Es kann zudem sein, dass die Kundschaft bei mir kein einziges Brötchen zusätzlich kauft, wenn es dann 20 statt 30 Cent pro Stück kostet. In diesem Falle wäre ich sogar dumm, würde ich den Preis senken. Anders könnte die Sache aussehen, wenn es mir gelänge, die drei anderen Bäcker in meiner Stadt mit niedrigeren Preisen in die Pleite zu treiben. Dann würde deren bisherige Kundschaft verstärkt zu mir kommen.

Sowas nennt man Verdrängungswettbewerb, und den gibt es natürlich auch in der Politik - mit einem gefährlichen Unterschied. Das Verschwinden von FDP-Brötchen würde nicht automatisch erwarten lassen, dass die Menschen verstärkt CDU-Brötchen wünschen. Es könnte durchaus sein, dass ihr Brötchenwunsch gänzlich ausstirbt. Und wenn dann andere mitbekommen, dass diese Menschen ohne Brötchen zumindest ebenso gut, wenn nicht gar besser leben als zuvor mit Brötchen, verzichten möglicherweise auch bisherige Käufer von CDU-Brötchen auf solche Art der Nachfrage.
Dann läuft der Hinweis, grüne Brötchen seien weniger schmackhaft, SPD-Brötchen konrinthenhaltig und Linken-Brötchen nicht einmal halb so groß, total ins Leere. Zwar sinkt kurzfristig der Mehlpreis, aber nur so lange, bis die Produktion von Mehl entsprechend verringert worden ist.

Wer politisch nicht untergehen will, muss den Verdrängungswettbewerb deshalb anders anlegen und durchführen. Macht tritt an die Stelle anderer Wettbewerbsmerkmale; denn wer die Macht hat, liefert die Nachfrage mit dem Angebot im Komplettpaket. Rufe ich Hartz IV, so gibt es sofort genügend Hier-Schreier. Biete ich ein politisches Amt an, so ist dessen Dotierung und Ausstattung den Interessierten zunächst unwichtig, wissen sie doch, dass sie letztlich für wenig Arbeit lebenslange Absicherung erfahren. Die gilt nicht zwangsläufig auch für ihr Ansehen, aber das ist nicht vorrangig wichtig.

Solange nach einem politischen Amt Strebende darauf vertrauen, dass ich gute Gründe dafür habe, sie außen vor zu lassen, herrscht Wettbewerbsruhe. Allerdings ist eine solche Situation kaum je anzutreffen. Hingegen wird, wer sich hinter mir gut aufgestellt wähnt, sein Bestreben, vor mir zu landen, gegen null zu drosseln wissen. Blamiert er sich überdies an alter Stelle, so wird er nicht nur meine Position nicht mehr erreichen können, sondern auch seine bisherige verlieren. Anders als diejenigen, denen ein Putschversuch misslungen ist, und für die ich an den politischen Wegesrändern genügend Leichenwagen bereithalten muss, ist, wer sich selbst zum Abschuss freigegeben hat, auch für seine Entsorgung selbst zuständig.
Dieses sogenannte Wulff’sche Gesetz ist für die politischen Vorstandsvorsitzenden eine wichtige Hilfe, um die Lage in der Horizontalen zu halten. Hingegen ist die Tatsache, dass Aussagen vor Wahlen meist anders klingen als nach Wahlen, kein politisches Phänomen, sondern ein rein physikalisches namens Doppler-Effekt: Nicht die Geräusche ändern sich, sondern allein deren Wahrnehmung. Was zunächst nach Verheißung klingt, klingt dann nach Verarsche. An dieser Stelle ist es wichtig, sich darüber zu freuen, dass man den Unterschied nicht nur wahrnehmen, sondern auch zuordnen kann.

Auch hier wird in der Politik der Verdrängungswettbewerb spürbar. Es gilt, nicht nur andere von den selbstgenutzten Fleischtöpfen fernzuhalten, sondern so zu kochen, dass die Bevölkerung den besseren Duft zu schätzen weiß, ohne vom Menü selbst auch nur einen Happen abbekommen zu haben. Und ständig darauf hinzuweisen, dass, wer die Zügelung seines Appetits zu ertragen weiß, in puncto Kalorienverbrauch geradezu glänzend dasteht.

Es gilt, Appetit und Sympathie zu entkoppeln. Nur so kann sich Kanzlerinnenliebe im Verdrängungswettbewerb mit anderen Gefühlen durchsetzen. Ich freue mich auf Sie, wo auch immer Sie sich gerade aufhalten mögen. Zudem ist Ihre Stimme bei der nächsten Wahl keinem Doppler-Effekt unterworfen. Sie wird mich exakt so erreichen, wie Sie sie abgegeben haben. Ist das nicht ebenfalls ganz großartig?

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Ich weiß nicht, meine sehr verehrte Früh- und Nochnichtzuspät-Wählerschaft, ob Sie das Wort Tagesration noch unvorbereitet mit Sinn zu füllen vermögen. Dank meiner Hilfestellung bleibt Ihnen diese Mühe jedoch ohnehin erspart. Immerhin lohnt es sich, ein Verfahren, das bis heute ohne Regulierungsbehörde auskommt, wieder näher kennenzulernen und ins eigene Leben einzugliedern.

Zu Zeiten kriegsbedingten umfassenden Elends war die Tagesration gleichsam Bestandteil kollektiven Überlebenstrainings. Das wenige, das da war, hat einen mehr oder weniger bestimmten Zeitraum lang reichen müssen, um Hunger zu stillen und Appetit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es hat Mangelerscheinungen geben, zu denen haben auch die Politiker gezählt. Fettsucht und Diabetes sind so gut wie gar nicht vorgekommen; die Suche nach Essbarem hat für reichlich Aufenthalt an der frischen Luft gesorgt, Zigaretten aus US-Beständen sind sowohl zoll-, als auch steuerfrei gewesen.

Dem gegenüber hat dann ein Leben im Überfluss zu den einschlägig bekannten gesundheitlichen Problemen geführt. Die ins Volle hinein Lebenden haben den Ausbau von Entzugskliniken vorantreiben lassen, während die Gesundheitsbewussten durch ihr hohes Lebensalter unser Sozialversicherungswesen sozusagen von der anderen Seite her ruiniert haben.

Es ist überdies eine Wegwerfgesellschaft entstanden, die zwar das Wort Recycling eingedeutscht hat, jedoch allmählich nicht nur für Atommüll die Suche nach Endlagern erforderlich macht. Auch diese Entwicklung nötigt der Politik Entscheidungen von größerer Tragweite ab.

Auch der Informationsfluss hat kaum noch zu bewältigende Mengenprobleme hervorgerufen. Da erfahren Menschen nahezu gleichzeitig, dass die Rente um zwölf Euro im Monat steigt, der Benzinpreis aber um 24 Euro pro Tankfüllung. Dass Politiker in Nordrhein-Westfalen 500 Euro pro Monat mehr bekommen, um endlich das Gefühl zu haben, selbst für ihre Altersversorgung zu sorgen und ohne Zusatzkosten die künftig mautpflichtigen vierspurigen Bundesstraßen auch weiterhin benutzen zu können. Dass auch der Null-Prozent-Kredit fürs Auto und die neue Küche Rückzahlungspflichten auslöst. Dass nach der Schnupperphase in Fitnessstudios und Freudenhäusern längerfristige Besuchskosten entstehen. Dass die Bank den Kredit gekündigt hat, weil sie selbst nicht mehr kreditwürdig ist; dass das jüngste Kreuzfahrtschiff-Unglück zwar auch Opfer unter uns Deutschen gefordert, die eigene Erbtante aber überlebt hat und Mitglieder des Bundespräsidialamtes gar nicht erst an Bord gewesen sind. Dass Thomas Gottschalk nach seinem Senderwechsel auf ein Miniformat gestutzt wird uns dafür aber künftig noch mehr Markus Lanz droht - zumindest vorläufig.

So lässt sich nach meinen Feststellungen Volkszufriedenheit weder erreichen, noch sichern. Deshalb habe ich an die Medien die Bitte gerichtet, Informationen betreffend auf angemessene Tagesrationen umzustellen. Dies reduziert mit den Seitenzahlen auch den Papierverbrauch, mit dem verringerten Raum für Leserbriefe auch die Wucht an Kritik, mit kürzeren Sendezeiten den Schlafmangel des Fachpersonals, mit geringeren Ansprüchen an das Denkvermögen sowohl Magenbeschwerden, als auch die Angst vor Demenz.

Immer wenig, aber nie nichts - so ließe sich mein neuer Politikstil benennen, der gleichfalls auf Verarbeitungsqualität, statt auf Übersättigung setzt. Haben Sie schon mal hunderttausend Euro in der Spielbank verzockt? Oder gar Millionen bei Derivatgeschäften bei Lemann nach der Beratung durch deutsche Bänker? Sehen Sie - Ihr Kontostand hat Sie vor solch schädlichen Nebenwirkungen bewahrt. Den Rest an Bewahrung dürfen Sie auch weiterhin von mir erwarten - Stückchen für Stückchen beziehungsweise Schlückchen für Schlückchen.

Nicht immer werden Sie dabei die Inhaltsstoffe sofort herausschmecken. Aber zeitgleich können Sie ganz sicher sein: Wir Politiker haben Ihnen da nichts weggegessen oder gar weggetrunken. Da achten wir parteiübergreifend auf die exklusive Stellung aller Menschen unter uns.

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Nicht immer, meine entspannte oder auch angestrengte Zuhörerschaft, sind lange Ausführungen das politisch Angesagte. Na klar - unsere Gesetzestexte müssen so verfasst sein, dass nicht nur alles drinsteht, sondern auch alles daraus zu machen ist. Bei der Begnung mit Bürgerinnen und Bürgern hingegen kann es sein, dass man gar nicht erst zu Wort kommt, geschweige denn zu längeren Sätzen. Solche Situationen nennen wir Politikerinnen und Politiker Einsatzzeiten. Da muss dann ein einziger Satz dafür sorgen, dass wir Aufmerksamkeit finden, statt sofort das Zeitliche segnen zu müssen.
,,Keine Experimente“ hat sich einst Konrad Adenauer gewünscht. Dieser Wunsch ist ihm damals erfüllt worden - wohl auch, weil sein Satz: ,,Was geht mich mein Geschwätz von vorgestern an?“ nicht so rasch zu verstehen gewesen ist. Der Satz: ,,Besser das Original als die Kopie“ von Kurt-Georg Kiesinger hätte vielleicht seinerzeit zum gewünschten Erfolg geführt, wenn nicht Kopierer-Industrie und FDP für Willy Brand zusammengeschmissen hätten. ,,Mir kauft man den Schneid nicht ab!“ hat Guido Westerwelle ausgerufen und dann wenige Wochen später für seinen Schneid nicht einmal mehr Altglaspfand erhalten. Kaum hatte John F. Kennedy ausgerufen: ,,Ich bin ein Berliner“, da hat jemand in Dallas den Begriff ,,Berliner mit Schuss“ total missverstanden.
Solche Sätze müssen nicht stets einen Inhalt haben - da reicht meist ein Reizwort für den richtigen Dreh. Allerdings sollten sie auch keinen falschen Inhalt fördern. Als die CDU in Nordrhein-Westfalen im Wahlkampf plakatiert hat: ,,Wir haben die Kraft“, ist offenbar niemandem rechtzeitig genug aufgefallen, dass Hannelore Kraft für die andere Seite des Tresens kandidiert hat. Dann haben aus unserer Sicht zuviele Kraft gewählt und zuwenige CDU. Mit solchen Missverständnissen befinden wir uns jedoch durchaus in schlechtester Gesellschaft. Als nämlich seinerzeit Michail Gorbatschow ganz in der Nähe von hier gesagt hat: ,,Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, hat man Erich Honecker deutlich angesehen, dass er die Pointe nicht verstanden hat. Nun, immerhin ist ihm ein Staatsempfang durch Herrn Gauck oder mich erspart geblieben. Ich meine Herrn Honecker.
,,Wir machen Politik für die Menschen“ hat die CSU propagiert. Dann haben die Tierfreunde rebelliert und die leidenschaftlichen CSU-Anhänger aus ihren Gräbern heraus keine Rückendeckung mehr geben können. Wessen Klientel lieber bayrisch spricht als deutsch, der hätte für Urviecher besser den Platz freigehalten.
Auch einzelne Wörter können in die falsche Richtung führen. Aus dem Munde der Partnerin von Dieter Hallervorden hat das Wort ,,Hotel“ noch zum Lachen angeregt, aus dem von Guido Westerwelle hingegen gar nicht mehr. Noch schneller ist just das Wort ,,Ehrensold“ total entwertet worden. Manche sagen, Zukunft beginne in der Gegenwart. Zumindest einer weiß jetzt, dass sie bereits in der Vergangenheit enden kann.
Wen der Satz: ,,Ich bin Ihre Kanzlerin“ bereits erschreckt, der mag erst recht nicht als Fortsetzung hören: ,,und möchte es auch bleiben“. Deshalb stelle ich nicht mich und mein outfit in den Vordergrund, sondern meine Politik, von der alle wissen sollten, dass, wer sie nicht besser macht, sie besser nicht machen dürfte.
Mitunter kommt es auch auf die Zeichensetzung an. ,,Alles Gute! CDU“ klingt wie ein frommer Wunsch, ,,Alles Gute: CDU.“ hingegen wie ein Test-Urteil von Computer-Bild oder Stiftung Warentest. Und wenn dann auch noch die mehrmonatige Gewährleistungspflicht entfällt, ist der Doppelpunkt eigentlich schon unbezahlbar geworden.
Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie unsere Einsatzzeiten gut überstehen. Mir selbst wünsche ich nichts Anderes, bin Ihnen also auch darin total nahe und wirklich froh darüber. 


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Frau Bundeskanzlerin - danke für ihre abermalige Bereitschaft, dem Fuchstreff-Forum Rede und Antwort zu stehen. Jetzt soll Herr Wulff doch rund 200000 Euro pro Jahr fürs Nichtstun bekommen. Wie kann dies denn nach Ihren einschlägig gegenteiligen Bekundungen sein?
Abgesehen davon, dass Herr Wulff besser schon vor geraumer Zeit etwas nicht getan hätte, kann ich Ihnen versichern, dass ich mit dieser Entscheidung des Bundespräsidialamtes auch nicht das Geringste zu tun habe.

Aber das glauben Ihnen doch nicht einmal Menschen, die Ihnen noch immer einigermaßen wohlgesonnen sind.
Für mich gibt es da nicht das geringste Glaubwürdigkeitsproblem. Sehen Sie die große Schüssel auf dem Tisch? Darin wasche ich mindestens einmal pro Stunde meine Hände in Unschuld. Zudem ist darin nicht irgendein Wasser, sondern eines, das mir Monsieur Sarkozy täglich frisch aus Lourdes schickt.

Ganz Deutschland ist empört, und das sind doch wohl Ihre Wähler. Wie wollen Sie da unbeschadet davonkommen?
Abgesehen davon, dass es bis 2013 noch etwas hin ist: Wenn einer in dieser Sache Probleme bekommt, dann ist es Herr Gabriel. Der hat - ganz im Gegensatz zu mir - den Rücktritt des Herrn Wulff gefordert. Und diese Forderung hat den ganzen Schlamassel ausgelöst, in dem nicht ich stecke, sondern das Bundespräsidialamt. Mein gesamter Mitarbeiterstab wird nicht nur Ihnen dieses beständig versichern, sondern bereitet gerade aus dem Informations-Etat der Bundesregierung eine flächendeckende Anzeigenkampagne vor, die die Zusammenhänge plakativ dementiert.

Unseren Erfahrungen nach ist das mit den Dementis so eine Sache.
Das will ich ja gar nicht bestreiten. Nachdem wir in großer Geschlossenheit der deutschen Demokraten Partei für eine höchst ehrenwerte Nachfolgeregelung im Bundespräsidialamt getroffen haben, gilt es nun aufzuzeigen, dass weder Kanzleramt, noch Bundesregierung, noch Christdemokraten im Deutschen Bundestag auch nur die geringste Altlast mit uns herumtragen.

Aber, um mal in Ihrem Bild zu bleiben: Der sogenannte Ehrensold muss doch wohl eher als Neulast bezeichnet werden.
Keineswegs. Herr Scheel beispielsweise ist schon seit Jahrzehnten untätig. Außerdem gilt ja: Sobald wer stirbt, ist es aus mit dem entsprechenden Geldfluss.

Sie rechnen also nicht mit einem natürlichen Tod des Herrn Wulff?
Ich rechne mit Herrn Wulff überhaupt nicht mehr - ob tot oder lebendig, ist dabei wirklich nur noch rein finanziell von Bedeutung. Außerdem muss man ja wohl bei allem Unwillen zugestehen, dass dieses Geld nicht irgendeinem über seine Verhältnisse lebenden Griechen zufallen würde, sondern einem durch und durch Deutschen.

Glauben Sie, dass mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft eingegangene Strafanzeigen abermals zu Anträgen auf Aufhebung der Immunität führen könnten?
Abgesehen davon, dass ich das nicht glaube, weil Berlin nicht Hannover ist und wir die Staatsanwaltschaften über die Justizministerien eigentlich stets gut im Griff haben: Dagegen bin ich nun wirklich total immun.

Sie denken also, da würden eher andere über die Klinge springen als Sie?
Ich sehe da überhaupt niemanden über eine Klinge springen - da muss ich nicht einmal meine Richtlinienkompetenz in Anspruch nehmen.

Aber Frau Nahles würde Ihnen doch ganz gewiss entsprechende Ruhestandsbezüge noch weitaus intensiver gönnen als Herrn Wulff dessen.
Die Frage stellt sich für Frau Nahles wohl eher nicht.

Woher wollen Sie das wissen?
Nun - seitdem sie bei Herrn Jauch glaubhaft versichert hat, mit mir gut leben zu können, wird sie sich doch wohl kaum meine ihr gerade erst zugewachsenen Sympathien verscherzen wollen. Da muss ich gar nicht erst austesten, ob Franz Müntefering in der SPD noch etwas zu sagen hat oder nicht.

Sie wirken derzeit ein wenig dünnhäutig.
Das täuscht. Ich lege lediglich momentan weniger Rouge auf, weil meine Gesichtsfarbe mir rot genug erscheint.

Wird Herr Gauck den Staatssekretär übernehmen, der sich gerade so cheffreundlich verhalten hat?
Das müssen Sie Herrn Gauck fragen. Allerdings rechne ich nicht damit, dass Herr Gauck just jene Prinzipien über Bord wirft, denen er sich seit Jahrzehnten verpflichtet fühlt. Vor allem rechne ich nicht damit, dass Herr Gauck je solche wie Sie es nennen Cheffreundlichkeit wird in Anspruch nehmen müssen.

Herrn Wulff soll auch ein Büro mit Sekretärin zustehen.
Allerdings steht nirgendwo etwas von einem Büroschlüssel. Somit ist mir die letzte Hoffnung in dieser Sache noch nicht genommen worden.

Frau Bundeskanzlerin - wir danken Ihnen für Ihre offenen Worte und wünschen Ihnen wie Herrn Wulff alles Gute.
Danke - ich mir auch. 

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Gesellschaftsfähigkeit, meine sehr verehrten Mitglieder des bundesdeutschen Wahlvolkes, ist gerade auf dem politischen Parkett ein wichtiger Bestandteil von Geschäftsfähigkeit und Chancen auf folgenlosen Handlungsverzicht. Wer wie ich weiß, dass kaum irgendwo ringsum das Angewiesensein auf Diäten so vielseitig, nahrhaft und luxuriös sein kann wie hier bei uns in der Welt der großen Politik etwas kleinerer Leute, achtet nicht nur in puncto Kleidung auf entsprechende Wiedererkennungswerte.

Der sogenannte Dank des Vaterlandes, den ich und meinesgleichen so überaus gern entgegennehmen, ist doch nicht der Dank irgendeines Dahergelaufenen und schon gar nicht der Nachweis öffentlicher Inkontinenz, sondern die uns in Ihrem Auftrag auf eigene Rechnung Herrschenden in Verbindung mit überbordenden Sympathiewellen erreichende Nachricht vom Wahlsieg. Und sei er auch noch so klein.

Dort, wo es von Lobbyisten, Parteibuch-Karrieristen und anderen Schleimern nur so wimmelt, ist es mir stets eine besondere Freude, alternativ von Ihnen umgeben zu sein, die Sie wissen, dass ich außer Ihrer Stimme bei den nächsten Bundestagswahlen nichts von Ihnen will, das Ihnen in irgendeiner Weise schaden könnte. Zudem tut mir die Gewissheit überaus gut, in Ihrer Gesellschaft nicht mit unlauteren Erwartungen in Berührung zu kommen, sondern eher unerwartet mit Ihnen verkehren zu können. Gerade die nicht nur rein körperliche, sondern auch gedankliche Seltenheit einer solchen Gesellschaft befähigt mich und andere, Sie und andere durch unsere Handlungsweisen immer wieder neu in Erstaunen zu versetzen.

Jüngst haben wir alle zur Kenntnis nehmen müssen, dass sogar das Bundespräsidialamt vor Zersetzungs-Erscheinungen durch falsche Gesellschaft bis hin zur Unfähigkeit bedroht ist. Solche Bedrohung nehme ich nicht nur deshalb besonders ernst, weil der Weg vom Bundespräsidialamt zum Bundeskanzleramt so weit nun auch wieder nicht ist.

Andererseits stellt sich mir vor allem noch hintergründig die Frage, wer denn gesellschaftsfähiger ist. Ein Bundespräsident, der in einem nicht sofort von ihm bezahlten Hotelzimmer ein fremdes Handy benutzt und andernorts eine Vier-Millionen-Euro-Akte nicht ganz zu Ende gelesen hat? Oder ein angehendes Model, das vor dem Auftritt im Fernsehen nebentätig in einem Strip-Lokal hüllenlos Sex von der Stange geboten hat?

Ich kenne Ihre Abtwort und bin darüber höchst erschrocken. Deswegen werden Sie von mir allerdings noch lange keinen Strip erleben - nicht einmal einen Gedanken-Strip. Dass darüber immerhin noch manche von Ihnen ebenfalls froh sind, vermag mir ein wenig von jenem Rückhalt zu geben, der einer Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland schon lange nicht mehr zum Frühstück gereicht wird, wobei auch die Zeitungslektüre nicht mehr sonderlich oft mit entspannendem Genuss verbunden ist.

Leider ist bei vielen auch der Schrecken längst gesellschaftsfähig geworden, während ein immer mehr schwindender Teil der Bevölkerung völlig unbelastet an seinen Kontenstand im Ausland denkt und die Sondereinsatzkommandos der Polizei sich mehr und mehr auch gegen Rechtsextremismus in Szene setzen darf. Gliedertaxe und Lebenswert-Börse sind nur vorübergehend von Finanztransaktionen größeren Ausmaßes in den Hintergrund gedrängt worden; bei unseren Unfall- und Lebensversicherungen stehen sie noch immer fast so hoch im Kurs wie Ihre entsprechenden Beitragszahlungen.

Die Gesellschaftsfähigkeit, Politikerinnen und Politiker in derart schlechtem Licht zu sehen, lässt mich die Verdunkelungsgefahren ringsum noch ernster nehmen als meinen Ehemann, der sich gegen schlechtes Licht stets mit rein physikalischen Mitteln zu wappnen vermag.

Ich möchte diese Ihre Gesellschaft gern dazu fähig machen, tief in mein durch und durch reines Gewissen zu blicken und diesen Blick dann meinem politischen Handeln so weit wie irgend möglich anzunähern. Dies bleibt mein frommster Wunsch, an dem nicht einmal die Realität des Alltags etwas zu ändern vermag. 

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
danke dafür, dass Sie uns auch nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen als kompetente Interviewpartnerin zur Verfügung stehen.

Wer mich für kompetent hält, wird mich stets gesprächsbereit vorfinden.

Ihr Umweltminister hat sich gestern eine krachende Niederlage eingehandelt.

Die Lage und insofern auch die Niederlage ist durchaus komplexer. Angesichts der politischen Großwetterlage war der Spitzname ,,Kraftfutter“ für Herrn Röttgen hier in Berlin rasch verbreitet. Auch zu seiner Definition, NRW sei die Abkürzung für Norbert Röttgen wählen - hat es schnell ,,Norbert Röttgen watschen“ als gedachte Alternative gegeben. Dass Hannelore Kraft mit den Mitteln einer Frau antreten würde, habe ich ihm oft gesagt. Allein er hat das entsprechende Gegenmittel nicht gefunden.

Was nennen Sie ,,Mittel einer Frau“?

Aufrichtigkeit, Menschennähe, Mütterlichkeit, Verlässlichkeit, Bereitschaft zum Zuhören und zu Kompromissen, Achtung politischer Gegner, Beherrschung widerstrebender Parteifreunde. Das funktioniert sogar mit einem so umständlich wirkenden Familiennamen wie Kramp-Karrenbauer.

Wird Herr Röttgen ihr Stellvertreter als Vorsitzender der Bundes-CDU bleiben?

Das kann ich mir vorstellen - allerdings kommt es nicht in einem meiner Wunschträume vor. Überdies sind die Stellvertreterposten in der Bundes-CDU seit Konrad Adenauers Zeiten eher eine Art schmückendes Beiwerk und juristischen Belangen geschuldet, ohne die Realpolitik wirklich zu tangieren.

Und sein Schicksal als Ihr Bundesumweltminister?

Zum einen ist er nicht mein Bundesumweltminister, sondern unser aller Bundesumweltminister, zum anderen befindet sich wohl kein geladener Revolver in seiner Schreibtischschublade. Zum dritten ruht zumindest derzeit kein Plagiatsvorwurf auf ihm. Nicht einmal meine Wahlerfolge hat er abgekupfert. Also wird er auch nicht in die USA auswandern müssen.

Er hat aber erklärt, die NRW-Wahl sei auch eine Abstimmung über Ihre Europapolitik.

Nun, zum einen stand die nicht zur Abstimmung, zum zweiten ist die eher etwas für Gespräche zwischen Herrn Schäuble, Herrn Seehofer, Herrn Rösler und mir, zum dritten gilt die grundgesetzlich garantierte freie Meinungsäußerung selbstverständlich auch für Herrn Röttgen. Zumindest weiß der jetzt, dass der Chefposten im Umweltressort nicht einmal für eine Oppositionsführung ein Freibrief ist, geschweige denn für ein Ministerpräsidentenamt oder gar eine Kanzlerschaft.

Hat denn nur er alles falsch gemacht?

Sehen Sie - nur ganz selten ist jemand bereit, Fehlentwicklungen gänzlich auf die eigene Kappe zu nehmen. Herr Röttgen hat dies getan und uns damit viele Wortwahlkompromisse erspart. Dabei sollte es auch bleiben.

Finden Sie nicht, dass er etwas auslöffeln muss, das nicht nur er sich eingebrockt hat?

Er hat gewusst, wo Nordrhein-Westfalen liegt. Er hat für seine Vorstellungen innerparteilich die erforderlichen Mehrheiten gefunden. Er hat den Namen Christian Lindner schon des öfteren zuvor vernommen. Das sind keine schlechten Voraussetzungen gewesen.

Nicht einmal 27 Prozent der Stimmen - und das bei einer gigantischen Anzahl von Nichtwählern - können ja wohl auch Sie keineswegs zufriedenstellen.

27 Prozent Alkolgehalt in Rum sind relativ wenig, 27 Prozent in Kondenswasser hingegen relativ viel. Das ist natürlich nicht nur Herrn Röttgen aufgefallen.

Hat das nicht auch für die anstehenden Bundestagswahlen eine gewisse Bedeutung?

Sehen Sie - die nächsten Bundestagswahlen sind noch geraume Zeit hin, und Frau Kraft ist mit ihrer Aussage, in NRW bleiben zu wollen, nicht nur bei Herrn Gabriel und Frau Nahles gut angekommen. Die Empfehlung durch meinen Amtsvorgänger mit dem Familiennamen unserer Familienministerin hat auch den von mir durchaus geschätzten Peer Steinbrück massiv beschädigt. Alles zu seiner Zeit - das hat sich für mich just erst in Frankreich gezeigt. Kaum hat mich Monsieur Sarkozy in Sachen Stabilitätspakt herausgefordert, da ist er auch schon weg - nicht nur als möglicher Tischnachbar beim Doppelkopfspiel.

Sie machen sich also keine allzu großen Sorgen in Sachen Fortsetzung Ihrer Kanzlerschaft?

Die Fortsetzung meiner Kanzlerschaft mag anderen Sorgen bereiten - mir nicht. Insofern beklage ich auch keineswegs die Feststellung anderer, dass es in der CDU zu mir keine Alternative gibt.

Für Schwarz-Gelb dürfte es aber kaum reichen.

Das ist noch am Samstag auch die Meinung des FC Bayern München gewesen, die in meiner persönlichen Gegenwart in Berlin mit 2:5 grandios untergegangen ist.

Immerhin ist die Frauenmannschaft der Bayern Deutscher Fußballmeister geworden.

In Köln - nicht in Berlin.

Halten Sie eigentlich Männer in der Politik für eher hinderlich?

Zumindest für nicht mehr allzu zeitgemäß. In dieser Hinsicht sind nicht nur Hannelore Kraft und ich einer Meinung, sondern auch unsere Ehemänner.

Die Leserschaft des Fuchstreff wünscht Ihnen alles Gute.

Danke - ich mir auch. 

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Die Energiewende, meine mehr oder weniger energische Zuhörer- und Leserschaft, ist für mich und uns nicht nur eine Zukunfts-, sondern bereits eine Gegenwartsaufgabe, wobei man stets beachten muss, in wessen Gegenwart sie ablaufen kann und wird. Wie so oft bei politischen Fragen gibt es parteiübergreifend unter anderen in den Ministerien Fachleute, die bestens wissen, was Sache ist, und von einem Bundesminister lediglich erwarten, dass er dieser Sache dient, statt ihr im Wege zu stehen. Auch ich selbst erwarte kaum mehr von ihm.
Das heißt: Da gibt es noch die Kanzlerinnenloyalität, die ich nicht an mir zugespielten Blumensträußen festmache, sondern vor allem an vorauseilendem Gehorsam, nacheilender Einsicht und beständiger auch persönlicher Opferbereitschaft. Insofern richten sich meine Versagensängste nie gegen mich selbst, sondern stets gegen andere.

In dieser Woche habe ich deshalb eine persönliche Energiewende vollzogen und die von mir noch am Montag bestätigte politische Wertschätzung Norbert Röttgens einen erkenntnisreichen Tag später doch dessen menschlicher Wertschätzung ins Nichts folgen lassen. Das ist die Art von Nachhaltigkeit, die ich praktiziere, und die so manch einer in meiner einst näheren Umgebung wohl nie wird begreifen können.

Dabei soll mich auch weiterhin der Blick nach vorn kenn- und auszeichnen, während ich das Wegräumen von Leichen am Straßenrand auch weiterhin gern anderen überlasse. Dass der Name Altmeier nicht schon an und für sich für Erneuerbares steht, hat mir natürlich niemand erst sagen müssen. Umso wichtiger ist in dieser Hinsicht eine Wurzelbehandlung der Ausgangssituationen.

Der Altmeier hat die bäuerlichen Milchkannen noch vom Straßenrand einsammeln lassen und dabei riskieren müssen, dass deren Inhalt schon vor seiner Verarbeitung sauer geworden ist. Das war zwar ein Qualitäts- und Ertragshemmnis, aber im Gegensatz zu heute hat es Ärger wegen des Milchpreises nicht gegeben. Jüngst in NRW hingegen hat sich Säure bereits weithin breit gemacht, noch ehe es zur Erstverarbeitung des Wählervotums gekommen ist. Und diese Säure hat politisch gewaltigsten Schaden angerichtet.

Nicht wir haben die Kraft aufgebracht, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es ist die SPD gewesen - eine Partei also, die sich noch vor wenigen Wochen in Baden-Württemberg als der Juniorpartner hat positionieren müssen, als der sie auch mir durchaus gut in den Sinn kommt. Abermals stehe ich nunmehr vor der für mich wichtigen Aufgabe, die Dinge geraderücken zu müssen, ehe sie in Berlin abseits des Schöneberger Rathauses und des Willy-Brandt-Flughafens Schaden anrichten. Entsprechende Zeit nutze ich gern von Anfang an, um das Ende im Griff zu behalten.

Die deutsche Sprache hat ganz offensichtlich nicht nur für Ausländer so ihre Tücken. Das habe ich schon vor Jahren festgestellt, als ich auf einer Speisenkarte das Wort ,,Speinat“ gelesen und auf einen entsprechenden Hinweis hin von der Bedienung erfahren habe, ihre Chefin habe persönlich angeordnet, ,,Spinat mit Ei“ zu schreiben. Schon damals habe ich mir geschworen: ,,Solche Art der Bedienung wirst du dir als Chefin niemals leisten wollen!“

Erst, als ich nicht nur gehört, sondern auch gelesen hatte, dass Norbert Röttgen die CDU nicht vor irgendwelche Energiewände zu fahren trachtet und auf meine Politik nicht, wie es unsere Soldaten in Afghanistan brauchen, mit UN-Verständnis, sondern mit Unverständnis reagiert, ist mir klar geworden: ,,Da sitzt der Falsche auf dem Pferd“. Noch nie zuvor hatte ich bei einem Mann auf dessen blonde Haare geachtet - dieser Fehler wird mir ganz sicher nie wieder unterlaufen.

Selbst Wolfgang Bosbach, der als bekennender Karnevalist bei den meisten deutschen Fernsehanstalten längst in sein eigenes Mikrophon spricht, hat begriffen: Gerade für einen Bundesumwelt- und Energieminister ist ein Wirkungsgrad von minus acht Prozent erkennbar kein auch nur vorübergehend akzeptabler Wert.

In Nordrhein-Westfalen hat sich viel Energie gegen uns gewendet - auch das mag ich nicht personell untermauert wissen. Das Wegmobben von Leuten, die dem eigenen Machtverständnis im Wege stehen, funktioniert in Konzernen wie auch im politischen Raum nur ganz oben an der Spitze. Auch an dieser Erkenntnis hat es Norbert Röttgen ganz offensichtlich gemangelt.

Wenden wir uns gemeinsam mit aller Energie den Dingen zu, die uns weniger betroffen machen, als tatsächlich betreffen. So wie ich mir nicht der jüngsten Wahlen in Frankreich wegen eine sauce hollandaise über meinen Politikstil gießen lassen werde, sind wir alle dazu aufgerufen, Deutschland mit altmeierischen Tugenden zu beglücken. Woraus diese Tugenden bestehen, wird sich wohl schon bald auch Ihnen zeigen. Darauf sollten wir uns dann gemeinsam freuen.

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Kommunikation, meine verehrte Zuhörerschaft und Nichtzuhörerschaft, ist schon von ihrem Platz im Wörterbuch her einer höchst problematischen Nachbarschaft sicher, hat sie sich doch ständig gegen Kommunion und Kommunismus, also gegen Vergebung und Verblendung, zu behaupten.
Außerhalb von Politik und Wirtschaft erfolgt Kommunikation in aller Regel öffentlich, darinnen hingegen aus guten Gründen eher nicht. Denn nicht alle Wirtschaftslenker gelangen wie die Chefs der Mineralölkonzerne auch ohne direkte Absprache am Bundeskartellamt vorbei zu für sie vorteilhafter Preisgestaltung. Und auch außerhalb der Ukraine lassen sich Absprachen zwischen Regierung und Justiz nur dann offiziell leugnen, wenn der entsprechende Meinungsaustausch nicht belegbar ist, sondern nur beweismittelfrei vermutet werden kann.
Unser rollendes Kabinettsmitglied Wolfgang Schäuble hat in meinen Augen durch seine Bemerkung, es sei nicht gut, wenn Verfassungsorgane öffentlich miteinander kommunizierten, völlig zu Unrecht öffentlichen Neuzorn auf sich gezogen und somit keinesfalls eine weitere Behinderungsart kommuniziert. Er hat lediglich auf das verwiesen, das beispielsweise auch in Libyen, Ägypten und Syrien schlagkräftige Nichtöffentlichkeit offenbart, während in Griechenland eine öffentliche Forderung einer Regierungsbeteiligung der Linken wohl ohne Erfolg bleiben wird.
Und tatsächlich ist der hier in leider öffentlicher Rede stehende Vorgang bislang in diesem unserem Lande ohne Beispiel. Das in regierungspolitischen Kreisen Deutschlands auch als Bundesvermasselungsgericht bekannte Bundesverfassungsgericht hat, nachdem dessen Präsident eine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten abgelehnt hatte, nunmehr den jetzigen Amtsinhaber öffentlich gebeten, ein Gesetz vorerst nicht zu unterschreiben, auf dass ein Antrag der hiesigen Linken auf eine vorläufige Gerichtsentscheidung gegen die Bundesregierung dort in aller Ruhe beraten werden könne. Es geht um den Euro-Rettungsschirm, dessen schon vom legendären Knirps aus dem Hause Bremshey her bekannte Öffnungsautomatik nicht überall Wohlgefallen ausgelöst hat.
Natürlich darf auch, wer sonst unsere Verfassung eher bekämpft als verteidigt, sich mal auf sie berufen, zumal unser Rechtsstaat auch für die Linke da ist. Aber ich sehe schon die Notwendigkeit, gewissen Anfängen zu wehren. Das geht öffentlich meist erst am Ende eines langen Weges durch die Instanzen, nichtöffentlich hingegen deutlich effizienter und preiswerter durch klare Worte im Vertrauen.
Ganz abgesehen davon, dass auch Rechtsprechung nicht von der Haupttätigkeit gut besoldeter Sesselfurzer lebt, führt nicht nur der unnötige Verzicht auf ein sachgerechtes Entscheidungstempo, sondern auch die Übermittlungsart ebensolcher Wünsche zu gravierenden obrigkeitlichen Auslastungsdifferenzen. Unser Bundesnachrichtendienst hat sich schon aufs Teppichtransportgewerbe verlegt, weil seine Mitarbeiter mangels geheimen Meinungsaustauschs an bewährter Überwachungstätigkeit gehindert werden. Der Regierungssprecher hingegen wird derzeit Dinge gefragt, die abseits des Bundeskanzleramtes zu entscheiden sind und sich somit einer hiesigen Antwort entziehen.
Natürlich ist auch mir bekannt, dass Herr Gauck nie Bundesverfassungsgerichtspräsident, ja noch nicht einmal Jurist gewesen und somit an einem rein menschlichen Umgang mit zwei politisch Verantwortlichen wie Herrn Schäuble und mir keineswegs gehindert ist, also nicht zum Bremshey mutieren muss.
Einerseits steht es außer Zweifel, dass auch Herr Gauck und ich ab und zu miteinander telefonieren, sodass er nicht auf seinen Vertreter bei Kabinettssitzungen angewiesen ist, um zu erfahren, was das Bundeskabinett an ihm vorbei so zu denken pflegt. Andererseits beabsichtigen wir beide nicht, das, was wir über einander sowie über die Dinge dieser vornehmlich politischen Welt denken, über Zirkel, in denen solches verletzungsfrei verkraftet werden kann, hinaus zu verbreiten.
Sollten die Herren Richter aus Karlsruhe wieder einmal außergerichtlichen Hilfebedarf ausmachen, so mag ich sie unter anderem auf die mail-Adressen joachim@unser-aller-staatsoberhaupt.de sowie angie@bundeskanzlerin.de verweisen. Ansonsten bleibt auch mein Erteilen an sie gerichteter Verweise ein nichtöffentlicher Teil meiner Kommunikation. 

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, herzlich willkommen im Forum des Fuchstreff. Wir freuen uns sehr, dass Sie erneut unserer Leserschaft zu Antworten zur Verfügung stehen. Werden Sie am Sonntag die Deutsche Mannschaft in Kiew persönlich unterstützen?

Falls die Deutsche Mannschaft am Sonntag das EURO-Endspiel bestreitet, werde ich sie selbstverständlich persönlich unterstützen. Es steht nur noch nicht fest, von wo aus ich dies tun werde.

Ihr eigenes EURO-Endspiel ist wohl nicht minder schwer.

Da wird es kein Endspiel geben, und auch aufs Elfmeterschießen werden alle verzichten können. Vielmehr geht es weiterhin vor allem darum, die Abseitsregel für Griechenland aufzuheben, ohne dass Deutschland und andere starke Exportnationen daran gehindert werden, weiterhin zu punkten.

120 Milliarden Euro sollen in ein Wachstumspaket gesteckt werden. Wer wird das bezahlen müssen?

Eigentlich niemand. Denn hier wird sich das Wachstum selber finanzieren. Wir haben nur für Anschub und Freilauf zu sorgen.

Ganz ohne Stürmer-Foul?

Selbstverständlich! Wachstum ist ja nicht nur der Erfahrung nach, die wir selbst von Geburt an gemacht haben und machen, ein höchst natürlicher Vorgang - es bedarf zwar gewisser Ernährungsgrundsätze, aber die mit am Tisch sitzenden Eltern müssen ja deshalb nicht hungern. Übrigens: Ihre Lachsplatte schmeckt ganz vorzüglich.

Kommen denn die Impulse eher aus dem Mittelfeld oder direkt von den Verteidigern?

Das Mittelfeld macht uns tatsächlich die geringsten Sorgen. Dort darf und kann man sich um sich selbst kümmern und entsprechende Verantwortung allein schultern. Es gilt nach wie vor, vor allem den Sturm auf fremdes Geld abzuwehren, weil gerade für Siegverwöhnte Verluste keine akzeptable Wirklichkeit darstellen.

Nun haben Sie ja erklärt, Eurobonds werde es nicht geben, solange Sie leben. Hängen Sie sich nicht zu weit aus dem Fenster?

Da bin ich unpräzise zitiert worden. Ich habe lediglich gesagt, dass i c h keine Eurobonds finanzieren werde - weder als Bundeskanzlerin, noch Jahrzehnte später als Bundeskanzlerin im Ruhestand, noch als Vorsitzende oder Jahrzehnte später Ex-Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, noch als endfinanzierte Regierungschefin und Abgeordnete beziehungsweise als Privat- oder Kassenpatientin. Was Monsieur Hollande mit seinem und der Seinen Geld macht, bleibt natürlich ihm überlassen.

Spielt Monsieur Hollande ebenfalls Doppelkopf?

Ich halte ihn zwar für weitaus doppelköpfiger als Monsieur Sarkozy, aber er hat bislang noch nicht versucht, die Alte mit Blauer oder gar Dulle zu traktieren. Andererseits weist er auch nicht dieses hämische Grinsen auf, mit dem sein Amtsvorgänger alles andere als präsidial Schwarz-Absagen getätigt hat. Auch diese Zeiten scheinen nunmehr vorbei zu sein.

Wohin geht es in Urlaub?

Politik i s t für mich Urlaub. Insoweit befinde ich mich ständig im Urlaub, wozu das ständige Reisen ganz hervorragend passt.

Wie ist Ihr aktuelles Verhältnis zu Herrn Niebel?

Der hat sich nicht nur ebenso erfolgreich wie straffrei um Nachverzollung gekümmert, sondern auch den Teppichhandel als Nebenerwerbsquelle ordnungsgemäß angemeldet. Ich habe ihm die Nebentätigkeit genehmigen müssen, da sie für Nicht-Hoteliers bereits im Koalitionsvertrag mit FDP und CSU enthalten ist - wie übrigens auch die Kostenübernahme für den Fall eventueller weiterer Vaterschaftsklagen gegen Horst Seehofer. Auch deshalb hat mein Verhältnis zu beiden als ausgezeichnet zu gelten.

Die Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens wird sich weiter verzögern - ärgert Sie das?

Nur insoweit, als der Flughafenchef Schwarz heißt. Dies stellt CDU und CSU unter falschen Generalverdacht.

Ihr Tipp fürs Endspiel am Sonntag?

Den werde ich verantwortungsvoll erst am Montag abgeben.

Die Leserschaft des Fuchstreff-Forums wünscht Ihnen nur das Beste.

Danke - ich mir auch.

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Sehr verehrte Frau Dr. Merkel,
danke, dass Sie wieder einmal einiges von Ihrer kostbaren Zeit für die Leserschaft unseres Fuchstreff-Forums abgezweigt haben.
Ich hoffe nach wie vor, dass sich das lohnt.
Davon dürfen Sie ausgehen - sogar ganz ohne Personenschützer.
Wie meinen Sie das?
Nun, die Diskussion um das neue Meldegesetz ist ja wohl nicht so ganz ohne.
Das neue Meldegesetz ist vom Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit gegen
die Stimmen einiger Dauernörgler und Oberbedenkenträger verabschiedet worden.
Und soll jetzt vom Bundesrat gekippt werden, wie man so hört.
Dazu sehe ich keinen Anlass.
Aber wohl vor allem Rot-Grün.
Nun, es soll schon häufiger vorgekomnmen sein, dass deren Abgeordnete zuerst zustimmen und erst hernach lesen, was sie da mitbeschlossen haben. Aber in diesem Falle ist von dort ein Lesebedürfnis noch nicht verkündet worden.
Und in Ihren eigenen Reihen?
Das neue Gesetz schadet keinem Karnevalisten - andernfalls hätte Wolfgang Bosbach längst bei Volker Kauder oder gar mir auf der Matte gestanden. Und auch das Schicksal der Dresdner Frauenkirche bleibt davon unberührt, wie mir der ausgebliebene Anruf meiner ehemaligen Staatsministerin Hildegard Müller zu bezeugen scheint.
Kritiker des Gesetzes nennen es einen Ausverkauf personenbezogener Daten an die Werbewirtschaft.
Ich nenne es einen Vorsprung für das Wohlergehen unserer Bürgerinnen und Bürger.
Wie das?
Haben Sie je versucht, dem Metzgermeister Ihres Vertrauens zu erklären, gegen welche Zutaten eines Ihrer Familienmitglieder allergisch ist? Nein?
Sehen Sie: Künftig weiß das jeder, durch dessen Laden- oder Restauranttür Sie gerade gegangen sind. Kein Unbefugter hört das mit. Und selbst bei Ihren Bestellungen im Internet werden solche
gesundheitsrelevanten Dinge ganz ohne Ihr nochmaliges Zutun mitportiert.
Offenbar einschließlich meines Schuldenstandes.
Einschließlich Ihres aktuellen Schuldenstandes - nicht einer längst unaktuellen Schufa-Auskunft.
Damit stehe ich doch gleichsam am Pranger.
Ohne Schulden keineswegs - es sei denn, Sie wären Grieche, Ire, Portugiese, Spanier oder Italiener.
Nur gut, dass nicht auch noch meine sexuellen Vorlieben . . .
Nicht, wenn Sie auf das Setzen des entsprechenden Häkchens verzichtet haben.
Das beruhigt mich nun aber total!
Das Schlagen von Politikern oder deren Bewerfen mit faulen Eiern bleibt ohnehin unter Strafe gestellt.
Dies mögen nun einige Bürgerinnen und Bürger besonders bedauern.
Zumindest nicht die Teilnehmerschaft an Yougov-Umfragen, deren erste Frage stets lautet: Sind Sie mit den Leistungen der Bundesregierung zufrieden? Wer sich da zu einem feurigen ,,Ja" durchgerungen hat, ist nicht nur sein eigener Tagesretter.
Die grauenhafte Vorstellung von totaler Überwachung durch den Staat und
totalem Ausgeliefertsein an irgendwelche Heuschrecken wird doch irgendwie ständig verlängert.
Das sehe ich anders. Sie stehen sich derzeit an der Ladenkasse die Beine in den Bauch, weil die Kassiererin noch Regale nachfüllt oder sich vertippt hat und jetzt auf den Storno-Schlüssel wartet. Dann endlich wird ihr der Storno-Schlüssel gereicht, was völlig sinnlos ist, weil der, dem der Stornoschlüssel gehört, sich eh nicht darum kümmert, was storniert werden soll. Bund, Länder und Gemeinden hingegen holen sich ihr Geld, ohne dass die Kundschaft an irgendeiner Kasse warten
muss. Und genau dieser Fortschritt wird mit dem neuen Meldeverfahren auch auf die Wirtschaft übertragen. Letztlich weiß die vorab, was sie
für Sie in die Regale stellen sollte. Weniger Wartezeit bedeutet mehr Zeit für den Konsum - das hilft uns allen.
Und auch der Inhalt meines Portemonnaies ist der Wirtschaft nunmehr vorab bekannt.
Ohne ihre individuelle Auskunft wird in Erfahrung gebracht, ob Sie sich das Hotelzimmer oder Menü überhaupt leisten können. Dies nützt auch der
öffentlichen Hand, da der die sieben Prozent Mehrwertsteuer zustehen, die Sie im Bett erzeugen - am Restauranttisch sind es sogar 19 Prozent. Da werden Ärger vermieden und die Justiz geschont, die mit dem Prüfen unserer Gesetzgebung ohnehin kaum noch nachkommt. Und am Geldautomaten werden zumindest Inländer automatisch vorab identifiziert, sodass denen ein Missbrauch Ihrer Scheck- oder Kreditkarte gar nichts nutzt - es sei
denn, sie würden sich gleich anschließend nach außerhalb des EU-Raums absetzen.
Aber gerade Prominente wie Sie wünschen sich doch, mit ihrem Tun und Lassen möglichst oft inkognito zu bleiben.
Ich muss Sie wohl nicht daran erinnern, dass genau dieser Wunsch unseren jüngsten Altbundespräsidenten in Teufels Küche gebracht hat. Wer die Erfüllung solcher Wünsche vorab ausschließen kann, erspart sich Nachwahlen und lästige Ehrensold-Debatten, die ja nicht Politiker bezahlen müssen, sondern das ganze Volk. Außerdem ist man durch die Existenz des Internets ja nicht einmal mehr mit einer Doktorarbeit allein.
Andererseits ist Ihre Doktorarbeit nirgendwo zu finden - wie das?
Ich habe schlichtweg auf dem Meldeschein die Rubrik ,,Akademische Grade" leer gelassen. Das hätte Anette Schavan auch besser getan.
Uns ist aufgefallen, dass es in Sassnitz auf Rügen, also in Ihrem Bundestagswahlkreis, zwar eine Merkel-Straße gibt, diese aber von recht
gammelig aussehenden Gebäuden umsäumt wird. War da wer etwas voreilig?
Solange es dort keine besser bebaute Gabriel-Straße gibt, stört mich dies nicht wirklich, zumal die neue Rügen-Brücke im Volksmund Merkel-Brücke heißt.
Anders als Ihre Vorgänger ist für Sie derzeit kein Kanzler-Bonus auszumachen. Wie erklären Sie sich das?
Den entsaprechenden Bonus-Gutrschein werde ich erst dann einlösen, wenn es auf den Bonus ankommt: zur Bundestagswahl 2013.
Frau Bundeskanzlerin, wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.
Danke, ich mir auch - einschließlich meiner Gegenwart und meiner Vergangenheit.

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Frau Bundeskanzlerin, abermals herzlich willkommen im Fuchstreff-Forum.
Auch ich heiße Sie hier herzlich willkommen.
Uns? Ach so, ja. Heute hat das Bundesverfassungsgericht die von den Regierungsfraktionen im Alleingang beschlossenen Wahlgesetz-Änderungen als verfassungswidrig gekippt. Beunruhigt Sie das?
Mich? In keiner Weise. Anders als in Staaten auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent ist keine Wahl an sich für rechtswidrig erklärt oder gar verboten worden. Auch zur Frage der Richtlinienkompetenz der Bundeskanzlerin hat sich das Gericht nicht einmal im Ansatz geäußert. Es bleibt insofern sogar bei ein und demselben Artikel: DIE Bundeskanzlerin und DIE Richtlinienkompetenz.
Immerhin hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass es künftig höchstens 15 Überhangmandate geben darf und nicht wie derzeit 24 - allesamt für die CDU. Dies wird doch wohl Folgen haben.
Sehen Sie: Überhangmandate sind von der CDU überhaupt nicht gewollt - ganz im Gegenteil. Würden noch mehr Menschen die CDU wählen - statt der farbigen Parteien -, so gäbe es mehr Zweitstimmen für uns, und das wäre eine wichtige Rückendeckung für unsere Direktkandidatinnen und Direktkandidaten.
Inwiefern?
Alle aus den Reihen der CDU sind entweder direkt gewählt worden oder sind gar nicht erst in den Deutschen Bundestag gelangt. Anders die aus den anderen Parteien. Die haben mitunter nicht einmal zehn Prozent der Stimmen bekommen und dürfen sich hier mitunter sogar in vorderen Reihen räkeln. Die Piraten werden, falls sie im nächsten Jahr dazukommen sollten, auch nur über die sogenannte Kanzlerstimme, also die Zweitstimme, hierhin gelangen und das sogar, obwohl sie gar nicht für die Kanzlerin stimmen werden. Hierin sehe ich den eigentlichen Änderungsbedarf.
Sie sind des Verhältniswahlrechts überdrüssig und wollen das reine Mehrheitswahlrecht eingeführt wissen?
Nur die Suche nach der Mehrheit führt zur Regierungsfähigkeit. Wem diese Suche nicht gelingt, der ist bei Gazprom gewiss besser aufgehoben als in der Bundespolitik.
Eigentlich müsste doch nur die Anzahl der Wahlkreise deutlich verringert werden, sodass rund zwei Drittel der Abgeordneten über die Reservelisten ins Parlament einziehen könnten. Damit wäre dann das Problem der Überhangmandate gelöst.
Nur wer die Wichtigkeit der Wahlkreisarbeit unserer Abgeordneten nichts hält, kann sowas ernsthaft in Erwägung ziehen.
Aber die Abgeordneten etwa der Grünen und der FDP müssen doch auch schon jetzt meist weit größere Gebiete als nur einen der jetzigen Wahlkreise abdecken.
Das müssen sie nur deshalb, weil deren Partei bei der Wählerschaft nicht soviel Unterstützung findet wie die Union. Wer sich weniger an der Mehrheitsfindung orientiert als an der Fünf-Prozent-Hürde, verschafft sich selbst, aber auch uns allen jene Probleme, mit denen sich das Bundesverfassungsgericht gerade wieder beschäftigt hat. In diese missliche Situation sollen CDU und CSU niemals geraten.
Die jetzigen Oppositionsparteien wollen bei der nunmehr erneut erforderlichen Wahlrechts-Änderung mitwirken - werden die Koalitionsparteien dies zulassen?
Zum einen werden wir alles zulassen, was dazu führt, dass die jetzigen Oppositionsparteien auch die zukünftigen Oppositionsparteien sein werden. Zudem wollen auch wir die Dinge so gestaltet wissen, dass es auch weiterhin zumindest prinzipiell eine Opposition geben kann.
Bei Kommunal- und Landtagswahlen gibt es gegebenenfalls sogenannte Ausgleichsmandate, sodass die Repräsentation der jeweiligen Zweitstimmen-Anteile gewahrt bleibt. Wäre dies nicht auch für den Deutschen Bundestag eine gute Lösung?
Länder und Kommunen blähen ihre Parlamente auf und erklären sich gleichzeitig für zahlungsunfähig. Mit einer solchen Situation wollen wir auf Bundesebene nichts zu tun haben.
Aber die Sache wäre doch wohl kaum teurer als der Ehrensold eines zusätzlichen zurückgetretenen Bundespräsidenten.
Schon die jetzigen 24 Überhang-Abgeordneten kosten deutlich mehr als ein Bundespräsident - gleichgültig, wie lange der im Amt gewesen ist. Zudem finde ich noch mehr gelangweilt dreinblickende Oppositionelle auch als Fernseh-Ereignis eher abschreckend.
Bis zum Herbst 2013 ist nicht mehr viel Zeit. Sind die vom Gericht geforderten Änderungen bis dahin überhaupt durchsetzbar?
Notfalls müsste die nächste Bundestagswahl verschoben werden, bis wir ein dem Bundesverfassungsgericht wie uns Politikern genehmes Verfahren gesetzlich verankert haben. Ich bin insofern zum Weiterregieren sowophl bereit als auch in der Lage. Der Kanzleramtsminister, der Regierungssprecher, der ghostwriter, Monsieur Sarkozy und viele andere werden mich auch dabei gegebenenfalls nach Kräften unterstützen.
Frau Bundeskanzlerin - Sie lassen uns nunmehr ein wenig ratlos zurück.
Dabei geht es Ihnen aber ganz sicher besser als der derzeitigen griechischen Regierung, die diese Probleme nicht hat.
Dennoch herzlichen Dank für Ihren Besuch und alles erdenklich Gute.
Erdenklich ist gerade für Juristen leider mehr als gut für uns ist.

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Heute, verehrte Modefreundinnen und Modefreunde, wende ich mich mit einem besonderen Angebot an Sie.
Ein Besucher meiner alljährlichen Sprechstunde in meinem Stralsunder Wahlkreisbüro hat die Ausgangs-Situation für meine entsprechenden Überlegungen wie ich finde gut auf den Punkt gebracht: ,,Meine Frau würde auch gern mal in etwas so Staatstragendes wie einen Ihrer Hosenanzüge schlüpfen, aber ehrlich gesagt fehlt uns aufgrund unseres Einkommensteuersatzes dazu das nötige Kleingeld.“
Dieses Problem hat nunmehr ein Ende gefunden; denn ab sofort betreibt einer meiner Mitarbeiterstäbe den Internet-Auftritt www.kanzlerinnenklamotten.de, über den einmal von mir Getragenes als second hand-Ware erneut ans Licht der Öffentlichkeit gelangen soll. Denn natürlich habe auch ich mich dem Diktat weiblicher Prominenz unterzuordnen, dass zu offiziellen Anlässen nicht zweimal dasselbe Kleidungsstück mit derselben Trägerin in das Blitzlichtgewitter der Medien gelangen darf. Mit einem Verstoß gegen solche Erwartungen bei wikipedia aufzutauchen, würde nicht nur für mich, sondern für das ganze deutsche Volk einen kritischen Umfragewert provozieren. Dies zu verhindern, bleibt deshalb eine meiner wichtigsten Aufgaben, denen ich mich mit ganzer Finanzkraft stelle.
Dass auch meine Kleiderschränke eine Höchtstaufnahmekapazität aufweisen, versteht sich wohl von selbst. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass sich jetzt auch das Museum für Deutsche Geschichte nicht mehr imstande sieht, sein Teilgebiet ,,Kanzlerinnenkleidung“ weiter auszubauen.
Zum dritten soll dem Eindruck entgegengetreten werden, ich trüge immer dasselbe, während meine politischen Grundansichten ständig wechselten. Das genaue Gegenteil ist der Fall, und mein second-hand-Schop soll auch dies verdeutlichen helfen. Schon abseits von Wahlkampfveranstaltungen, bei denen ich mir ja auch nicht einfach nur die Bundesflagge umhängen kann, fallen alljährlich zwischen 800 und 1200 Termine an, unvorhergesehene Neuwahlen von Bundespräsidenten noch gar nicht mitgerechnet.
Bei meiner Vorliebe für modischen Chic, dem Wegfall von Carla Bruni als Tauschpartnerin und meiner Abneigung gegen Bananenröckchen und Minikleider bedeutet diese Situation nicht nur eine ständige Herausforderung für die Modemacher, sondern hat auch Auswirkungen auf meinen persönlichen Kontostand, da ich anders als beispielsweise Frau Wulff auf Sponsoren nicht anspringen will.
Das Internetportal soll nur der erste Schritt sein. In Städten mit nennenswerter CDU-Wählerschaft wird es künftig reale shops mit dieser Kleidung geben, sobald meine Wiederwahl im kommenden Jahr nicht nur theoretisch sicher ist.
Ein diskreter Änderungsdienst wird auch in Sachen Kleidergröße und Oberweite die Anpassungsfähigkeit meiner modischen Ausrichtung verdeutlichen - und das zu Preisen, die unter dem EU-Rettungsschirm nicht einmal erkennbar sind, geschweige denn auffallen.
Gegen geringen Aufpreis gibt es ein Echtheits-Zertifikat einschließlich eines Fotos von meinem öffentlichen date mit diesem Kleidungsstück. Das Erblassen anderer vor Neid kann sich in Grenzen halten, da auch denen der Weg zu solcher Modepracht offen steht, sofern sie ihre Sympathie mit mir öffentlich erklären.
Jedoch soll es bei meiner räumlichen und finanziellen Entlastung nicht bleiben. Auch an meine terminliche Entlastung ist nunmehr gedacht. Vom ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Müller stammt die Erkenntnis, er habe unter anderem bei jeder Menge Industrie- und Handelskammern als offizieller Besucher wertvolle Zeit verschwendet, weil schon vorab offensichtlich gewesen sei, dass dort seine politische Überzeugung nicht die Bohne interessiere. Dieser Erkenntnis mag ich nunmehr in besonderer Weise folgen: Zu Terminen, bei denen ich politisch nichts bewirken kann, weil ich nur als optisches Aushängeschild gefragt bin, werde ich künftig verstärkt das ersatzweise Erscheinen meiner Kleidung in Verbindung mit deren neuer Trägerin anbieten wollen, die lediglich mein Schönheitsideal nicht unterschreiten darf, um dann in besonderer Weise deutsche Repräsentations-Leistungen zu erbringen. Fahrer und gastronomische Betreuung werden selbstverständlich sichergestellt.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein Modeerlebnis, von dem die Welt künftig nicht nur jeweils einmal sprechen wird. 

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War der Wechsel an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes, verehrte Schutzbefohlende dieser Bundesregierung, absehbar, nachdem sich herausgestellt hatte, dass da mehrfach der Kopierer mit dem Schredder verwechselt worden war, so ist der entsprechende Personalrückzieher von Bundesinnenminister Friedrich bei der Bundespolizei offensichtlich ein wenig erklärungsbedürftiger als vor allem von ihm sowie dem hochverehrten Herrn Ministerpräsidenden des Freistaates Bayern erwartet. Mitunter erfordert eine Neuorientierung halt nicht nur eine neue Führungsriege, sondern auch neue Erklärungsversuche. Mit letzteren möchte ich Sie alle gern auf diesem Wege vertraut machen.
Die Schlagzeile: ,,Bundespolizei vertreibt künftig Schutzlose“ in der größten Boulevardzeitung Europas außerhalb Großbritanniens mag ein wenig verwirrend klingen, trifft jedoch eigentlich exakt den Kern der Sache.
Für eine Neuaufstellung und Neuausrichtung der ehemaligen Bundes- und DDR-Grenzschützer hat die Vielzahl von Einsätzen auf unseren Flughäfen und Bahnhöfen in Sachen Ansehen bei der sowie Achtung durch die Bevölkerung weitaus weniger eingebracht als das durch karitativere Auftritte bekannt gewordene Bundespolizeiorchester. Dabei ist Wohlklang auch angesichts der länderseitig uneinheitlich wahrzunehmenden Wirkungen polizeilicher Arbeit nun wirklich keine vorrangige Aufgabe eines dem Bundesinnenministerium unterstellten Außendienstes. Um dies festzustellen, muss man weder nach Stuttgart, noch nach Gronau oder gar nach Gorleben blicken.
Zudem fehlt es dort zwar nicht an Rufen nach personeller Verstärkung, wohl aber an finanziellen Mitteln, um neue Planstellen nicht nur zu planen, sondern auch zu verwirklichen.
Andererseits ist das Schutzbedürfnis der Deutschen auch außerhalb Afghanistans in erheblichen Dimensionen angewachsen und wartet auf eine Antwort, mit der die bisherige Führungsspitze der Bundespolizei einfach
mangels zündender Idee gescheitert ist.
Wer hätte nicht mal Lust darauf, von wirklichen Polizeikräften persönlich geschützt statt nur ab
und zu gefilzt und von Gleisen getragen zu werden? Solches Schutzbedürfnis abseits einer schlecht einschätzbaren Horde sogenannter bodyguards mit und ohne zivile Vorstrafenregister hat mir nicht nur mit dem Blick auf Kiew und London in jüngerer Zeit zutiefst eingeleuchtet.
Ab sofort nun sind Sie alle in der Lage, sich ohne horrende Kosten bundespolizeilichen Schutz persönlich zu sichern, indem Sie den Vertrieb
von entsprechenden Schutzlosen durch die blauen Uniform- und Waffenträger nutzen. Jedes Schutzlos kostet nur fünf Euro und leistet
vielerlei. Zum Ersten verschafft es der Bundespolizei während des Losverkaufs Aufmerksamkeit und letztlich sogar Ansehen. Zum Zweiten hilft es, aus Arbeitslosen staatlich organisierte Bürgerschützer werden zu lassen. Zum Dritten werden aus den Reihen der Loskäuferinnen und Loskäufer Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresgewinner ermittelt, die entsprechend einen Tag, eine Woche, einen Monat oder gar ein ganzes Jahr lang für einen schussstarken Mann an ihrer Seite abseits von Kost und Logis keinerlei finanziellen Aufwand betreiben müssen.
Schon mit fünf Euro können Sie, verehrte Damen und Herren, mitten in der Bundespolizeiarbeit stecken und das nicht als Opfer, sondern als Auftraggeberin oder Auftraggeber. Und nur Sie entscheiden dann, wer außerdem in Ihre Nähe darf, und wer nicht.
Die neue Bundespolizeiführung wird sich persönlich darum kümmern, dass über den schon wohlorganisierten Vertrieb der Euro-Rettungsschirme hinaus ab sofort täglich mindestens 100000 der jederzeit im Umkreis von nur zehn Kilometern verfügbaren Schutzlose den Aktionserfolg sichern helfen.
Auch dann, wenn Sie auf einen Sie persönlich schützenden Bundespolizisten keinerlei Wert legen sollten, lohnt sich der Loskauf. Denn zum Vierten gibt es zusätzliche Nebengewinne - beispielsweise ein Abendessen für zwei Personen gemeinsam mit dem Bundesinnenminister in einem Nobelrestaurant Ihrer Wahl oder sogar ein Abendessen für zwei Personen ohne den Bundesinnenminister beim Caterer des Bundeskanzleramtes.
Mindestens zwei Gewinnerinnen oder Gewinner pro Jahr dürfen überdies nach völlig eigener Wahl einem Mitglied des Deutschen Bundestages einen lebenslangen Ehrensold sichern, ohne dass es deshalb zuvor als Bundespräsidentin oder Bundespräsident abdanken müsste.
Ich persönlich werde einen Teil meiner bei vielerlei Staatsereignissen höchst erfolgreich getragenen Modeschöpfungen für den guten Zweck zur Verfügung stellen und darüber hinaus auch entsprechende Entsorgungskosten übernehmen.
Sie sehen also: Es ist an weit mehr gedacht als an den erweiterten Bundespolizei-Etat. Denken auch Sie an weit mehr. Machen Sie mit, und verstehen Sie die Zeitungsschlagzeile auf den zweiten Blick besser als auf den ersten. So wie Sie gewiss auch mich auf den zweiten Blick besser verstehen werden.

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Die massenhafte Überhäufung des Weltmarktes mit Nachahmungen namhafter Wertprodukte, meine verehrte KäuferInnen- und NutzerInnen-Klientel, macht nunmehr auch vor Staatsfrauen und Staatsmännern nicht mehr halt. Deshalb sehe ich mich ausnahmsweise zu Klarstellungen in eigener Sache veranlasst.

Wie auch Sie wissen werden, habe ich zur Huldigung von Richard Wagners hochmusikalischem Schaffen in Bayreuth nicht nur meiner sonstigen Vorliebe für Hosenanzüge zu medial begleiteten Anlässen ein Intermezzo auferlegt, sondern auch meine wohldurchdachte Farbwahl eher ausnahmsweise in ein festliches Fränkisch-Blau einmünden lassen. Daraus resultierend, hat mein modisches Erscheinungsbild jüngst zusätzliche Beachtung in Deutschland und der Welt sowie den benachbarten Galaxien gefunden, weil ich trotz sonstiger Premierenstimmung einem bereits vor geraumer Zeit auf demselben Hügel getragenen, ebenso ein- wie ausdrucksvollen Kleid ein da capo gegönnt und mich darin - wiederum an der Seite meines Ehemannes - neuerlich überaus wohl gefühlt habe. Dieser Akt eines modischen Comeback hat mir weitaus mehr Wohlwollen als Widerwillen oder gar Neid eingetragen und mich darin bestätigt, auch weiterhin einen konservativen Umgang mit edler Abendgarderobe zu pflegen.

Umso nachdrücklicher habe ich an dieser Stelle der Behauptung des in puncto Angriff auf guten Geschmack als deutsch-niederländischen Grenzgänger zu gewisser medialer Bedeutung gelangten Herrn Hanspeter Kerkeling zu widersprechen, er habe das ,,blaue Kanzlerinnenkleid“ im für mich betriebenen Second-Hand-Shop für fünfzig Euro käuflich erworben, um es nunmehr selbst zu öffentlichen Anlässen zu tragen. Dieses Kleid stammt - ganz im Gegensatz zur jüngsten Behauptung des Herrn K. - auch nicht aus dem Fundus der Blue Man Group, sondern ist eine Einzelanfertigung mit gewissen Variationsmöglichkeiten.

Was Herr Kerkeling da insofern mit dem Hinweis auf meinen Modegeschmack trägt, ist somit geradezu zwangsläufig eine vollständige Fälschung ohne jeden Anteil an Originalität.

Ebenso ist der orangefarbene Blazer, den ich anlässlich des Fußball-Europameisterschafts-Spiels zwischen der niederländischen und der deutschen Nationalmannschaft getragen habe, KEINE Leihgabe meiner verehrten Mitregentin Königin Beatrix, sondern ein langjähriger Bestandteil meiner Wechselgarderobe für Termine ohne staatstragende Bedeutung. Auch dieses Kleidungsstück wird in keinem Second-Hand-Shop zum Weiterkauf angeboten. Ähnlich wirkende Kleidungsstücke sind folglich alles Andere als dieses auch weiterhin in meinem Privateigentum befindliche Original, nämlich mehr oder weniger wertlose Imitationen.

So sollten Sie im Interesse eigener Originalwahrnehmung auf das ganze Wesen Ihrer Bundeskanzlerin achten, die sich auch in puncto äußeres Erscheinungsbild von keiner angeblichen Doppelgängerin auch nur annähernd vervielfältigen lässt. Solche besondere Sorgfalt dient somit nicht nur Ihrem persönlichen Schutz vor Falschgeld.

Nur am Rande möchte ich erwähnen, dass mein Geschmeide weder aus der Kollektion der Oliver-Pocher-Gattin Sandy Meyer-Wölden, noch von einen Warschauer Flohmarkt stammt, dass die von mir verwendeten kosmetischen Produkte mit den Angeboten der Firmen Rossmann, Schlecker und Ihr Platz noch nie etwas gemein hatten, dass meine Schuhe allesamt aus deutscher Fertigung stammen, und dass ich in meiner Aversion gegen gefärbtes Haar meinem Vorgänger im Kanzleramt um keinen Deut nachstehe.

Für Ihre insofern noch originalere Aufmerksamkeit möchte ich mich schon vorab - selbstverständlich auch im Namen der Bundesrepublik Deutschland - herzlich bedanken.

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Verehrte Frau Bundeskanzlerin - herzlich willkommen im Fuchstreff-Forum, nachdem die Welt auch in den letzten Tagen erwartungsgemäß nicht stehen geblieben ist.
Ich finde nach wie vor, dass man das Treffen von Füchsen nicht allein Jägern überlassen sollte.

Nach dem Exkommandeur der Gorch Fock soll nun auch Kundus-Kommandeur Klein größer herauskommen und zum General ernannt werden. Finden Sie dies trotz des nunmehr spürbaren massiven Widerstands als Oberkommandierende der Bundeswehr eine richtige Zeichensetzung?
Ihre Frage erfordert gleich mehrere Denkrichtungen und daraus resultierende Antworten.
Erstens: Die Gepflogenheit, Probleme wegzubefördern, ist ganz sicher nicht auf meinem Mist gewachsen.
Zweitens: Diese Art der Generalreinigung kommt den deutschen Steuerzahler bis kurz vor Hartz IV deutlich billiger als der sogenannte Ehrensold eines Exbundespräsidenten, der selbst nie gedient hat - nicht einmal dem deutschen Volk.
Drittens: Die Gorch Fock liegt völlig veraltet im Hafen meiner Wahlkreisstadt Stralsund und braucht keinen Kommandeur. Also war das Finden einer neuen Verwendung geradezu zwingend erforderlich.
Drittens: Als Oberkommandierende des Bundeskabinetts handele ich selbst, als Oberkommandierende der Bundeswehr lasse ich mich von Fachleuten vertreten.
Viertens: Dass militärische Handlungen auf Widerstand treffen, ist der Normalfall - nicht nur in Syrien.
Fünftens: Für Probleme mit der Zeichensetzung gibt es den Duden und die Rechtschreibreformkommission.

Exkanzler Helmut Schmidt hat Ihnen jüngst im Gegensatz zu Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble europäisches Denken abgesprochen - kränkt Sie das?
Nein, nicht im Geringsten. Aus einem angesehenen Herausgeber einer namhaften Wochenzeitung und zuvor nahezu weltweit anerkannten Staatsmann ist binnen weniger Wochen ein alter, nicht nur von vielen nikotinhaltigen Rauchwolken umnebelter rechthaberischer bis störrischer Mann geworden, dessen frühere Reputation heutige Sprachfetzen kaum mehr zu übertünchen vermag. Da sieht man, was eine neue Frau in Windeseile anzurichten vermag. Umso froher bin ich, an meiner partnerschaftlichen Seite einen Mann zu haben.

Das Bundesverfassungsgericht hat durch seine Rechtsprechung neuerlich die Homoehe gestärkt und den derzeitigen Status des Ehegattensplitting bekämpft. Was werden die Folgen sein?
Nun, trotz des Desasters um den neuen Berliner Großflughafen sehe ich den Regierenden Bürgermeister Berlins rein amtlich gesehen außer Gefahr. Auch beim Bundesverfassungsgericht selbst ist derzeit kein weiterer Posten für Nichtbisexuelle frei. Folglich wird sich uns auf absehbare Zeit weder eine zusätzliche Chance, noch ein zusätzliches Problem ereilen.

Die Olympischen Spiele in London haben bislang schon für viel Begeisterung gesorgt, aber auch für manch herbe Enttäuschung auf deutscher Seite - nicht nur im Lager der Springreiter. Wie bewerten Sie diese Situation?
Nun - dass es außerhalb des Euroraumes etwas zu feiern gibt, ist mir natürlich nicht neu. Und Sie haben natürlich recht: Wären die Hürden für meine Regierungsarbeit so niedrig wie die des Springparcours, so würde ich mich schämen, nicht ständig mit einer Goldmedaille nach Hause zu kommen.

Steht schon fest, in welchem Outfit Sie im nächsten Jahr die Bayreuther Festspiele besuchen werden? Nein, aber der Bundesaußenminister wird auch dann bei meinem Anblick in der ihm eigenen Art fesrtstellen können: ,,She sees fit out!“

Frau Bundeskanzlerin - danke für dieses Gespräch. Wir wünschen Ihnen alles Gute.
Danke - ich mir auch.

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Hochverehrte Frau Bundeskanzlerin - danke für die Zeit, die Sie abermals dem Fuchstreff-Forum widmen. Natürlich brennen uns schon wieder etliche Fragen auf den Nägeln.
Das Bundesverfassungsgericht hat unter anderem geurteilt, dass der Einsatz der Bundeswehr im Innern eng begrenzt bleibt und überdies nicht vom Bundesverteidigungsminister allein entschieden werden darf. So bleibt der Abschuss entführter Flugzeuge untersagt. Ärgert Sie das?
Da weder Herr Gabriel, noch Herr Steinmeier, noch Herr Steinbrück je ein Flugzeug entführen werden, bin ich durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in meinem Handeln nicht beeinträchtigt. Und anderweitig entscheide ich ohnehin persönlich darüber, wer abgeschossen wird und wer nicht.

Die Griechen werden wohl aus dem Euro-Verbund austreten - ärgert Sie das?
Mein Mann war als Kind einst begeisterter Drachentöter. Ich werde ihm ein m kaufen, dann kann er sein einstiges Hobby zeitgemäß fortsetzen, während ich ungestört weiterregiere.

Frau Leutheusser-Schnarrenberger ermuntert ihre Parteifreunde dazu, sich von CDU und CSU in Richtung SPD und Grüne abzusetzen - ärgert Sie das?
Ich habe immer schon gesagt: Wenn schon ein Doppelname, dann Kramp-Karrenbauer. Dabei bleibe ich. Zudem bitte ich alle, bei der Kombination von MERKEL und SAUER
auf die Kleinschreibung von sauer zu achten und den Bindestrich wegzulassen.

In Russland sind Musikerinnen und Musiker wegen einer Ordnungswidrigkeit gegenüber der Kirche und Herrn Putin zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden - ärgert Sie das?
Diese Frage gebe ich gern an meinen Amtsvorgänger und Frau Schröder-Köpf weiter.

Während die Bundesregierung versucht, ein Steuerabkommen mit der Schweiz zustandezubekommen, kauft NRW-Finanzminister Borjans eine Steuer-CD nach der anderen und bemüht sich, das Steuerabkommen zu torpedieren. Ärgert Sie das?
Die einzige Steuer-CD, die ich je erworben habe, war die für den Leopard II meines ghostwriters, auf dass der beim Doppelkopfspiel in seinem Dienstfahrzeug nicht unbeabsichtigt auf Passanten zu schießen vermag. Zumindest ist Herrn Borjans' Idee richtig, dass er mit seiner Aktion weniger die Wählerschar der SPD als die von CDU, CSU, FDP und Grünen trifft.

Einige Abgeordnete der Piratenpartei haben Herrn Borjans nunmehr unter anderem wegen Datenklaus angezeigt - freut Sie das?
Zunächst einmal halte ich das Reden von einer Partei in Verbindung mit Piraten für eine unzulässige Wählertäuschung, und der ehemalige Oberbürgermeister von Dortmund sieht dies genauso. Außerdem gehört es prinzipiell zu den Aufgaben eines Finanzministers, anderen etwas wegzunehmen. Ich sehe Herrn Borjans nicht zittern - auch Frau Kraft nicht, falls die Piraten oder mein ehemaliger Kabinettskollege Norbert Röttgen sie wegen Wählerstimmenklaus anzeigen sollten.

Der Berliner Großflughafen wird wohl nicht einmal zum bisweilen genannten Ersatztermin fertig - ärgert Sie das?
Zwar sehe ich mittlerweile nicht nur bei Herrn Wowereit, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, rot, sondern auch bei Herrn Schwarz, dem Flughafendirektor. Aber ich bin in der glücklichen Lage, weder auf einen der beiden, noch auf den neuen Großflughafen angewiesen zu sein. Der Kanzlerinnen-Hubschrauber bringt mich direkt ab Kanzlerinnenamt notfalls überall hin.

Die Olympischen Spiele haben viele in puncto des Platzes Deutschlands im Medaillenspiegel enttäuscht - Sie auch?
Ganz und gar nicht, zumal ich weiß, dass die besondere Leistungsfähigkeit deutscher Sportlerinnen und Sportler bei den nun anstehenden Paralympics weitaus besser zur Geltung kommen wird, weil behinderte Deutsche nicht wie US-Amerikaner in Todeszellen enden oder wie Chinesen einfach von der Bildfläche verschwinden.

Die Briten tun sich schwer damit, die Gewährung politischen Asyls von
Ecuador gegenüber Herrn Assange anzuerkennen. Ärgert Sie das?
Dass die Briten nicht nur in Sachen EU Probleme bereiten, hat nicht zuletzt Argentinien unter Misses Thatcher erlebt. Mister Cameron halte
ich allerdings in dieser Hinsicht eher für ein Weichei. Er hat den Vorteil, sich gegebenenfalls nicht mit einem Asylantrag in die deutsche
Botschaft in London flüchten zu müssen, sondern diesen auch anlässlich von Konsultationen in Berlin stellen zu können. Da Politiker weltweit
zumindest von politischen Gegnern politisch verfolgt werden, würde dem Asylantrag stattgegeben. Und nicht mal das Bundesverfassungsgericht hätte wohl Einwände dagegen.

Herr Gabriel, gerade frisch wiederverheiratet legt derzeit eine Babypause ein. Finden Sie das in Ordnung?
Ich gönne jedem Baby eine Babypause - auch Herrn Gabriel.

Frau Bundeskanzlerin - das Fuchstreff-Forum wünscht Ihnen weiterhin alles erdenklich Gute!
Danke - ich mir auch.

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Der Euro-Raum - ich meine jetzt nicht den Schlafsaal in der obersten Etage der Europäischen Zentralbank in Frankfurt - braucht und hat sichere Grenzen, die sich auch ohne Mauer, Stacheldraht, Todesstreifen und Schießbefehl wirkungsvoll verteidigen, aber für den Fall der Fälle auch möglichst einvernehmlich ändern lassen.
Natürlich haben diese Grenzen auch einen Namen, er lautet auf deutsch Euro-Verschuldungsgrenzen. Innerhalb und auch außerhalb dieser Grenzen existiert der sogenannte Boden der Tatsachen. Er liegt teilweise noch brach, teilweise wird er bewirtschaftet. Ein beträchtlicher Teil dieses Bodens ist mehr oder weniger sinnvoll und ertragreich bebaut. Solche Bauten halten nicht ewig, sondern bedürfen mitunter der Renovierung oder gar des Abbruchs.
Die Akropolis beispielsweise befindet sich schon seit vielen Jahren in einem recht unwohnlichen Zustand und eignet sich auch nicht zur gewerblichen Nutzung - es sei denn, sie würde in Einzelteilen nach generalstabsmäßig erstelltem Plan Richtung Las Vegas verschifft. Gleich daneben hat die griechische Regierung die Errichtung etlicher sogenannter Lügengebäude genehmigt, die über lange Zeit hinweg weder deren Nutzern, noch deren Betrachtern gegenüber als solche in Erscheinung getreten sind. Sie sind zu völlig überhöhten Immobilienwerten gehandelt worden und bilden nun das große Problem, dass ihr Abriss deutlich teurer ist als der danach mögliche Nutzwert des gesamten Areals.
Liegt solch ein Boden samt Aufbauten außerhalb des EU-Raumes, so haben Immobilien- und Finanzbranche lediglich darauf zu achten, dass es für die Kosten dringender Veränderungen genügend sogenannte Kompensationsmasse gibt. Nur durch die Beigabe von Tafelsilber ist da attraktive Neubautätigkeit unter neuen Eigentumsverhältnissen erreichbar.
Liegt solch ein Boden innerhalb des EU-Raumes, so ist sogar das Verramschen von Immobilien- und Finanzwerten höchst problematisch, da es sich auf die übrigen Bereiche preismindernd auswirkt, Renditen fallen und Zinsen steigen lässt.
Auf griechisches Bauland bezogen, bedeutet dies, dass faktisch nur dessen Verlegung nach außerhalb des EU-Raumes dazu dienlich sein kann, die notwendige Deckungsgleichkeit des Euro-Raumes mit seinen Verschuldungsgrenzen wiederherzustellen. Danach allerdings kann alles wieder ins Lot geraten. Dann braucht dort abseits der Rückzahlung von Schulden und Schuldzinsen der Euro nur noch als Umrechnungsfaktor wirksam zu werden. Sowohl griechische Vermögensanlagen im Euro-Inland, als auch die Überweisungen griechischer Gastarbeiter aus dem Euro-Raum in ihre Heimat erhalten einen deutlich höheren Wert. Für bleibende Euro-Bürger, die nach Griechenland fahren, wird der Aufenthalt dort - TUI, TUI, TUI - drastisch billiger, der Feta sogar zusätzlich im Kühlregal heimischer Supermärkte.
Allerdings müsste die für öffentliche Vergaben oberhalb gewisser Mindestbeträge vorgeschriebene europaweite Ausschreibung auf den Euro-Raum beschränkt werden, um weder Pfund für Pfund britische Neugier an Stellen zu wecken, wo alles möglichst deutsch bleiben soll, noch Drachme für Drachme Griechen die bewährte deutsch-orthodoxe Bauweise unterlaufen zu lassen.
Für gewöhnliche Heimatgriechen werden Daimler, Audi und BMW zwar schier unbezahlbar teuer, aber auch die entsprechende Zeh Oh zwei-Belastung bezieht sich dann nur noch auf Ausländerfahrzeuge. Binnenwerte werden für kapitalkräftige Eurofinanziers deutlich attraktiver, und ob die dann Gyros-Preise drastisch übersteigende Produkte von Mac Donalds und Coca Cola ernsthaft vermisst werden, darf duchaus dahingestellt bleiben.
Da, wo der Euro an seine Grenzen stößt, ist er in gewisser Weise an seiner Ausbreitung gehindert. Da hingegen, wo er seinen Besitzern außerhalb hiesiger Verschuldungsgrenzen zu völlig neuer Attraktivität verhilft, kann er Wunder bewirken wie bislang schon in weiten Teilen Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas. Damit wird seine globale Funktionalität gestärkt und sein Ansehen noch kassenwirksamer.
Außerdem lernen wir wieder: Verschuldung hat ihre Grenzen, zumindest die Verschuldung anderer. Nehmen Sie diese neue Erfahrung mit an ihren Arbeitsplatz, aber auch aufs Fußballfeld wo eine griechische Europameistermannschaft keine Wiederholungsgefahr mehr darstellen wird. Somit werde auch ich mich nicht wiederholen müssen. 

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Verehrte Frau Bundeskanzlerin,
danke, dass Sie die Zeit gesucht und gefunden haben, um uns abermals Einblicke in Ihre aktuelle politische Gedankenwelt zu gewähren.
Wer sagt das?
Das hat so direkt niemand gesagt. Das haben wir einfach mal vorausgesetzt.
Vorausgesetzt? Nun machen Sie sich mal nicht größer, als Sie sind.
Wegen der Voraussetzung?
Sehen Sie - damit haben Sie die politische Ebene faktisch bereits verlasasen.
Wieso dies?
Weil Sie einfache Voraussetzungen ja nicht einmal mehr in der Familie antreffen, geschweige denn in der Welt-, Europa- und Deutschlandpolitik.
Was würden wir dort denn stattdessen antreffen?
Das kommt ganz darauf an, welche Wahlversprechungen Ihnen nachhängen.
Wahlversprechungen von wem?
In aller Regel die von Ihnen selbst.
Und zu welchem Ergebnis führen die?
Zunächst zu gar keinem Ergebnis, sondern zu einer Vielzahl von Problemstellungen - vor allem dann, wenn Sie in einer Koalition völlig gegensätzliche Positionen zu demselben Thema antreffen.
Da ist dann wohl die Richtlinienkompetenz gefragt?
Zunächst noch nicht.
Warum nicht?
Weil dort, wo es noch gar keine Linie gibt, auch die Richtlinie unsichtbar bliebe.
Und wie lässt sich zu dieser Linie gelangen?
Durch Gespräche mit dem wechselseitigen Willen zu Einvernehmen - vor allem durch die höhere Einsicht, nicht dauerhaft gegen Gewerkschaftsforderungen, Hartz-vier-Empfänger, geistige Eliten, Lokomotivführer und Piloten, die chinesische und die russische Führung ankämpfen zu können, ohne einen halbwegs frühen eigenen Feierabend zu gefährden.
Und was heißt für Sie halbwegs früh?
So zwischen ein und drei Uhr nachts.
Warum ohnehin erst dann?
Weil sich zuvor Statement an Statement, Sitzung an Sitzung und Meinungsbildung an Meinungsbildung reiht.
In dieser Reihenfolge?
Meist ja.
Und in Ausnahmefällen?
Erfolgt erst die Meinungsbildung, dann die Sitzung und zuletzt das Statement.
Wäre diese Reihenfolge nicht generell vernünftiger?
Vernunft ist gerade im Großraum der Politik ein derart dehnbarer Begriff, dass sich dazu konkrete Aussagen kaum noch machen lassen.
Und welche Aussagen bleiben dann noch übrig?
Konträre Aussagen, mutige Aussagen, profilierende Aussagen, vor allem mehrdeutige Aussagen. Und natürlich irgendwann Aussagen vor irgendeinem der zahllosen Untersuchungsausschüsse.
Was untersuchen die?
Alles, was eine ausreichend starke Opposition fordert, beziehungsweise was eine erfolgreiche Regierung in Erklärungsnöte bringen könnte.
Können Sie uns da ein Beispiel nennen?
Nehmen wir nur einmal das Finanzdilemma der Griechen. Verweigern wir da eine über blumige Worte hinausgehende Unterstützung, wird uns der Verrat europäischer Freunde vorgeworfen. Zahlen wir hingegen, gelten wir als Verschwender von Steuergeldern.
Und was macht man in einem solchen Fall?
Nichts.
Nichts?
Sehen Sie - das Nichts ist eine Art politische Eigendynamik. Ästhetisch verpackt, wirkt es in alle Richtungen wie eine starke Aktion - allerdings mit dem großen Vorteil, dass da niemandem wehgetan wird.
Das wird so einfach hingenommen?
Ja; denn die Untätigen in den gegnerischen Reihen behalten einen niedrigen Adrenalinspiegel, und für die wirklich Aktiven bleibt genügend Freiraum zum Handeln.
Aber ist das Handeln nicht eher Aufgabe der Regierungspolitik?
Wer handelt, gibt das Erreichen politischer Ziele auf - zu Gunsten einiger Privilegierter und zu Lasten von weitaus mehr Menschen als denen, die Sie ohne schmerzhafte Folgen für die eigene Partei der Nichtwählerschaft oder gar der Vorliebe für politische Gegner überlassen können.
Es kommt also auf das Erreichen politischer Ziele überhaupt nicht an?
Wichtig ist vor allem die politische Ziel-Setzung. Die lässt sich über Rednerpulte oder Medienmikrofone verbreiten, überträgt sich auf Zeitungs- und Magazinseiten und findet dann schärfsten Widerspruch bei der politischen Gegnerschaft. Und wenn Sie ganz großes Glück haben, wird sie vom Alltagsgeschehen derart überrollt, dass niemand mehr auf die Idee kommt, das Erreichen des Zieles bei Ihnen anzumahnen.
Ist denn solche Art von Politik nicht vollkommen wirkungslos?
Oh nein! Das nennen wir den politischen Placebo-Effekt.
Placebo-Effekt?
Es kommt einzig und allein darauf an, dass die Wählerschaft den Eindruck gewinnt, es täte sich das Richtige, ohne dass das Falsche die Oberhand gewinnt. Wer seine Hände hübsch gefaltet hält und korrekt ausrichtet, dessen Oberhand bleibt stets deutlich sichtbar.
Aber das qualifiziert Regierende doch in keiner Weise gegenüber der Opposition!
Es kommt weniger auf eine Qualifikation an, als auf Beliebtheit. Mit Qualifikation gewinnt man keine Wahl - alle meine bisherigen Vizekanzler haben dies erfahren müssen.
Herr Rösler?
Zunächst Herr Müntefering. Der hat sich sogar in den eigenen Reihen mit seiner Qualifikation nichts als Ärger eingehandelt. Dann Herr Steinmeier, Herr Westerwelle, Herr Rösler - eine Art Schicksalsgemeinschaft.
Sie sitzen also fest im Sattel?
Nein - ich bevorzuge das Dressurreiten ohne Sattel.
Und wer ist in Ihrem Kabinett das Pferd?
Das kommt ganz darauf an, was gerade ansteht.
Ansteht?
Anstand mit Abstand - das ist mein erfolgreicher Führungsstil.
Das verstehe ich jetzt nicht so recht.
Sehen Sie: Wer verstanden werden möchte, läuft große Gefahr, tatsächlich verstanden zu werden. An einen solchen Super-GAU mag ich gar nicht erst denken.
Sie möchten also lieber unverstanden bleiben?
Ganz richtig. Verständnis ist mir weitaus wichtiger als Verstehen.
Ich verstehe.
Dann sollten Sie das für sich behalten.
Warum?
Wenn aus Geheimnissen Offenbarungen geworden sind, bleibt auch die Beliebtheit in aller Regel auf der Strecke.
Frau Bundeskanzlerin, haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Wir wünschen Ihnen das Beste.
Danke - ich mir auch.

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Warum bloß ist der Neandertaler ausgestorben? Diese Frage stellen wir in Berlin uns angesichts eines immer rebellischer anmutenden Wahlvolkes mittlerweile so oft wie nie zuvor. Um eine Antwort zu finden, muss man wohl die Höhen der Politik verlassen und in die Niederungen von Bürgerbedürfnissen hinabsteigen. Dieser Abstieg ist vor allem für diejenigen schmerzhaft, die dann bemerken, dass der Höhenunterschied in Wirklichkeit genau andersherum existiert.
Wir haben dem Neandertaler Entscheidendes voraus: Wir haben überlebt. Bislang zumindest. Die Gründe für diesen Unterschied liegen auf der Hand: Dem Neandertaler fehlte zum Gehirntraining die Frage, ob ihm der Null-Prozent-Kredit, der Clubkartenrabatt oder die Geld-zurück-Garantie weiterhelfen werde. Er musste scheitern, weil er weder eine dreiteilige Steuernummer behalten, noch eine Bedarfsgemeinschaft bilden konnte. Seine Höhlenposition war eine ausweglose ,,Eigenheim-zu"-Lage, und ohne Lastschrift-Einzugsermächtigung für die Kfz-Steuer blieb ihm nichts übrig als sämtliche Kräfte zu Fuß zu verschleißen. Mal ehrlich: Welche Alternative zum Aussterben hätte es für den gewiss auf einen Rest an Selbstachtung bedachten Neandertaler gegeben?
An dieser Stelle der Erkenntnis stehen zu bleiben, halte ich für das völlig falsche Signal, zeigt sich doch, dass eine Wiederbelebung von Althergebrachtem nicht nur dem Geiste Konrad Adenauers und Ludwig Erhards entspricht. Holen wir das Gute von damals aus den Museen in unseren Alltag zurück! Setzen wir Impulse, die neue Anforderungen mit altem Können vereinbar werden lassen! Denken wir nur an die Lohnsmmen von damals - wie leicht wären die heute bezahlbar!
Weiterdenken bedeutet mitunter Zurückdenken. Besinnen wir uns auf unsere Wurzeln, ehe andere sie uns ziehen. Den Dinosauriern von damals hat man weitgehend ausweichen können, den Heuschrecken von heute eher nicht. Nun gut - es hat damals noch keinen deutschen Papst gegeben, aber man muss ja beim Zurückdrehen der Zeitenschraube nicht alles Derzeitige verwerfen.
Daher bitte ich Sie alle: Rufen Sie sich gute Erinnerungen zurück, um nicht an der Gegenwart zu verzweifeln. Ihre Ahnen haben einst Großes geleistet und mir bewusst gemacht, dass Ahnen von damals dem Wissen von heute nicht zwingend hinterherhinken.  


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ZUR PERSON:

Herr Cajou - bevor ich Ihnen meine Fragen stellen möchte, bitte ich Sie herzlich, sich kurz vorzustellen.

Gern. Mein Name ist Tim Cajou. Ich bin 61 Jahre alt, geschieden und habe eine 25-jährige Tochter. Ich habe den Beruf des Journalisten bei einer großen deutschen Tageszeitung mit Sitz in Düsseldorf erlernt. Im Bundeskanzleramt leite ich seit Mitte 2009 die Abteilung Sprachregelung und Sprechverbote.

Sie stehen als gostwriter in den Diensten der Bundeskanzlerin?

Genau genommen in den Diensten der Bundesrepublik Deutschland, diese vertreten durch den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Frau Bundeskanzlerin Frau Dr. rer. nat. Angela Merkel, diese vertreten durch den Chef des Bundeskanzleramtes, Herrn Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, dieser vertreten durch den Hauptabteilungsleiter für Personalfragen ohne Antworten, Herrn Leitenden Ministerialdirektor Horst Schlämmer.

Aber Sie texten vornehmlich für die Bundeskanzlerin?

Hauptamtlich nein, tatsächlich ja.

Was ist da der Unterschied?

Sehen Sie, ein ghostwriter der Bundeskanzlerin müsste natürlich von dieser selbst beauftragt und bezahlt werden. Deshalb wird in solchen Fällen stets eine Stellenbeschreibung gewählt, die ein gesamtstaatliches Interesse beinhaltet. Dies ist keine Erfindung von Frau Dr. Merkel, sondern eine Art Erbe Konrad Adenauers.

Sprechverbote? Was hat man sich darunter vorzustellen?

Nun - nicht jeder, der etwas weiß, sollte dieses Wissen überall hinposaunen. Gerade dort, wo Kanzlerinnenpolitik eine zumindest relativ klare Linie und Kontur behalten soll, ist es daher häufig erforderlich, Schweigen zu verordnen. Allerdings treten die Sprechverbote hinter den Sprachregelungen mit unter 49 Prozent deutlich zurück.

Und wie sehen Ihre Sprachregelungen aus?

Es sind selbstverständlich zumindest offiziell nicht meine Sprachregelungen, sondern die von Frau Dr. Merkel. Ich bin da nur so eine Art Signalanlage. Und es ist mitunter schon wichtig, den einen Sachverhalt ins richtige Umfeld zu anderen zu stellen.

Wann zum Beispiel?

Sehen Sie - eine Formulierung wie ,,Die Bundeskanzerin fordert den Rücktritt der Herren Assad und Wulff“ wäre zwar inhaltlich korrekt, aber in puncto Außenwirkung geradezu fatal.

Und was geschieht stattdessen?

Frau Dr. Merkel nimmt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Herrn Wulff einschließlich des Antrags auf Immunitäts-Aufhebung zur Kenntnis und verweist gleichzeitig darauf, dass gegen Herrn Assad gerichtete Rücktrittsforderungen eine Angelegenheit der Vereinten Nationen sind.

Arbeiten Sie auch für die CDU?

Ja. Solange Bundesrepublik Deutschland und CDU faktisch ein und dasselbe sind, sogar völlig ohne Probleme.

Kennen sie die ghostwriter anderer Parteien?

Ich kenne sie nicht nur, sondern arbeite eng mit ihnen zusammen.

Warum das?

Weil wir längst erkannt haben, dass es für alle Beteiligten nicht nur weitaus weniger arbeitsaufwändig ist, sondern auch effektiver und der Allgemeinheit dienlicher.

Inwieweit?

Weil alle Fragen, Attacken und andere Einwände denen bekannt sind, die darauf zu reagieren haben.

Den Politikern?

Nein, uns ghostwritern. Das erhöht deutlich unsere Treffsicherheit bei den Antworten und macht überdies ganz allgemein einen besseren Eindruck.

Bei wem?

Bei den Akteuren selbst, aber vor allem auch bei den Medien und damit beim ganzen deutschen Volk und sogar im Ausland.

Können Sie uns da Näheres zum Ablauf sagen?

Für die sogenannte Generalabrechnung der Opposition mit der Regierung im Rahmen der alljährlichen Haushaltsdebatte hat jeder Parlamentsredner nicht nur die richtigen Fakten benötigt, sondern auch die richtigen Pointen und anderweitigen sprachlichen Entgleisungen. Die sollen die Allgemeinheit beeindrucken, ja verblüffen. Für so Angesprochene hingegen wirkt Verblüffung nahezu stets amateurhaft. Deshalb sind alle direkt Beteiligten sehr daran interessiert, dass da niemand im falschen Regen stehen bleibt.

Und wie handeln Sie deshalb gemeinsam?

Nur eine beziehungsweise einer von uns fünfen, die für CDU, CSU, SPD, Grüne oder FDP in der Textverantwortung stehen, schreibt das gesamte Drehbuch für eine solche Debatte. Die anderen vier streuen dann nur noch zusätzliche Pointen ein und achten darauf, dass ihre Klientel rede- und antwortfähig bleibt und somit unsere Arbeitsplätze sicher.

Die ganze Keilerei da im Deutschen Bundestag ist also nur eine Art Show?

So negativ möchte ich das nicht ausgedrückt wissen. Wir sorgen sogar dafür, dass die Medien das, was dort geschieht, als ,,Sternstunden des deutschen Parlamentarismus“ bezeichnen. Und eine solche Einschätzung färbt natürlich nicht direkt auf uns ab, sondern auf die Politiker selbst. Deren Selbstzufriedenheit wird gestärkt, deren Zufriedenheit mit uns ist eher nachrangig, obwohl durchaus nicht unwichtig.

Texten sie von denen grob umrissene Gedanken, oder stammen auch die Gedanken selbst von Ihnen?

Nun - jeder ghostwriter befindet sich da in einem Drei-Phasen-Geschehen.
In der ersten Phase der Zusammenarbeit wird uns ein Gedanken-Wirrwarr gleichsam auf den Schreibtisch geworfen, und unsere Aufgabe ist es dann, daraus akustisch verständliche, inhaltlich jedoch möglichst nach allen Seiten offene Sätze zu machen.
In der zweiten Phase stärken wir bei den Politikern die Gewissheit, dass sie uns in Textfragen auch nicht annähernd das Wasser zu reichen vermögen. Dann bleiben wir in unserer Arbeit zumindest überall dort, wo Bier, Wein und Milch eine nur untergeordnete Rolle spielen, geradezu ungestört.
In der dritten Phase sind die Politiker mit unseren Texten derart gut vertraut, dass ihr Hirn zwischen Fremd- und Eigenleistung gar nicht mehr zu differenzieren vermag. Dies ist dann der Zeitpunkt, wo für uns paradiesische Zustände herrschen, während die Politiker gut daran tun, sich einen guten Anwalt zu suchen, um nicht vor Gericht mit ihrer Wahrheitspflicht in Konflikt zu geraten.

Aber Politiker kommen doch oft in Situationen, in denen sie angesprochen oder gar interviewt werden, ohne sich zuvor bei Ihnen rückversichern zu können.

Ja - das sind für uns die Zeiten, zu denen wir den Atem anhalten und eindringlich darauf hoffen, dass unser ihnen zuvor vermittelter Floskel-Vorrat ihren Absturz verhindern hilft. Andernfalls müssen wir uns halt auf einen anderen Abnehmer einstellen, der unsere Hilfestellungen rechtzeitig an- bzw. aufnimmt.

Werden denn damit nicht die ghostwriter zu den eigentlichen Machthabern in dieser Republik?

In welcher Republik? Ach so - Sie meinen: in Deutschland? Da fällt mir eine Antwort vom einstigen Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, auf die Machtfrage ein. Er sagte damals: ,,Wir haben keine Macht, aber Einfluss“. Es geht doch wohl vor allem darum, den Nutzen fürs deutsche Volk zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. In dieser Hinsicht sehen wir ghostwriter uns auch in der zweiten Reihe erstklassig aufgestellt. 

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Hi Herr Cajou, und wie immer gut Blatt beim Doppelkopfspiel!
Danke - nur mit diesem ist kein re drin.

Wie ist denn Ihre genaue Dienstbezeichnung?
Leitender irgendwas - da müsste ich mal bei unserer Personalabteilung nachfragen.

Ja - haben Sie denn keine Visitenkarte?
Wofür? Als ghostwriter braucht man sowas nicht. Da, wo ich kommuniziere, stelle ich mich als Leiter der Hauptabteilung Sprachregelungen und Sprechverbote im Bundeskanzleramt vor. Das wirkt in ausreichendem Maße.

Sie nennen sich auch Hauptmann der Reserve - das kann aber wohl kaum militärisch gemeint sein, da Sie meiner Recherche nach ganze vier Tage Dienst bei der Bundeswehr geleistet haben und dann ausgemustert worden sind.
Das stimmt. Bei der Sportkompanie in Warendorf ist mein Klassenkamerad Jochen Leiß als Spitzenspieler im Tischtennis groß herausgekommen. Ich hingegen hatte wahrheitsgemäß Schach als meine Sportart angegeben, worauf der Spieß mir ins Gesicht gesagt hat, meinen Namen werde er sich nicht merken müssen. Dann bin ich in die Ersatzreserve zwei umgemustert und vom einschlägigen Dienst am Vaterland wegen vermeintlichen Beckenschiefstandes ferngehalten worden. Dort habe ich mich nicht zu den Kopflosen gezählt, sondern stets zu den Hauptmännern. Wie man sich doch irren kann.

Wie jetzt? Sie haben sich geirrt?
Nicht ich, sondern der Spieß. Vor wenigen Monaten ist er als Kommandeur der Gorch Fock vom Dienst suspendiert worden. Bei der Verabschiedungszeremonie ist ihm dann mein Name auf Anhieb wieder eingefallen.

Wenn ich mir Ihr Dienstfahrzeug so betrachte - einen Leopard 2 - dann haben Sie ja wohl die Nähe zur Bundeswehr nicht vollends verloren.
Da habe ich tatsächlich gegenüber Baron zu Guttenberg einen kleinen Vorsprung behalten.

Ein ungewöhnliches Hobby, wie ich finde.
Aber eines, das unter anderem in puncto Durchsetzungsvermögen enorme Vorteile bietet.

Es heißt. Sie verstünden sich nicht sonderlich gut mit dem Regierungssprecher.
Sehen Sie - Steffen Seibert ist nicht nur journalistischer Profi wie ich, sondern schon aufgrund seines Aussehens eine Art natürlicher Neidfaktor. Andererseits haben sich zwar unsere Einsatzgebiete recht klar voneinander abgrenzen lassen, nicht aber die Auswirkungen aufs Alltagsgeschäft.

Wo hakt es da?
Er ist rein textlich betrachtet der Außenminister, ich der Innenminister. Wollen Sie wirklich wissen, was Herr Dr. Schäuble von Herrn Dr. Westerwelle hält?

Durchaus - erzählen Sie mal.
War die Pause jetzt lang genug?

Duzen Sie sich eigentlich mit der Kanzlerin?
Keineswegs. Wer sich in meinem Arbeitsgebiet duzen lässt, hat hier schon verloren. Angie siezt mich natürlich. Mein direkter Vorgesetzter Horst Schlämmer, jetzt Leitender Kanzleramtsdirektor, ist da nach seiner bekannten Niederlage als Kanzlerkandidat anders verfahren und seitdem hier unser fleißigster Strippenzieher. Er verlegt und wartet die Telefon-, Internet- und Faxkabel im Hause. Diese Arbeit ist mir viel zu körperlich.

Wer ist eigentlich wessen Vorgesetzter? Herr Seibert Ihrer?
Seinem geraden Gang nach zu urteilen schon, nach seinem Textverständnis in keinster Weise - und auch tatsächlich in keinster Weise. Das Bundeskanzleramt sowie das Bundespresse- und Informationsamt sind eher zwei Seiten ein und derselben Medaille - übrigens einer Goldmedaille, solange eine Platinmedaille noch nicht eingeführt ist.

Herr Seibert verfasst seine Texte selbst?
So ist es - zumindest offiziell.

Und das geht gut?
Meistens schon.

Wieso nur meistens?
Nun - früher hat er mitunter auf Fragen geantwortet, darüber müsse die Kanzlerin noch nachdenken. Mit sowas kann er mich schon lange nicht mehr provozieren, und das weiß er mittlerweile auch.

Passt denn das, was Sie der Kanzlerin in den Mund legen, und das, was sich Herr Seibert ausgedacht hat, immer zusammen?
Wenn er sich die Mühe gemacht hat, zuvor meine Textvorlagen zu lesen, schon.

Und sonst?
Ist das weniger mein Problem als seins.

Wie das?
Haben Sie schon einmal der Kanzlerin widersprochen?

Nein.
Sehen Sie.

Irgendetwas Neues von der Bundespräsidentenfront?
Alice Schwarzer fühlt sich übergangen.

Wie wird sich das auswirken?
Sie könnte von BILD den Auftrag annehmen, exklusiv über den Wulff-Prozess zu berichten.

Sie rechnen damit, dass Herrn Wulff der Prozess gemacht wird?
Seitdem das Bepinkeln des Bundespräsidenten - mittlerweile schon vor dessen Wahl - eine Art Volkssport geworden ist, rechnen meine Chefin und ich in dieser Hinsicht mit allem. Deshalb ist unser outfit mittlerweile Mode und Schutzkleidung zugleich.

In der Fuchstreff-Liga haben Sie derzeit wenig Erfolg.
Das sehe ich anders. Meine Aktivitäten hier sind halt nicht dazu ausersehen, anderen das Wasser abzugraben. Dazu habe ich genügend berufliche Möglichkeiten. Zudem fühle ich mich beim Fuchstreff von den einen gut gelitten.

Und die anderen?
Erleiden aufgrund meiner Spielweise Nervenzusammenbruch oder Herzinfarkt - anders als ich selbst.

Sie sehen hier beim Fuchstreff für sich also noch gewisse Aufstiegs-Chancen?
Das hängt - anders als in meinem Job - weitgehend von meinen Gegnern ab.